Ein kluges Buch, die Habilschrift. Einem gelehrten Papst muß man auf den Wegen seiner Gelehrsamkeit folgen, um zu begreifen, wohin er geht. Die Bonaventura-Monographie sagt etwas aus über die Zweigleisigkeit von Innerlichkeit der Glaubensverkündigung und Äußerlichkeit der Machtentfaltung. Vom jungen Ratzinger zum späten Benedikt hat sich die Gewichtung mehr und mehr verschoben.

Mit diesen fast abschließenden Sätzen umriß in einer interessanten Besprechung der deutsche Philosoph Hans Heinz Holz die neuaufgelegte Habilitationsschrift des jetzigen Papstes, des damaligen Jung-Katholen, der auf seinem Weg zum Heute sich immer mehr radikalisierte, jedoch nicht in einem kritischen, sondern eher in einem fundamentalistischen Sinne.

Holz’ Besprechung ist ein nützlicher Kommentar, um dem Papst hinter seine intellektuelle Schliche zu kommen.

Viel Spaß beim Lesen.
Kurt W. Fleming, Leipzig, 12.06.2010

Vom Hetzer gegen Links zum Kritiker des globalen Kapitalismus – so könnte, vorausgesetzt, man ist arg naiv, Geißlers politischer Lebensweg beschrieben werden.
Daß Geißler auch Mitglied der attac-Bewegung wurde, dient eher der Verschleierung der Tatsache, daß Geißler alles andere ist denn – kritisch gegen den bestehenden Kapitalismus.

Wäre er tatsächlich konsequent, müßte er die CDU verlassen, wie es auch SPDler taten, nachdem Schröder und Co. eine Sparorgie gegen die Schwächsten der Gesellschaft lostraten und damit eigene sozialdemokratische Wurzen kappten, indem sie die SPD verließen und viele, aber leider nicht alle, Mitglied der Partei Die Linke. wurden.

Jetzt wurde uns allen ein Sparpaket offeriert, das man mit Recht das radikalste nennt seit Gründung der BRD. Natürlich wird wieder an Stellen gespart, wo es nur die Schwächsten der Gesellschaft trifft.

Doch was tut Radikalinski Geißler?
Statt das Sparpaket abzulehnen, wirbt er dafür. Statt in Krisenzeiten zu investieren, plädiert Geißler für das Sparen als für den jetzigen Zeitpunkt einzige Alternative.

Und wieder liegt es nach Geißler daran, daß das Sparpaket (seiner Meinung nach sachlich richtig) falsch kommuniziert werde, so als sei die Bevölkerung zu blöd zu begreifen, daß es die neoliberale Regierung nur gut meine mit ihr.

Eine einzigartige Entlarvung seiner wirklichen Ansichten, wenn auch hie und da geschickt in Worthülsen versteckt, findet man in seinem Interview für den Focus, einer Zeitschrift, die von dem ideologischen Depp der Nation, Helmut Markwort, geleitet wird.

Die Nachdenken-Seite bringt es auf den Punkt: Wenn man das Focus-Interview von Heiner Geißler gelesen hat, dann versteht man auch besser, warum die Talkshow-Redaktionen ihn so gerne mögen: er bringt soziale Farbe in die Runden, er kritisiert den Kapitalismus mit radikalen Worten. Aber man kann sich darauf verlassen, dass er die politische Basis der neoliberalen Linie schont und verlässlich für diese Basis, für Angela Merkel und Schwarz-Gelb, wirbt. Deshalb ist er eine wunderbare Ergänzung zur üblichen rechtskonservativen Talkshow-Besetzung mit Henkel, Berger, Dohnanyi, Baring, usw. … . Es sieht nach Pluralität aus, ist es aber nicht.

Dieser prägnanten Einschätzung können wir uns nur anschließen.

Kurt W. Fleming, Leipzig, 12.6.2010

Erfolgreiche Abendschiene bestätigt wachsende Aufmerksamkeit für das TDJW | Starke Nachfrage auch außerhalb Leipzigs | Ziele für die Spielzeit 2010/2011: „Herzklopfen“, vierzehn Premieren, elf Herzschritte und die 17. Werkstatt-Tage

Mit guten Zahlen kann sich das Theater der Jungen Welt aus der Spielzeit 2009/2010 verabschieden. Die hohe Nachfrage nach Inszenierungen und sonstigen Angeboten des Leipziger Theaters drückt sich u.a. in einer Zahl aus: 729! So viele Vorstellungen werden voraussichtlich am Spielzeitende (701 in 08/09) gezählt werden können. Und das, obwohl das verhältnismäßig kleine Theater mit seinen 51 Mitarbeitern längst an seine Leistungs-Decke gestoßen ist. Doch gerade die hohe und stets wachsende Zahl an mobilen Vorstellungen und Gastspielen (in 09/10: 34) belegt die hohe Wertschätzung des Theaters weit über Leipzig hinaus – und sorgt zudem 2009/2010 für in der Höhe nie dagewesene Umsatzerlöse des Theaters.

Einen wesentlichen Anteil an den mit voraussichtlich ca. 48.000 Vorstellungsbesuchern sehr guten Besucherzahlen (+3.000 bzw. Steigerung von 76% auf 80% Auslastung ggü. dem Vorjahr) hat die erfolgreiche Abendschiene. Stücke wie Taboris „Mein Kampf“, Zaimoglu/Senkels „Schwarze Jungfrauen“ und Drukers „Patrick anderthalb“, die keineswegs aus Quotengründen in den Spielplan kamen, stießen z.B. auf großes Interesse.

Sven Reese als Hitler

Spielplan 2010/2011 – Mehrere Autorenaufträge – Acht Uraufführungen

Die neue Spielzeit wird mit einer Premiere über Straßenkinder beginnen: „Kiwi“ von Daniel Danis (Premiere 02.09.10, I.: Jürgen Zielinski). Das poetische Stück zeigt deren – angesichts der sozialen Umstände nahezu utopische – Sehnsucht nach familiären Bindungen vor dem Hintergrund einer konsequent nach Ordnungs- und Wirtschaftsaspekten funktionierenden Gesellschaft. Einen ganz anderen Aspekt urbaner „Straßen“-Kultur zeigt die Hip Hop-Tanzproduktion „Battle of Hearts“ (UA, Premiere: 10.09.10; Choreografie: Sheyda Darab) als Herzschrittmacher eines dreitägigen Auftakts zum diesjährigen Motto „Herzklopfen 2010/2011“.

Auch Thomas Braschs wunderschöne Bearbeitung des Andersen-Märchens „Die wilden Schwäne“ wird im Frühjahr 2011 als groß angelegte Produktion, mit der Kammerphilharmonie Leipzig und dem Leipziger Tanztheater LTT als Kooperationspartner, das Theaterhaus „rocken“, oder vielleicht eher zum Tanzen bringen (Premiere: 09.04.11, I: Paula Fünfeck).

Weitere Premieren sind zwei außergewöhnliche Puppenstücke: eine Wikingergeschichte („Wickie, der kleine Wikinger“, P: 17.09.10; I: Thomas Hänsel) und eine Wagner vom Sockel holende und ungeniert tiefer legende Nibelungen-Fassung für Erwachsene („Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut“, P: 31.03.11; I: Anne Klinge) als Germanical. Mike Kennys „Der Junge mit dem Koffer“ (P: 26.02.11, I: Yüksel Yolcu) zeigt den Weg zweier Kinder, die vor dem Bürgerkrieg nach Europa fliehen, in fantastischen „Sindbad“-Anspielungen, während das Sommertheater auf dem Kanal „Fremde Farben – Fremde Töne“ (UA, P: 16.06.11; I: Marion Firlus u.a.) die nicht nur wirtschaftlich begründete Sehnsucht eines großen Leipzigers nach fernen Ländern und Wassern zum Thema hat.

Das stets um moderne Dramatik bemühte Leipziger Theater vergibt in 2010/2011 gleich zwei Autorenaufträge: Shooting-Star Holger Schober, dessen Stück „Hikkikomori“ in der Fassung des Thalia-Theater Hamburg bei den vergangenen Werkstatt-Tagen für Furore sorgte, schreibt dem Theater der Jungen Welt unter dem Arbeitstitel „Aus der Traum“ (UA, P: 03.03.11; I: Jürgen Zielinski) eine von Fußball-Ikone Sebastian Deisler inspirierte Geschichte über Leistungsdruck und Scheitern. Die u.a. mit dem Deutschen Kindertheaterpreis 2008 ausgezeichnete Katrin Lange (am TDJW auch „Ikar“) schreibt den „Schneewittchen“-Stoff neu, der vor Weihnachten auf der großen Bühne von der ehemaligen Fassbinder-Schauspielerin Irmgard Paulis inszeniert wird (UA, P: 21.11.10). Chefdramaturgin Marion Firlus schreibt – ebenfalls für die Weihnachtsproduktion – eine „Timm-Thaler“-Fassung neu (UA, P: 27.11.10; I: Katja Lehmann), inszeniert passend zum diesjährigen Motto ein Puppenvarieté, „Herzklopfen kostenlos“ (UA, P: 29.10.10), und zum Bachfest im Juni 2011 außerdem Liedgeschichten aus „Des Knaben Wunderhorn“ (UA) nach Musik von Gustav Mahler. Ein Mehrgenerationenprojekt unter dem Titel „33 erste Male“ (UA) wird im Mai 2011 unter der Leitung von Simone Neubauer mit Amateuren entwickelt. Als Kontrast im Abendprogramm legt Jürgen Zielinski die legendäre Komödie der Geschlechter, „Offene Zweierbeziehung“ des Nobelpreisträgers Dario Fo und seiner Frau Franca Rame (P: 17.12.10) vor.

Elf Herzschritte werden das diesjährige Spielzeitthema nicht nur von allen Seiten be- und umschreiten, sondern u.a. auch leibhaftig „begehen“. Auf das überdimensional große und tatsächlich begehbare Modell des menschlichen Herzens, das in mehreren Phasen der Spielzeit im Theater aufgestellt wird, darf das Publikum besonders gespannt sein. Der 3-Tages-Auftakt des diesjährigen „Herzklopfens“ (Kooperation mit dem Herzzentrum Leipzig) wird präsentiert vom 10. bis 12.09.2010.

Dass der Schritt vom Kleinen ins Große oft nur kurz ist, belegen nicht zuletzt die sieben eingeladenen Inszenierungen zu den 17. Werkstatt-Tagen der Kinder- und Jugendtheater. Sie stehen für herausragende Produktionen aus Deutschland zum Thema „Bilderwelten – Weltenbilder“, die vom 28.09. bis 02.10.10, neben einem reichhaltigen Rahmenprogramm und etlichen Werkstätten, in Leipzig zu sehen sind.

Weitere Informationen auf Anfrage.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Schiffner

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Theater der Jungen Welt | Eigenbetrieb der Stadt Leipzig
Lindenauer Markt 21 | 04177 Leipzig

Tel. 0341-486 60-20
Fax 0341-477 29 94
Mail m.schiffner@tdjw.de
www.tdjw.de

Impressum

Impressum | Webmaster: Nils Trömel | Wenn nicht anders ausgewiesen alle Fotos & Grafiken © by Kurt W. Fleming