Vom Hetzer gegen Links zum Kritiker des globalen Kapitalismus – so könnte, vorausgesetzt, man ist arg naiv, Geißlers politischer Lebensweg beschrieben werden.
Daß Geißler auch Mitglied der attac-Bewegung wurde, dient eher der Verschleierung der Tatsache, daß Geißler alles andere ist denn – kritisch gegen den bestehenden Kapitalismus.

Wäre er tatsächlich konsequent, müßte er die CDU verlassen, wie es auch SPDler taten, nachdem Schröder und Co. eine Sparorgie gegen die Schwächsten der Gesellschaft lostraten und damit eigene sozialdemokratische Wurzen kappten, indem sie die SPD verließen und viele, aber leider nicht alle, Mitglied der Partei Die Linke. wurden.

Jetzt wurde uns allen ein Sparpaket offeriert, das man mit Recht das radikalste nennt seit Gründung der BRD. Natürlich wird wieder an Stellen gespart, wo es nur die Schwächsten der Gesellschaft trifft.

Doch was tut Radikalinski Geißler?
Statt das Sparpaket abzulehnen, wirbt er dafür. Statt in Krisenzeiten zu investieren, plädiert Geißler für das Sparen als für den jetzigen Zeitpunkt einzige Alternative.

Und wieder liegt es nach Geißler daran, daß das Sparpaket (seiner Meinung nach sachlich richtig) falsch kommuniziert werde, so als sei die Bevölkerung zu blöd zu begreifen, daß es die neoliberale Regierung nur gut meine mit ihr.

Eine einzigartige Entlarvung seiner wirklichen Ansichten, wenn auch hie und da geschickt in Worthülsen versteckt, findet man in seinem Interview für den Focus, einer Zeitschrift, die von dem ideologischen Depp der Nation, Helmut Markwort, geleitet wird.

Die Nachdenken-Seite bringt es auf den Punkt: Wenn man das Focus-Interview von Heiner Geißler gelesen hat, dann versteht man auch besser, warum die Talkshow-Redaktionen ihn so gerne mögen: er bringt soziale Farbe in die Runden, er kritisiert den Kapitalismus mit radikalen Worten. Aber man kann sich darauf verlassen, dass er die politische Basis der neoliberalen Linie schont und verlässlich für diese Basis, für Angela Merkel und Schwarz-Gelb, wirbt. Deshalb ist er eine wunderbare Ergänzung zur üblichen rechtskonservativen Talkshow-Besetzung mit Henkel, Berger, Dohnanyi, Baring, usw. … . Es sieht nach Pluralität aus, ist es aber nicht.

Dieser prägnanten Einschätzung können wir uns nur anschließen.

Kurt W. Fleming, Leipzig, 12.6.2010

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