Von Friedrich Engels, 8. Januar 1845

Friedrich Engels (1820-1895)

Meine Herren! Wir leben, wie Sie eben gehört haben, und wie ich es ohnehin als allgemein bekannt voraussetzen darf, in einer Welt der freien Konkurrenz. Sehen wir uns denn diese freie Konkurrenz und die von ihr erzeugte Weltordnung etwas näher an. In unserer heutigen Gesellschaft arbeitet Jeder auf seine eigne Hand, Jeder sucht sich für seinen Kopf zu berei­chern und kümmert sich nicht im Geringsten um das, was die Andern tun; von einer vernünf­tigen Organisation von einer Verteilung der Arbeiten ist keine Rede, sondern im Gegenteil, Jeder sucht dem Andern den Rang abzulaufen, sucht die günstige Gelegenheit für seinen Pri­vatvorteil auszubeuten und hat weder Zeit noch Lust, daran zu denken, daß sein eigenes Inter­esse im Grunde doch mit dem aller übrigen Menschen zusammenfällt. Der einzelne Kapitalist steht im Kampfe mit allen übrigen Kapitalisten, der einzelne Arbeiter mit allen übrigen Ar­beitern; alle Kapitalisten kämpfen gegen alle Arbeiter, wie die Masse der Arbeiter notwendig wieder gegen die Masse der Kapitalisten zu kämpfen hat. In diesem Kriege Aller gegen Alle, in dieser allgemeinen Unordnung und gegenseitigen Ausbeutung besteht das Wesen der heu­tigen bürgerlichen Gesellschaft. Eine solche ungeregelte Wirtschaft, meine Herren, muß aber notwendig auf die Dauer für die Gesellschaft die unheilvollsten Resultate erzielen; die ihr zum Grunde liegende Unordnung, die Vernachlässigung des wahren, allgemeinen Wohls muß über kurz oder lang in einer eklatanten Weise zu Tage kommen. Der Ruin der kleinen Elite­klasse, des Standes, der die Hauptgrundlage der Staaten des vorigen Jahrhunderts bildete, ist die erste Folge dieses Kampfes. – Wir sehen es ja täglich, wie diese Klasse der Gesellschaft durch die Macht des Kapitals erdrückt wird, wie z. B. die einzelnen Schneidermeister durch die Läden fertiger Kleider, die Möbelschreiner durch die Möbelmagazine ihre besten Kunden verlieren und aus kleinen Kapitalisten, aus Mitgliedern der besitzenden Klasse, in abhängige, für Rechnung Anderer arbeitende Proletarier, in Mitglieder der besitzlosen Klasse verwandelt werden. Der Ruin der Mittelklasse ist eine vielbeklagte Folge unserer vielgepriesenen Gewer­befreiheit, er ist ein notwendiges Resultat der Vorteile, die der große Kapitalist über seinen weniger besitzenden Konkurrenten hat, er ist das energischste Lebenszeichen der Tendenz des Kapitals, sich in wenig Händen zu konzentrieren. Diese Tendenz des Kapitals ist ebenfalls von vielen Seiten anerkannt; es wird allgemein darüber geklagt, daß sich der Besitz täglich mehr und mehr in den Händen Weniger anhäufe, und dagegen die große Mehrzahl der Nation mehr und mehr verarme. So entsteht denn der schroffe Gegensatz von wenigen Reichen auf der einen, und vielen Armen auf der anderen Seite; ein Gegensatz, der in England und Frank­reich bereits auf eine drohende Spitze gesteigert ist und auch bei uns sich mit jedem Tage zu größerer Schärfe entwickelt. Und so lange die jetzige Basis der Gesellschaft beibehalten wird, so lange wird es unmöglich sein, diesem Fortschritt der Bereicherung weniger Einzelnen und der Verarmung der großen Masse Einhalt zu tun; der Gegensatz wird sich schärfer und schär­fer ausbilden, bis endlich die Not die Gesellschaft zu einer Reorganisation nach vernünftige­ren Prinzipien zwingt.

Das, meine Herren, sind aber noch lange nicht alle Folgen der freien Konkurrenz. Da ein Je­der auf seine eigne Hand produziert und konsumiert, ohne sich um die Produktion und Kon­sumtion der Anderen viel zu kümmern, so muß notwendiger Weise sehr bald ein schreiendes Mißverhältnis zwischen der Produktion und der Konsumtion eintreten. Da die heutige Gesell­schaft den Kaufleuten, Spekulanten und Krämern die Verteilung der produzierten Güter an­vertraut, von denen jeder Einzelne wieder nur seinen eigenen Vorteil im Auge hat, so wird in der Austeilung – auch abgesehen von der Unmöglichkeit für den Besitzlosen, sich den genü­genden Anteil zu verschaffen – so wird in der Austeilung der Produkte dasselbe Mißverhältnis eintreten. Wo hat der Fabrikant die Mittel zu erfahren, wie viel von seinem Fabrikat auf die­sem und jenem Markte gebraucht, und wenn er dies erfahren könnte wieviel dann von seinen Konkurrenten nach jedem dieser Märkte geschickt wird? Wie soll er, der in den meisten Fäl­len gar nicht einmal weiß, wohin die Ware gehen wird, die er eben fabriziert – wie soll er nun gar wissen können, wieviel seine auswärtigen Konkurrenten nach jedem der betreffenden Märkte liefern werden? Er weiß von dem Allem Nichts, er fabriziert, wie seine Konkurrenten, in’s Blaue hinein und tröstet sich damit, daß die Anderen dies eben auch tun müssen. Er hat keine andere Richtschnur, als den ewig schwankenden Stand der Preise, der bei entfernten Märkten im Augenblicke, wo er seine Ware absendet, schon ein ganz anderer ist, als in dem Augenblicke, in dem der ihn darüber unterrichtende Brief geschrieben wurde, und der im Au­genblicke, wo die Ware ankommt, wieder anders ist, als im Augenblicke, wo sie abgesandt wurde. Bei einer solchen Regellosigkeit der Produktion ist es denn auch ganz natürlich, wenn jeden Augenblick Stockungen des Verkehrs eintreten, die natürlich um so bedeutender sein müssen, je fortgeschrittener die Industrie und der Handel eines Landes ist. Das Land der aus­gebildetsten Industrie, England, bietet uns daher hier die schlagendsten Beispiele. Durch die Ausbildung des Verkehrs, durch die vielen Spekulanten und Kommissionäre, die sich hier zwischen den produzierenden Fabrikanten und die wirklichen Konsumenten eingedrängt ha­ben, wird es dem englischen Fabrikanten noch viel schwieriger gemacht, als dem deutschen, auch nur das Geringste über das Verhältnis der Vorräte und der Produktion zur Konsumtion zu erfahren; er hat dazu fast alle Märkte der Welt zu versorgen – er erfährt fast in keinem ein­zigen Falle, wohin seine Ware geht, und so findet es sich bei der ungeheuren Produktionskraft der englischen Industrie sehr häufig, daß alle Märkte plötzlich überfüllt sind. Der Verkehr stockt, die Fabriken arbeiten halbe Zeit oder gar nicht, eine Reihe von Fallissementen tritt ein, die Vorräte müssen zu Spottpreisen losgeschlagen werden, und ein großer Teil des Kapitals, das mit Mühe gesammelt war, geht so durch eine solche Handelskrisis wieder verloren. Sol­cher Handelskrisen haben wir in England seit dem Anfange dieses Jahrhunderts eine ganze Reihe und in den letzten zwanzig Jahren alle fünf oder sechs Jahre eine gehabt. Die letzten, die von 1837 und 1842, werden den meisten von Ihnen, meine Herren, noch deutlich in Erin­nerung sein. Und wenn unsere Industrie auch so großartig, unser Absatz so weitverzweigt wäre, wie die lndustrie und der Handel Englands, so würden wir dieselben Resultate erleben, während jetzt bei uns die Wirkung der Konkurrenz in der Industrie und im Verkehr in einer allgemeinen, dauernden De pression aller Geschäftszweige, in einem unglückseligen Mittel­zustande zwischen entschiedener Blüte und gänzlichem Verkommen, in einem Zustande der gelinden Stockung, d. h. der Stabilität, sich fühlbar macht.

Meine Herren, was ist der eigentliche Grund dieser Übelstände? Woraus entspringt der Ruin der Mittelklasse, der schroffe Gegensatz von Arm und Reich, die Stockungen des Verkehrs und die daraus entstehende Verschwendung von Kapital? Aus keiner anderen Ursache, als aus der Zersplitterung der Interessen. Wir arbeiten Alle, ein jeder für seinen eigenen Vorteil, un­bekümmert um das Wohl der Anderen, und es ist doch eine augenscheinliche, eine sich von selbst verstehende Wahrheit, daß das Interesse, das Wohl, das Lebensglück jedes Einzelnen mit dem seiner Mitmenschen unzertrennlich zusammenhängt. Wir müssen uns Alle gestehen, daß Keiner von uns seine Mitmenschen entbehren kann, daß schon das Interesse uns Alle aneinander fesselt, und doch schlagen wir dieser Wahrheit mit unseren Handlungen geradezu in’s Gesicht, und doch richten wir unsere Gesellschaft so ein, als ob unsere Interessen nicht dieselben, sondern einander ganz und gar entgegengesetzt wären. Wir haben gesehen, was die Folgen dieses Grundirrtums waren; wollen wir diese schlimmen Folgen beseitigen, so müssen wir den Grundirrtum reformieren, und das beabsichtigt eben der Kommunismus.

 

TEIL 2

In der kommunistischen Gesellschaft, wo die Interessen der Einzelnen nicht einander entge­gengesetzt, sondern vereinigt sind, ist die Konkurrenz aufgehoben. Von einem Ruin einzelner Klassen, von Klassen überhaupt, wie heutzutage Reiche und Arme, kann, wie sich von selbst versteht, keine Rede mehr sein. Sowie bei der Produktion und Austeilung der zum Lehen nö­tigen Güter der Privaterwerb, der Zweck des Einzelnen, sich auf eigne Faust zu bereichern, wegfällt, fallen auch die Krisen des Verkehrs von selbst weg. In der kommunistischen Gesell­schaft wird es ein Leichtes sein, sowohl die Produktion wie die Konsumtion zu kennen. Da man weiß, wie viel ein Einzelner im Durchschnitt braucht, so ist es leicht zu berechnen, wie viel von einer gewissen Anzahl Individuen gebraucht wird, und da die Produktion alsdann nicht mehr in den Händen einzelner Privaterwerber, sondern in den Händen der Gemeinde und ihrer Verwaltung ist, so ist es eine Kleinigkeit, die Produktion nach den Bedürfnissen zu regeln.

Wir sehen also, wie in der kommunistischen Organisation die Hauptübel des jetzigen sozialen Zustandes wegfallen. Wenn wir indes etwas mehr in’s Detail gehen, so werden wir finden, daß die Vorteile einer solchen Organisation hierbei nicht stehen bleiben, sondern sich auch auf die Beseitigung einer Menge anderer Übelstände erstrecken, von denen ich heute nur ei­nige ökonomische erwähnen will. Die jetzige Einrichtung der Gesellschaft ist in ökonomi­scher Beziehung gewiß die unvernünftigste und unpraktischste, die wir uns denken können. Die Entgegensetzung der Interessen bringt es mit sich, daß eine große Menge Arbeitskraft auf eine Weise verwendet wird, von der die Gesellschaft keinen Nutzen hat, daß ein bedeutendes Quantum Kapital unnötiger Weise verloren geht, ohne sich zu reproduzieren. Wir sehen dies schon bei den Handelskrisen; wir sehen, wie Massen von Produkten, die doch Alle von Men­schen mühsam erarbeitet waren, zu Preisen weggeschleudert werden, die dem Verkäufer Verlust lassen; wir sehen, wie durch Bankerotte Massen von Kapitalien, die doch mühsam angehäuft waren, den Besitzern unter den Händen verschwinden. Gehen wir indes etwas mehr in’s Detail des jetzigen Verkehrs. Bedenken Sie, durch wie viele Hände jedes Produkt gehen muß, bis es in die des wirklichen Konsumenten gerät bedenken Sie, m. H., wie viele spekulie­rende und überflüssige Zwischenschieber sich jetzt zwischen den Produzenten und den Kon­sumenten eingedrängt haben! Nehmen wir ein Beispiel, etwa einen Baumwollballen, der in Nordamerika fabriziert wird. Der Ballen geht aus den Händen des Pflanzers in die des Faktors an irgend einer beliebigen Station des Mississippi über, er wandert den Fluß hinunter nach Neworleans. Hier wird er verkauft – zum Zweitenmale, da ihn der Faktor schon vom Pflanzer kaufte – verkauft, meinetwegen an den Spekulanten, der ihn wieder an den Exporteur ver­kauft. Der Ballen geht nun etwa nach Liverpool, wo wieder ein gieriger Spekulant seine Hände nach ihm ausstreckt und ihn an sich reißt. Dieser verhandelt ihn wieder an einen Kommissionär, der für Rechnung – wir wollen sagen, eines deutschen Hauses kauft. So wan­dert der Ballen nach Rotterdam, den Rhein herauf durch noch ein Dutzend Hände von Spedi­teuren, nachdem er ein Dutzendmal aus- und eingeladen worden ist – und dann erst ist er in den Händen, nicht des Konsumenten, sondern des Fabrikanten, der ihn erst konsumierbar macht, sein Garn vielleicht dem Weber, dieser das Gewebe dem Drucker, der dem Grossisten und dieser wieder dem Detaillisten verhandelt, der denn endlich die Ware dem Konsumenten liefert. Und alle diese Millionen Zwischenschieber, Spekulanten, Faktoren, Exporteurs, Kommissionäre, Spediteure, Grossisten und Detaillisten, die doch an der Ware selbst Nichts tun, sie wollen Alle leben und ihren Profit dabei machen und machen ihn auch im Durch­schnitt, denn sonst könnten sie nicht bestehen – meine Herren, gibt es keinen einfacheren, wohlfeileren Weg, einen Baumwollballen von Amerika nach Deutschland und das aus dem­selben verfertigte Fabrikat in die Hände des wirklichen Konsumenten zu liefern, als diesen weitläufigen des zehnmaligen Verkaufens, des hundertmaligen Umladens und Transportierens aus einem Magazin in’s andere? Ist dies nicht ein schlagender Beweis der vielen Verschwen­dung von Arbeitskraft, die durch die Zersplitterung der Interessen herbeigeführt wird? – In der vernünftig organisierten Gesellschaft ist von einem solchen umständlichen Transporte keine Rede. Ebenso leicht, wie man wissen kann, wieviel eine einzelne Kolonie an Baumwolle oder Baumwollfabrikaten gebraucht, um bei dem Beispiele stehen zu bleiben – ebenso leicht wird es der Zentralverwaltung sein, zu erfahren, wieviel sämtliche Ortschaften und Gemeinden des Landes gebrauchen. Ist eine solche Statistik einmal organisiert, was in einem oder zwei Jahren leicht geschehen kann, so wird sich der Durchschnitt des jährlichen Konsums nur im Verhält­nis der steigenden Bevölkerung verändern; es ist also ein Leichtes, zur gehörigen Zeit voraus­zubestimmen, welches Quantum von jedem einzelnen Artikel das Bedürfnis des Volkes erfor­dern wird man wird die ganze, große Quantität sich direkt an der Quelle bestellen, man wird sie direkt, ohne Zwischenschieber, ohne mehr Aufenthalt und Umladungen, als wirklich in der Natur der Kommunikation begründet sind, also mit einer großen Ersparnis von Arbeitskraft, beziehen können; man wird nicht nötig haben, den Spekulanten, Groß- und Kleinhändlern ih­ren Nutzen zu bezahlen. Aber das ist noch nicht Alles – diese Zwischenschieber werden nicht nur auf diese Weise der Gesellschaft unschädlich, sie werden ihr sogar vorteilhaft gemacht. Während sie jetzt zum Nachteil aller Anderen eine Arbeit tun, die im besten Falle überflüssig ist, und ihnen doch den Lebensunterhalt, ja in vielen Fällen große Reichtümer einbringt, wäh­rend sie also jetzt dem allgemeinen Besten direkt nachteilig sind, werden sie dann die Hände zu nützlicher Tätigkeit frei bekommen und eine Beschäftigung ergreifen können, worin sie sich als wirkliche, nicht nur scheinbare, erheuchelte Mitglieder der menschlichen Gesellschaft und Teilnehmer an ihrer Gesamttätigkeit erweisen.

Die jetzige Gesellschaft, welche den einzelnen Menschen mit allen übrigen in Feindschaft bringt, erzeugt auf diese Weise einen sozialen Krieg Aller gegen Alle, der notwendigerweise bei Einzelnen, namentlich Ungebildeten, eine brutale, barbarisch-gewaltsame Form annehmen muß – die Form des Verbrechens. Um sich gegen das Verbrechen, gegen die offene Gewalttat zu schützen, bedarf die Gesellschaft eines weitläuftigen, verwickelten Organismus von Ver­waltungs- und Gerichtsbehörden, der eine unendliche Menge von Arbeitskräften in Anspruch nimmt. In der kommunistischen Gesellschaft würde sich auch dies unendlich vereinfachen, und gerade deshalb – so bizarr es auch klingen mag – gerade deshalb, weil in dieser Gesell­schaft die Verwaltung nicht nur einzelne Seiten des sozialen Lebens, sondern das ganze so­ziale Leben in allen seinen einzelnen Tätigkeiten, nach allen seinen Seiten hin, zu administrie­ren haben würde. Wir heben den Gegensatz des einzelnen Menschen gegen alle andern auf – wir setzen dem sozialen Krieg den sozialen Frieden entgegen, wir legen die Axt an die Wurzel des Verbrechens – und machen dadurch den größten, bei weitem größten Teil der jetzigen Tä­tigkeit, der Verwaltungs- und Justizbehörden überflüssig. Schon jetzt verschwinden die Ver­brechen der Leidenschaft immer mehr gegen die Verbrechen der Berechnung, des Interesses – die Verbrechen gegen Personen nehmen ab, die Verbrechen gegen das Eigentum nehmen zu. Die fortschreitende Zivilisation mildert die gewaltsamen Ausbrüche der Leidenschaft schon in der jetzigen, auf dem Kriegsfuß stehenden, wie viel mehr in der kommunistischen, friedlichen Gesellschaft! Die Verbrechen gegen das Eigentum fallen von selbst da weg, wo Jeder erhält, was er zur Befriedigung seiner natürlichen und geistigen Triebe bedarf, wo die sozialen Ab­stufungen und Unterschiede wegfallen. Die Kriminaljustiz hört von selbst auf, die Ziviljustiz, die doch fast lauter Eigentumsverhältnisse oder wenigstens solche Verhältnisse, die den so­zialen Kriegszustand zur Voraussetzung haben, behandelt, fällt ebenfalls weg; Streitigkeiten können dann nur seltne Ausnahmen sein, wo sie jetzt die natürliche Folge der allgemeinen Feindschaft sind, und werden leicht sich durch Schiedsrichter schlichten lassen. Die Verwal­tungsbehörden haben jetzt ebenfalls in dem fortwährenden Kriegszustand die Quelle ihrer Be­schäftigung die Polizei und die ganze Administration tut weiter nichts, als daß sie dafür sorgt, daß der Krieg ein verdeckter, indirekter bleibe, daß er nicht in offne Gewalt, in Verbrechen ausarte. Wenn es aber unendlich leichter ist, den Frieden zu erhalten, als den Krieg in gewisse Schranken zu bannen, so ist es auch unendlich leichter, eine kommunistische als eine konkur­rierende Gemeinde zu verwalten. Und wenn schon jetzt die Zivilisation die Menschen gelehrt hat, ihr Interesse in der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung, der öffentlichen Sicher­heit, des öffentlichen Interesses zu suchen, also die Polizei, Verwaltung und Justiz möglichst überflüssig zu machen, um wie viel mehr wird dies der Fall sein in einer Gesellschaft, in der die Gemeinschaft der Interessen zum Grundprinzip erhoben ist, in dem das öffentliche Inter­esse sich nicht mehr von dem jedes Einzelnen unterscheidet! Was jetzt schon trotz der sozia­len Einrichtung besteht, wie viel mehr wird das geschehen, wenn es nicht mehr durch die so­zialen Einrichtungen gehindert, sondern unterstützt wird! Wir dürfen also auch von dieser Seite her auf einen beträchtlichen Zuwachs von Arbeitskräften rechnen, welche der jetzige so­ziale Zustand der Gesellschaft entzieht.

 

TEIL 3

Eine der kostspieligsten Einrichtungen, deren die jetzige Gesellschaft nicht entbehren kann, sind die stehenden Heere, welche der Nation den kräftigsten, brauchbarsten Teil der Bevölke­rung entziehen und sie zwingen, diesen dadurch unproduktiv gewordenen Teil zu ernähren. Wir wissen es an unserem eignen Staatsbudget, was uns das stehende Heer kostet – vierund­zwanzig Millionen jährlich und die Entziehung von zweimalhundertrausend der kräftigsten Arme aus der Produktion. In der kommunistischen Gesellschaft würde es keinem Menschen einfallen, an ein stehendes Heer zu denken. Wozu auch? Zur Bewahrung der inneren Ruhe des Landes? Es wird, wie wir oben sahen, keinem Einzigen einfallen, diese innere Ruhe zu stören. Die Furcht vor Revolutionen ist ja nur die Folge der Oppoisition der Interessen; wo die Interessen Aller zusammenfallen, kann von einer solchen Furcht keine Rede sein. Zu einem Angriffskriege? Wie sollte eine kommunistische Gesellschaft dazu kommen, einen Angriffs­krieg zu unternehmen – sie, die sehr gut weiß, daß sie im Kriege nur Menschen und Kapital verliert, während sie höchstens ein paar widerwillige, also eine Störung in die soziale Ord­nung bringende Provinzen erlangen kann! – Zu einem Verteidigungskriege? Dazu bedarf es keines stehenden Heeres, da es ein Leichtes sein wird, jedes fähige Mitglied der Gesellschaft auch neben seinen übrigen Beschäftigungen soweit in der wirklichen, nicht parademäßigen, Waffengewandtheit zu üben, als zur Verteidigung des Landes nötig ist. Und bedenken Sie da­bei, meine Herren, daß das Mitglied einer solchen Gesellschaft im Falle eines Krieges, der ohnehin nur gegen antikommunistische Nationen vorkommen könnte, ein wirkliches Vater­land, einen wirklichen Herd zu verteidigen hat, daß er also mit einer Begeisterung, mit einer Ausdauer, mit einer Tapferkeit kämpfen wird, vor der die maschinenmäßige Geschultheit ei­ner modernen Armee wie Spreu auseinander fliegen muß; bedenken Sie, welche Wunder der Enthusiasmus der revolutionären Armeen von 1792 bis 99 getan hat, die doch nur für eine Il­lusion, für ein Scheinvaterland kämpften, und Sie werden einsehen müssen, von welcher Kraft ein Heer sein muß, das für keine Illusion, sondern für eine handgreifliche Wirklichkeit sich schlägt. Diese unzähligen Massen von Arbeitskräften also, welche jetzt den zivilisierten Völkern durch die Armeen entzogen werden, würden in einer kommunistischen Organisation sonach der Arbeit zurückgegeben werden; sie würden nicht nur soviel erzeugen, wie sie ver­brauchen, sondern noch weit mehr Produkte, als zu ihrem Unterhalt nötig sind, an die öffent­lichen Vorratshäuser abliefern können.

Eine noch viel schlimmere Verschwendung von Arbeitskräften findet sich in der bestehenden Gesellschaft in der Art, wie die Reichen ihre soziale Stellung ausbeuten. Ich will von dem vielen unnützen und geradezu lächerlichen Luxus, der seine Quelle nur in der Sucht sich aus­zuzeichnen hat und eine Menge Arbeitskräfte in Anspruch nimmt, gar nicht sprechen. Aber gehen Sie, meine Herren, einmal geradezu in das Haus, das innerste Heiligtum eines Reichen, und sagen Sie mir, ob es nicht die tollste Vergeudung von Arbeitskraft ist, wenn hier eine Menge von Menschen zur Bedienung eines Einzigen in Anspruch genommen und mit Faulen­zen, oder wenn es hoch kommt, nur mir solchen Arbeiten beschäftigt werden, die ihre Quelle in der Isolierung jedes Menschen auf seine vier Wände haben? Diese Menge Dienstmädchen, Köchinnen, Lakaien, Kutscher, Hausknechte, Gärtner und wie sie alle heißen, was tun sie denn eigentlich? Wie wenig Augenblicke sind sie des Tages beschäftigt, um ihrer Herrschaft das Leben wirklich angenehm zu machen, um der Herrschaft die freie Ausbildung und Ausü­bung ihrer menschlichen Natur und ihrer angebornen Kräfte zu erleichtern – und wie viele Stunden des Tages sind sie mit Arbeiten beschäftigt, die nur in der schlechten Einrichtung un­srer gesellschaftlichen Verhältnisse ihre Ursache haben hinten auf dem Wagen stehen, den Marotten der Herrschaft zu Diensten sein, Schoßhunde nachtragen und andre Lächerlichkei­ten. In der vernünftig organisierten Gesellschaft, wo Jeder in die Lage versetzt wird, leben zu können, auch ohne den Marotten der Reichen zu frönen und ohne auf solche Marotten zu ver­fallen – in dieser Gesellschaft kann natürlich auch die jetzt so vergeudete Arbeitskraft der Lu­xusbedienung zum Vorteil Aller und zu ihrem eignen Vorteil verwandt werden.

Eine weitere Verschwendung von Arbeitskraft findet in der heutigen Gesellschaft ganz direkt durch den Einfluß der Konkurrenz statt, indem diese eine große Anzahl brotloser Arbeiter schafft, die gern arbeiten möchten, aber keine Arbeit erhalten können. Da nämlich die Gesell­schaft gar nicht darauf eingerichtet ist, von der wirklichen Verwendung der Arbeitskräfte No­tiz nehmen zu können, da es jedem Einzelnen überlassen ist, sich eine Erwerbsquelle zu su­chen, so ist es ganz natürlich, daß bei der Verteilung der wirklich oder scheinbar nützlichen Arbeiten eine Anzahl Arbeiter leer ausgehen. Dies ist um so eher der Fall, als der Kampf der Konkurrenz jeden Einzelnen antreibt, seine Kräfte auf’s höchste anzustrengen, alle Vorteile zu benutzen, die sich ihm bieten, teure Arbeitskräfte durch wohlfeilere zu ersetzen, wozu die steigende Zivilisation täglich mehr und mehr Mittel bietet – oder, mit andern Worten ein Jeder muß daran arbeiten, Andre brotlos zu machen, die Arbeit Andrer auf die eine oder die andre Weise zu verdrängen. So findet sich denn in jeder zivilisierten Gesellschaft eine große Anzahl arbeitsloser Leute, die gern arbeiten möchten, aber keine Arbeit finden, und diese Anzahl ist größer, als man gewöhnlich glaubt. Da finden wir diese Leute denn, wie sie sich auf die eine oder andre Weise prostituieren, betteln, Straßen kehren, an den Ecken stehen, von gelegentli­chen kleinen Diensten mit Mühe und Not Leib und Seele zusammen halten, mit allen erdenk­lichen kleinen Waren hökern und herumhausieren – oder, wie wir es heute Abend an ein paar armen Mädchen gesehen haben, mit der Guitarre von Ort zu Ort ziehen, für Geld spielen und singen, genötigt, sich jede unverschämte Ansprache, jede beleidigende Zumutung gefallen zu lassen, um nur ein paar Groschen zu verdienen. Wie Viele endlich gibt es, die der eigentlichen Prostitution als Opfer verfallen! Meine Herren, die Anzahl dieser Brotlosen, denen nichts üb­rig bleibt, als auf die eine oder die andre Weise sich zu prostituieren, ist sehr groß – unsre Ar­menverwaltungen wissen davon zu erzählen – und vergessen Sie nicht, daß die Gesellschaft diese Leute trotz ihrer Nutzlosigkeit auf die eine oder die andre Art dennoch ernährt. Wenn also die Gesellschaft die Kosten für ihren Unterhalt zu tragen hat, so sollte sie auch dafür sor­gen, daß diese Arbeitslosen ihren Unterhalt ehrbar verdienten. Das aber kann die jetzige, konkurrierende Gesellschaft nicht.

 

TEIL 4

Wenn Sie, meine Herren, dies Alles bedenken – und ich hätte noch eine Menge anderer Bei­spiele anführen können, wie die jetzige Gesellschaft ihre Arbeitskräfte vergeudet – wenn Sie dies bedenken, so werden Sie finden, daß der menschlichen Gesellschaft ein Überfluß an Pro­duktionskräften zu Gebote steht, der nur auf eine vernünftige Organisation, auf eine geordnete Verteilung wartet, um mit dem größten Vorteil für Alle in Tätigkeit zu treten. Sie werden hiernach, meine Herren, beurteilen können, wie wenig die Befürchtung gegründet ist, als müßte bei einer gerechten Verteilung der gesellschaftlichen Tätigkeit dem Einzelnen eine sol­che Last von Arbeit zufallen, daß sie ihm alle Beschäftigung mit anderen Dingen unmöglich mache. Im Gegenteil können wir annehmen, daß bei einer solchen Organisation die jetzt übli­che Arbeitszeit des Einzelnen schon durch die Benutzung der jetzt gar nicht oder unvorteilhaft angewandten Arbeitskräfte auf die Hälfte reduziert werden wird.

Die Vorteile indes, welche die kommunistische Einrichtung durch Benutzung verschwendeter Arbeitskräfte bietet, sind noch nicht die bedeutendsten. Die größte Ersparnis von Arbeitskraft liegt in der Vereinigung der einzelnen Kräfte zur sozialen Kollektivkraft und in der Einrich­tung, welche auf diese Konzentration der bis jetzt einander gegenüberstehenden Kräfte beruht. Ich will mich hier an die Vorschläge des englischen Sozialisten Robert Owen anschließen, da diese die praktischsten und am meisten ausgearbeiteten sind. Owen schlägt vor, an die Stelle der jetzigen Städte und Dörfer mit ihren vereinzelten, einander im Wege stehenden Wohnhäu­sern große Paläste aufzuführen, die, in einem Quadrat von etwa 1650 Fuß Länge und Breite gebaut, einen großen Garten einschließen und etwa zwei bis dreitausend Menschen bequem beherbergen können. Daß ein solches Gebäude, während es den Einwohnern die Bequemlich­keiten der besten jetzigen Wohnungen bietet, dennoch weit wohlfeiler und leichter zu errich­ten ist, als die nach dem jetzigen System für eben so viele Leute benötigten, größtenteils schlechteren Einzelwohnungen, liegt auf der Hand. Die vielen Zimmer, die jetzt fast in jedem anständigen Hause leer stehen oder ein bis zweimal des Jahres gebraucht werden, fallen ohne alle Unbequemlichkeit weg; die Ersparnis an Raum für Vorratskammern, Keller etc. ist eben­falls sehr groß. Gehen wir aber auf das Detail der Hauswirtschaft ein, so werden wir erst recht die Vorteile der Gemeinschaft einsehen. Welch eine Menge von Arbeit und Material wird nicht bei der jetzigen, zersplitterten Wirtschaft verschwendet – z. B. bei der Heizung! Sie müssen für jedes Zimmer einen besonderen Ofen haben; ein jeder Ofen will besonders ge­heizt, in Brand gehalten, beaufsichtigt werden; das Brennmaterial muß nach allen diesen ver­schiedenen Orten hingebracht, die Asche weggeholt werden; wie viel einfacher und wohlfei­ler ist es nicht, an die Stelle dieser vereinzelten Heizung eine großartige Gesamtheizung, z. B. mit Dampfröhren und einem einzigen Heizungszentrum, zu setzen, wie dies schon jetzt in großen Gesellschaftslokalen, Fabriken, Kirchen etc. geschieht! Ferner die Beleuchtung durch Gas, die jetzt noch dadurch kostspielig wird, daß selbst die dünneren Röhren unter der Erde liegen müssen, und die Röhren überhaupt wegen des großen Raumes, der in unseren Städten zu beleuchten ist, von unverhältnismäßiger Länge sein müssen, während bei der vorgeschla­genen Einrichtung Alles auf einem Raume von 1650 Fuß im Quadrat konzentriert, und die Menge der 35 brennenden Gasflammen dennoch ebenso groß, das Resultat also mindestens ebenso lohnend ist, wie in einer mäßigen Stadt. Dann die Bereitung der Mahlzeiten – welche Verschwendung von Raum, Material und Arbeitskraft bei der jetzigen zersplitterten Wirt­schaft, wo jede Familie ihr Bißchen Essen besonders kocht, ihr apartes Geschirr hat, ihre aparte Köchin anstellt, ihre Speisen apart vom Markte, aus dem Garten, vom Fleischer und Bäcker holen muß! Man kann ruhig annehmen, daß bei einer gemeinschaftlichen Speisebe­reitung und Aufwartung zwei Drittel der jetzt bei dieser Arbeit beschäftigten Arbeitskräfte erspart und das übrige Drittel dennoch seine Arbeit besser und aufmerksamer wird verrichten können, als dies jetzt geschieht. Und endlich die Hausarbeiten selbst! Wird sich ein solches Gebäude nicht unendlich viel leichter reinigen und in gutem Stande halten lassen, wenn, wie es hier möglich ist, diese Art der Arbeit gleichfalls organisiert und regelmäßig verteilt ist, als die zwei- bis dreihundert getrennten Häuser, welche bei der jetzigen Einrichtung die Woh­nungen einer gleichen Zahl sein würden?

Dies, meine Herren, sind einige wenige von den unendlichen Vorteilen, welche in ökonomi­scher Beziehung aus der kommunistischen Organisation der menschlichen Gesellschaft her­vorgehen müssen. Es ist uns nicht möglich, in einigen Stunden und mit wenigen Worten unser Prinzip Ihnen klar zu machen und gehörig nach allen Seiten hin zu begründen. Dies ist auch keineswegs unsere Absicht. Wir können und wollen Nichts, als über einige Punkte Aufklä­rung geben und Diejenigen, denen die Sache noch fremd ist, zum Studium derselben veranlas­sen. Und soviel wenigstens hoffen wir Ihnen heute Abend klar gemacht zu haben, daß der Kommunismus weder der menschlichen Natur, dem Verstand und dem Herzen widerstrebt, noch daß er eine Theorie ist, die, ohne irgend Rücksicht auf die Wirklichkeit zu nehmen, bloß in der Phantasie ihre Wurzel hat.

 

TEIL 5

Man fragt, wie denn diese Theorie in die Wirklichkeit einzuführen sei, welche Maßregeln wir vorzuschlagen haben, um ihre Einführung vorzubereiten. Es gibt verschiedene Wege zu die­sem Ziele; die Engländer werden wahrscheinlich damit beginnen, daß sie einzelne Kolonieen errichten und es jedem überlassen, ob er beitreten will oder nicht; die Franzosen dagegen werden wohl den Kommunismus auf nationalem Wege vorbereiten und durchführen. Wie die Deutschen es anfangen werden, darüber läßt sich bei der Neuheit der sozialen Bewegung in Deutschland wenig sagen. Einstweilen will ich unter den vielen möglichen Wegen der Vorbe­reitung nur einen einzigen erwähnen, von dem in der letzten Zeit mehrfach die Rede gewesen ist – nämlich die Durchführung dreier Maßregeln, welche notwendig den praktischen Kom­munismus zur Folge haben müssen.

Die erste würde eine allgemeine Erziehung aller Kinder ohne Ausnahme auf Staatskosten sein – eine Erziehung, welche für Alle gleich ist und bis zu dem Zeitpunkte fortdauert, in dem das Individuum fähig ist, als selbständiges Mitglied der Gesellschaft aufzutreten. Diese Maßregel würde nur ein Akt der Gerechtigkeit gegen unsere mittellosen Mitbrüder sein, da offenbar je­der Mensch ein Anrecht auf die vollständige Entwickelung seiner Fähigkeiten besitzt, und die Gesellschaft sich doppelt an den Einzelnen vergeht, wenn sie die Unwissenheit zu einer not­wendigen Folge der Armut macht. Daß die Gesellschaft mehr Vorteil von gebildeten, als von unwissenden, rohen Mitgliedern hat, liegt auf der Hand – und wenn ein gebildetes Proletariat, wie das wohl zu erwarten steht, nicht gesonnen sein würde, in der unterdrückten Stellung zu bleiben, in der unser heutiges Proletariat sich befindet, so ist doch ebenfalls nur von einer ge­bildeten Arbeitsklasse die Ruhe und Besonnenheit zu erwarten, welche zu einer friedlichen Umbildung der Gesellschaft nötig ist. Daß das ungebildete Proletariat aber ebenfalls keine Lust hat, in seiner Lage zu bleiben, das beweisen uns die schlesischen und böhmischen Unru­hen auch für Deutschland – von anderen Völkern gar nicht zu sprechen.

Die zweite Maßregel wäre eine totale Reorganisation des Armenwesens, der Art, daß die sämtlichen brotlosen Bürger in Kolonieen untergebracht würden, in welchen sie mit Agrikul­tur- und Industriearbeit beschäftigt und ihre Arbeit zum Nutzen der ganzen Kolonie organi­siert würde. Bis jetzt hat man die Kapitalien der Armenverwaltung auf Zinsen ausgeliehen und so den Reichen neue Mittel gegeben, die Besitzlosen auszubeuten. Man lasse endlich einmal diese Kapitalien wirklich zum Nutzen der Armen arbeiten, man verwende den ganzen Ertrag dieser Kapitalien, nicht bloß ihre drei Prozent Zinsen, für die Armen, man gebe ein großartiges Beispiel der Assoziation von Kapital und Arbeit! Auf diese Weise würde die Ar­beitskraft aller Brotlosen zum Nutzen der Gesellschaft verwendet, sie selbst aus demorali­sierten, gedrückten Paupers in sittliche, unabhängige, tätige Menschen verwandelt und in eine Lage versetzt, die sehr bald den vereinzelten Arbeitern beneidenswert erscheinen und die durchgreifende Reorganisation der Gesellschaft vorbereiten würde.

 

TEIL 6

Zu diesen beiden Maßregeln gehört Geld. Um dies aufzubringen und um zugleich die sämtli­chen bisherigen, ungerecht verteilten Steuern zu ersetzen, wird in dem vorliegenden Reform­plane eine allgemeine progressive Kapitalsteuer vorgeschlagen, deren Prozentsatz mit der Größe des Kapitals steigt. Auf diese Weise würde die Last der öffentlichen Verwaltung von einem Jeden nach seiner Fähigkeit getragen werden und nicht mehr, wie bisher in allen Län­dern, hauptsächlich auf die Schultern derer fallen, die am wenigsten im Stande sind, sie zu er­schwingen. Ist doch im Grunde das Prinzip der Besteuerung ein rein kommunistisches, da das Recht der Steuererhebung in den Ländern aus dem sogenannten Nationaleigentume abgeleitet wird. Denn entweder ist das Privateigentum heilig, so gibt es kein Nationaleigentum, und der Staat hat nicht das Recht Steuern zu erheben; oder der Staat hat dies Recht, dann ist das Pri­vateigentum nicht heilig, dann steht das Nationaleigentum über dem Privateigentume, und der Staat ist der wahre Eigentümer. Dies letztere Prinzip ist das allgemein anerkannte – nun gut, meine Herren, wir verlangen vor der Hand ja nur, daß einmal Ernst mit diesem Prinzip ge­macht werde, daß der Staat sich zum allgemeinen Eigentümer erkläre und als solcher das öf­fentliche Eigentum zum öffentlichen Besten verwalte – und daß er als ersten Schritt hierzu ei­nen Modus der Besteuerung einführe, der sich nur nach der Fähigkeit eines Jeden zur Steuer­zahlung und nach dem wirklichen öffentlichen Besten richte.

Sie sehen also, meine Herren, daß es nicht darauf abgesehen ist, die Gütergemeinschaft über Nacht und wider den Willen der Nation einzuführen, sondern daß es sich vor Altem nur um die Feststellung des Zweckes und der Mittel und Wege handelt, wie wir diesem Ziele entgegen gehen können. Daß aber das kommunistische Prinzip das der Zukunft sein wird, dafür spricht der Entwickelungsgang aller zivilisierten Nationen, dafür spricht die rasch fortschreitende Auflösung aller bisherigen sozialen Institutionen, dafür spricht die gesunde menschliche Ver­nunft und vor Allem das menschliche Herz.

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