Seit fast drei Jahren kämpft die junge Kulturgenossenschaft „Neue Eigentlichkeit eG“ um eine eigene, feste Spielstätte in der Leipziger Innenstadt. Die Besonderheit dieser Kultureinrichtung soll in der Verknüpfung eines Kino-, Galerie- und Barbetriebs liegen – programmatisch herausstechend durch seinen intendantischen Ansatz. Bereits 2007 begann die Recherche von geeigneten Immobilien. 2008 kam es zu einer engen Kooperation mit dem Eigentümer der letzten unsanierten Passage in der Kleinen Fleischergasse. Doch im August 2010 scheint der Traum von der eigenen Spielstätte geplatzt.
Das Gebäude „Kleines Joachimsthal“ in der Kleinen Fleischergasse wurde Anfang des 17. Jahrhunderts im Barockstil als Handelshof errichtet und seitdem mehrfach umgebaut. Eine besondere Raffinesse ist der historische Kreuzgewölbekeller unter dem Vorderhaus, in dem sogar Friedrich Schiller 1785 und 1789 übernachtet haben soll. Die Bedingungen, in diesen Räumlichkeiten einen Kulturbetrieb zu etablieren, sind geradezu ideal. Bereits 2008 entwickelte sich daher ein enger und regelmäßiger Kontakt zum damaligen Eigentümer Dr. Hardt. Er zeigte sich begeistert vom Nutzungskonzept der Neuen Eigentlichkeit und ließ die junge Kulturgenossenschaft sogar ihre Ideen in die konkrete Entwicklung der Pläne zum Roh- und Innenausbau des betreffenden Mietbereichs einbringen. Ein erster Mietsvertragsentwurf wurde diskutiert, woraufhin Anfang 2009 ein enormer baulicher Fortschritt im Kellergewölbe erreicht werden konnte. Der Rohbau wurde innerhalb dieser Zeit entsprechend der Planungen der Kulturgenossenschaft komplett fertig gestellt und das Souterrain somit auf seine neue Funktion als Kinosaal-, Galerie- und Bargewölbe abgestimmt und vorbereitet.
Im Juni 2009 kam es jedoch schlagartig zum Stillstand der Baumaßnahmen – Dr. Hardt wandte sich vom Gebäude „Kleines Joachimsthal“ ab und gab es erneut zur Versteigerung frei. Ein herber Rückschlag, der die Neue Eigentlichkeit jedoch nur noch mehr zum Kampf um „ihre“ neue Spielstätte animierte. Aktionen zur Untermauerung des Vorhabens wurden geplant. So begutachtete beispielsweise eine Vielzahl an interessierten Architekturstudenten der HTWK Leipzig die Baustelle und erstellte Entwürfe, wie die Spielstätte nach Fertigstellung aussehen könnte. Auch die Gestaltung des Baustellentores mit dem Logo der Neuen Eigentlichkeit war ein weiteres Statement, welches das Ziel in die Fleischergasse einzuziehen, bekräftigte.
Im Juni 2009 wurde das Barockhaus schließlich von der „Windsor AG“, einer Berliner Immobilienfirma, ersteigert. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten war für Frühjahr 2010 angedacht. Doch dazu ist es nie gekommen. Denn im April dieses Jahres entschloss sich auch die Windsor AG ganz kurzfristig dazu, die Immobilie wieder zu veräußern. Als Grund nannte man das Nicht-Zustandekommen eines Betriebskonzeptes für die 6.000m² Nutzungsfläche.
Seitdem herrscht Stillstand – im Bereich der Spielstätte hat sich baulich nichts mehr verändert. Seit Mai versucht die Neue Eigentlichkeit deshalb lokale Investoren für den Kauf des Gebäudes zu gewinnen. Doch es herrscht einstimmige Interessenlosigkeit am „Kleinen Joachimsthal“ – seitens der Stadt ebenso wie von Seiten diverser finanzkräftiger Unternehmen. Der Rohbau liegt brach … und mit ihm die Idee, einen alternativen Kulturbetrieb in der Leipziger Innenstadt zu etablieren.
Die Neue Eigentlichkeit eG ging aus dem ehemaligen DachKino im Haus Steinstraße e.V. hervor und bereichert seit zwei Jahren die Kulturlandschaft Leipzigs durch Filmvorführungen jenseits des Mainstreams und neue Galeriekonzepte. Mit der alljährlich stattfindenden „Filmkunst Sommertour“ hat sich die Neue Eigentlichkeit eG bereits einen Namen gemacht. Seit 2007 bespielt der Kulturbetrieb einen Sommer-Monat lang verschiedene Veranstaltungsorte Leipzigs mit jungen Filmen. In diesem Jahr jedoch musste die Sommertour aufgrund der Bemühungen rund um die feste Spielstätte, die alle personellen und zeitlichen Ressourcen der Genossenschaft erforderten, leider ersatzlos entfallen.
Weitere Informationen zur Neuen Eigentlichkeit finden sich unter www.neue-eigentlichkeit.de.
Über eine redaktionelle Berücksichtigung freuen wir uns sehr. Fotomaterial finden Sie im Anhang. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen jederzeit sehr gern zur Verfügung.
Neue Eigentlichkeit eG
Friedrich-List-Platz 1
04103 Leipzig
Germany
Tel.: 0049 341 5293297
Handy: 0049 1577 8309746
E-Mail: maria.vitzthum@neue-eigentlichkeit.de
Wenn der bekannte Rechenmeister Adam Ries 1492 oder 1493 auch nicht in Sachsen geboren wurde, so wirkte er doch seit 1522 in Annaberg im Erzgebirge. Es ist also berechtigt, Sachsen als das „Land des Adam Ries“ zu bezeichnen. Er wandte sich ab von den unpraktischen römischen Zahlen und lehrte auf deutsch mit den arabischen Ziffern und vor allem auch mit der Null zu rechnen. 20.000 Nachkommen des Mannes, so meint der Adam-Ries-Bund, gibt es heute. Mag sein, es sind auch welche aus der Sächsischen Staatskanzlei, dem Finanzministerium und der CDU-Fraktion darunter. Die Vermutung kommt auf, wenn man einigen neuen Rechenkünsten im Freistaat auf die Spur kommt. Von der Nähe betrachtet zeigen aber gerade diese Rechenkünste, dass die 20.000 irgendwo anders tätig sein müssen, nur nicht in den genannten Institutionen. Was von da an algebraischen Neuerungen kommt, lässt Adam Ries wohl im Grabe rotieren.
Nehmen wir z.B. den Haushaltsansatz für 2011/12 für die parteinahen Stiftungen zur politischen Bildung. Diesen Stiftungen sollten öffentliche Mittel „entsprechend der Sitzverteilung der hinter den Stiftungen stehenden Parteien im Sächsischen Landtag und im Deutschen Bundestag“ (Entwurf des Doppelhaushaltes 20110/12) zugewiesen werden. Abgesehen davon, dass die sich daraus ergebenden Relationen vor allem zum Vorteil von CDU und SPD nie eingehalten wurden, möchte man meinen, dass sie wenigstens bei Kürzungen zur Geltung kommen. Weit gefehlt! Die neuen Rechenkünstler kommen da zu ganz anderen Ergebnissen: Die bisher gezahlte Gesamtsumme soll um 157.000 Euro gekürzt werden. Also spitzt man den Rechenstift. Die beiden Stiftungen der SPD („Friedrich-Ebert-Stiftung“ und „Herbert-Wehner-Stiftung“) erhalten insgesamt 77.800 Euro weniger, die Stiftung „weiterdenken“ der Grünen muss mit einem Manko von 31.600 Euro auskommen, die „Wilhelm-Külz-Stiftung“ der FDP wird um sage und schreibe 200.- Euro (in Worten „zweihundert“) gebracht und die „Rosa-Luxemburg-Stiftung“ der Partei DIE LINKE um 47.900 Euro. Offen ist jetzt noch, wie viel die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung einbüßt. Da die CDU bei der letzten Landtagswahl ja wieder etwas schlechter abgeschnitten hat als zuvor, müsste es doch eine beträchtliche Summe sein – denkt man, wenn man nach Adam Ries rechnet. Modern oder „post-adam-riesisch“ rechnet man aber anders und kommt zu dem sensationellen Ergebnis, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung 86.500 Euro mehr zu bekommen hat. Was schon bei der Kürzungssumme der FDP dämmerte, wird zur Gewissheit: Vor dem Haushalt sind alle gleich, nur die Regierungsparteien sind gleicher.
Aber wer in die Haushaltsdebatte eintritt, sollte nicht gleich wie in Dantes Inferno alle Hoffnung fahren lassen. Die Neurechner lassen Hoffnung aufkommen. Sie haben nämlich auch eine neue Rechenart neben den bisher bekannten erfunden. Sie heißt „abwarten und prüfen“. Das geht verallgemeinert so: Man sagt zunächst die Summe verschiedener Zahlen sei Null. Also z.B. 2+3=0. Dann wartet man ab und erhöht unter dem Druck der Tatsachen die Summe vielleicht auf 4, erklärt es für vorläufig richtig und wartet ab und prüft. Mag sein, es kommt noch 5 heraus. Mag sein! Geht es um Geld kann eine solche Rechnung unter Umständen aber einen schönen Gewinn ergeben oder einen Verlust – je nachdem auf welcher Seite der Gleichung man steht. Z.B. sagt deshalb die Staatsregierung, es gibt kein Geld für Hochwasseropfer, nur Kredite – 2+3 ist also 0, könnte aber vielleicht vorläufig und zeitweilig auf 3 bis 4 gerechnet werden. Später und unter dem Zwang der Fakten bietet man für die vom Hochwasser Geschädigten 5 Millionen Euro in Partien zu je 5.000 Euro. Damit kann man – wieder nach Adam Ries – 1000 Betroffenen helfen. Zwar weiß man schon, dass es sicher mehr Geschädigte gibt und mehr Geld nötig sein wird, die Erfinder der neuen Rechenart wollen aber erst „abwarten und prüfen“. Algebraisch könnte man jetzt sagen die Größe x (die Hochwassegeschädigten) ist bekannt. Neurechnerisch kann man jedoch versuchen, uns dieses x für ein u vorzumachen, wobei u kleiner als x. Nun sage mal noch wer, in Sachsen fehle es an Erfindergeist!
Hier wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung des Autors.
Geschrieben für “Sachsens Linke”, 19.08.10
Quelle: http://www.peter-porsch.de/
Thomas Keck / Jens Mehrle (Hrsg.): Berlinische Dramaturgie. Gesprächsprotokolle der von Peter Hacks geleiteten Akademiearbeitsgruppen, 5 Bände im Schuber, 126,00 €, ISBN 978-3-359-02512-2

Buchpremiere mit den Herausgebern sowie Nicole Heesters, Rolf Becker, Jürgen Kuttner u.a.: Dienstag, 19.10., 20 Uhr, Akademie der Künste, Pariser Platz , Berlin-Mitte
Herausgeber: Jens Mehrle hat als Regisseur u. a. mehrere Stücke von Hacks zur Aufführung gebracht. Thomas Keck ist Schauspieler, Regisseur und Herausgeber des Nachlasses von Ronald M. Schernikau.
Es geht um die zentralen Fragen:
Wie schreibt man Drama?
Was will das Theater?
Was will das Publikum?
Peter Hacks leitete zwischen 1972 und 1979 in der Sektion Dichtung und Sprachpflege der Akademie der Künste der DDR die Arbeitsgruppen »Dramatik« und »Ästhetik« sowie, von 1988 bis 1990, »Technik des Dramas«. In dieser Zeit fanden in gelöster, dem Gegenstand zugewandter Atmosphäre insgesamt dreißig Debatten mit zahlreichen namhaften Diskutanten statt. Die Protokolle dieser Gespräche werden hier erstmals in fünf Bänden vollständig ediert und kommentiert veröffentlicht.
Von Beginn an hat Hacks seine literarische Arbeit durch theoretische Reflexionen begleitet und dabei Wechselwirkungen zwischen Literatur und Gesellschaft immer mitgedacht. Dieses Verhältnis ist das bestimmende Thema für die Debatten der beiden Arbeitsgruppen der siebziger Jahre. Ausgehend von einer Prüfung der Hegelschen Dramentheorie auf ihre Gültigkeit für die konkrete Gesellschaft, wird in den Sitzungen leidenschaftlich und kontrovers über Deailfragen der eigenen »Probleme der Darstellung der industriellen Wirklichkeit« und der Produktion exponierter Zeitgenossen wie Beckett gestritten, über Klassik und Romantik als mögliche und vorherrschende Haltungen zur Gegenwartsliteratur verhandelt oder auch das Angebot einer konkreten Inszenierung als Chance zur exemplarischen Analyse von Shakespeares »Der Sturm« genutzt.
Die letzte Arbeitsgruppe leiht ihren Titel von Gustav Freytag und ist jungen Autoren gewidmet. Anhand ausgewählter Stücke der Weltliteratur gibt Hacks einen hochkomplexen »Geschwindkurs« in Dramatikerhandwerk.
Gefragt wird nach den klassischen, den gültigen Kunstregeln und geantwortet nach der Erfahrung: Was ist eine Eröffnung, was eine Fabel, ein Held, ein Gegenspiel, ein Pausenschluss? Die gemeinsame Arbeit soll zutage bringen, wie die einzelnen Zeitalter, wie unterschiedliche gesellschaftliche und ästhetische Bewusstseinshöhen diese Fragen jeweils produktiv im Drama umgesetzt haben.
Mit den insgesamt fünf Bänden wird erstmals eine einzigartige ästhetische Debatte des 20. Jahrhunderts als Arbeitsmaterial zugänglich gemacht.
Erste Premiere der Spielzeit 2010/2011: „Kiwi“
Von Daniel Danis in der Inszenierung von Jürgen Zielinski
„Kiwi“, ein Stück des franko-kanadischen Autoren Daniel Danis, feiert am Do, 2. September 2010 um 19.30 Uhr Premiere im Theater der Jungen Welt Leipzig. Es erzählt von Straßenkindern in einer Großstadt, ein Geschehen, das weit weg zu sein scheint – und doch mitten unter uns spielt.
Die Kinder geben sich die Namen exotischer Früchte und leben als Familie zusammen – in einer Stadt, die gerade für die Olympiade verschönert wird. So sind sie immer auf der Flucht vor der Polizei, die Jagd auf alles macht, was das touristische Auge stört. Ein zwölfjähriges Waisenmädchen, das die Kinder bei sich aufnehmen, wird Kiwi genannt. Und Kiwi erzählt ihre Geschichte vom Leben und Überleben am untersten Rand der Gesellschaft, erzählt von Kälte und Angst, aber auch von Hoffnung, Licht und dem gemeinsamen Traum von einem Ort, der nur ihnen gehört.
Die Zuschauer werden „Kiwi“ nicht, wie gewohnt, von den Theatersitzen im Zuschauerraum aus sehen, sondern die Handlung inmitten des Bühnengeschehens auf Sitzsäcken und Liegestühlen verfolgen.
Regie bei diesem Jugendstück führt Jürgen Zielinski, mit Kompositionen von Michael Rodach (»Ikar«, »Woyzeck«) und Screendesign von VJ Eric Frymark (»Der Gärtner«). Ausstattung: Jule Dohrn-van Rossum. Es spielen Elisabeth Fues, Martin Klemm, Reinhart Reimann und Anke Stoppa.
Der Schriftsteller und bildende Künstler Daniel Danis, geboren 1962, gilt heute als einer der wichtigsten französischsprachigen Autoren. Über seine eigene Arbeit sagt Daniel Danis: “Wenn meine Charaktere tragische Leben führen, dann befähigt sie das, ihrem immensen Wunsch nach Leben Ausdruck zu verleihen.“ 2008 wurde „Kiwi“ mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet.
„Kiwi“ Von Daniel Danis | Aus dem Französischen von Gerda Gensberger | Ab 13 Jahre
Regie: Jürgen Zielinski
Mit Elisabeth Fues, Martin Klemm, Reinhart Reimann, Anke Stoppa
Bühne: Jule Dohrn-van Rossum & Jürgen Zielinski
Kostüme: Jule Dohrn-van Rossum
Komposition und Musikalische Leitung: Michael Rodach
Video- und Screendesign: Eric Frymark
Premiere: 2. September um 19.30 Uhr
Weitere Vorstellungen: 6.9., 7.9., 15.9., 16.9. – jeweils um 10 Uhr.
Mehr unter www.tdjw.de
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Ellen Holland-Moritz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Lindenauer Markt 21 | 04177 Leipzig
Tel. 0341-486 60-24
Fax 0341-477 29 94
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Das vorliegende Buch bietet einen hervorragenden Überblick über Leo Trotzkis Denken und seine politische Aktivität, die sich vom Anbruch des 20. Jahrhunderts bis zu seiner Ermordung durch Stalins Agenten im Jahr 1940 zieht. Er ist ein wahrhaft großer Vertreter des revolutionären Marxismus, stand an der Spitze beider russischer Revolutionen von 1905 und 1917 und zählt auch zu deren herausragenden Chronisten.
Mit dem Kampf gegen die Stalinisierung der russischen Revolution und der historischen Analyse dieses Prozesses hinterließ er den nachgeborenen Generationen revolutionärer Marxistinnen und Marxisten ein schlagkräftiges Gegenargument zum angeblichen Scheitern des sozialistischen Projektes.
Trotzkis Sprachgewalt und seine weit gefächerten Interessen machen ihn für ein breites Lesepublikum interessant. Seine Feder greift weit über Tagespolitik hinaus, setzt sich fachkundig mit Literatur und Psychoanalyse, der Anwendung der materialistischen Dialektik auf die modernen Naturwissenschaften und den Fragen der menschlichen Alltagskultur auseinander.
Der vorliegende Band beinhaltet eine bedeutende Auswahl an 58 Texten Trotzkis und liegt mit einem erweiterten Register sowie einem neuen Vorwort erstmals seit über 20 Jahren dem deutschsprachigen Publikum vor.
“Die gegenwärtige Weltkrise bezeugt in besonders tragischer Weise, wie sehr der Mensch, der auf den Boden des Ozeans hinabtaucht, in die Stratosphäre emporsteigt, sich auf unsichtbaren Wellen mit den Antipoden unterhält, wie sehr dieser stolze und verwegene Gebieter der Natur Sklave der blinden Mächte der eigenen Wirtschaft bleibt. Die geschichtliche Aufgabe unserer Epoche besteht darin, das entfesselte Spiel des Marktes durch einen vernünftigen Plan zu ersetzen, die Produktionskräfte zu disziplinieren, sie zu zwingen, in Harmonie zusammenzuwirken, den Bedürfnissen des Menschen gehorsam dienend.”
Leo Trotzki, 1932
Leo Trotzki: Denkzettel. Politische Erfahrungen im Zeitalter der permanenten Revolution
AdV-Verlag, 496 Seiten, ISBN 978-3-9502191-4-2, Preis: 24 Euro inkl. Versand
Zu bestellen bei redaktion@derfunke.at
Seit es Herrschaft gibt, gibt es die Erkenntnis, die Menschen zu teilen und diese geteilten Menschengruppen gegeneinander aufzuhetzen, aufzuwiegeln, auszuspielen. Dieses perfide Spiel funktioniert so gut, daß selbst Betroffene unbeabsichtigt dieses Spiel mitmachen und sich als leichte Beute nadelgestreifter “Nazis”, die in manchen Medienapparaten und bürgerlichen Parteien sitzen (sogar in ehemaligen Arbeiterparteien: SPD –> Sarrazin), erweisen.
Man muß nicht mal mehr an die “Dekadenz”-Debatte eines armleuchtenden Außenministers erinnern, der zum Nachdenken sein Gehirn nicht benötigt, sondern dies eher mit dem Ausgangsbereich seines Darmtracks tut.
Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß es mitnichten so ist, wonach besonders die hart gestraften Hartz-4-Empfänger es sich in einer sozialen Hängematte gemütlich gemacht hätten. Die Kritiker dieser sog. “Sozial-Schmarotzer” (in der Erfindung perfider Begrifflichkeiten sind die nadelgestreiften “Nazis” besonders “schlau”) sollten, und sei es nur für ein viertel oder halbes Jahr als Hartz-4-Empfänger leben, um zu begreifen, daß ihre “Argumente” gegen diese Menschen zutiefst menschenverachtend sind.
Besonders die aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat herausgefunden, daß mehr als die Hälfte der Hartz-4-Empfänger zwischen 15 und 64 Jahren mindestens pro Woche einer Tätigkeit nachgehen, die das Institut als nützlich hervorhebt.
Solcherart nützliche Arbeit ist die Erziehung von Kindern unter sieben Jahren, die Pflege von Angehörigen usw.. Und selbst bei solcher Arbeit, würden sie diese denn bezahlt bekommen, reicht weder vorn noch hinten, so daß sie ergänzende Finanzen benötigen wie das Arbeitslosengeld II.
Leipzig, 27. August 2010
Kurt W. Fleming
Es ist schon seit vielen Jahren “aus der Mode” gekommen, daß Künstlerinnen und Künstler über den Rand ihres Arbeitsbereiches hinausschauen und sich für das GANZE Leben interessieren, sich also auch politisch interessieren und engagieren.
Christoph Schlingensief gehörte zu den wenigen Künstlern, der nicht der Masse apolitischer Künstlerinnen und Künstler zugeschagen werden kann. Um so bedauerlicher daher sein früher Tod.
Schlingensief starb an Lungenkrebs. Der Schreiber dieser Zeilen hat auch diese Krankenheit.
An Schlingensief ist zu bewundern gewesen, mit welcher Vehemenz er bis zum letzten Atemzug arbeitswütig war und das Leben hochhielt.
Viele Menschen scheinen ersetzbar; Schlingensief ist es leider nicht.
Kurt W. Fleming
Der Papyrossa-Verlag Köln wird in den nächsten Wochen ein sehr spannendes Buch über die Rolle der europäischen Sozialisten, ihr mehrheitliches Versagen in bezug auf den Ausbruch des 1. Weltkrieges, herausgeben.
Das Buch kann im Verlag vorbestellt werden:
Luciano Canfora: August 1914. – Oder: Macht man Krieg wegen eines Attentats?
Neue Kleine Bibliothek 152, 118 Seiten
EUR 9,90
Eine Besprechung dieses Buches erfolgt kurz nach seinem Erscheinen auf dieser Webseite.
Hier ein Vorabdruck:
Die europäischen Sozialisten waren durch den Krieg vor eine dramatische Wahl gestellt. Soll man den Krieg mitmachen und ihn unterstützen? Damit würde man eine Situation schaffen, die – gemessen an Ideologie und Praxis der in einer Internationale vereinten sozialistischen Bewegungen – paradox ist und als Konsequenz deutsche und französische, italienische und österreichische Arbeiter auf den Schlachtfeldern und in den Schützengräben aufeinanderhetzt: also das gerade Gegenteil zum Internationalismus, das gerade Gegenteil zur Lehre des europäischen Sozialismus. Oder soll man den Krieg ablehnen und ihn boykottieren, gegen die Regierungen kämpfen, die ihn gewollt haben? Damit würde man sich außerhalb des hymnischen Chors der »heiligen Einheit« stellen und sich mit dem Vorsatz, konsequent zu bleiben und den Krieg vielleicht zu verhindern, in eine sicherlich schwierige Position begeben.
Das war das essentielle Dilemma der Sozialisten. (…) Im Falle der sozialistischen Bewegung wurde das Problem jedoch in weltweitem Maßstab wahrgenommen, weil sie internationalistischen Charakter trug. So verursachte der Krieg in der Tat bei allen sozialistischen Parteien eine dramatische Debatte, von innerparteilicher Selbstzerfleischung bis – so bei den meisten – hin zu substantieller Kapitulation vor der Staatsräson.
Wir können nur einen summarischen Überblick über diese politischen Bewegungen und ihre Debatten geben, wie sie sich in den Monaten vor und unmittelbar nach dem 4. August 1914 entwickelt haben. An dieses Datum erinnert man sich gleichsam sinnbildlich, weil an diesem Tag, nachdem alle Kriegserklärungen ausgetauscht und alle Ultimaten abgelaufen waren, der Reichstag mit all seinen parlamentarischen Gruppierungen vor der endgültigen Forderung steht, für die Kriegskredite zu stimmen und somit die kaiserliche Regierung zu ermächtigen, aus dem Staatshaushalt die Mittel für den Krieg und das Heer aufzuwenden. Alle Parteien, einschließlich der Sozialisten, votieren für die Kriegskredite.
Die Auseinandersetzung hat die Sozialisten vor und nach diesem fatalen Datum zerrissen. Vorher in der Frage, wie es zu verhindern sei, daß dieser Punkt überhaupt erreicht werde; danach durch die wechselseitigen Beschuldigungen und den Streit, der sich immer mehr verschärfte. Wie war die Situation in den verschiedenen europäischen Ländern? Wir gehen naturgemäß von Deutschland aus, weil es das bedeutsamste Land ist. Die enorme deutsche Sozialdemokratie hat die anderen sozialistischen Parteien den politischen Kampf gelehrt und ist im Parlament so stark vertreten, daß sie tatsächlich die im Gang befindliche Operation, die parlamentarische Absegnung der bereits gefällten Entscheidung für den Krieg, gefährden oder zumindest maßgeblich behindern könnte.
Ihre Abgeordneten stimmen jedoch geschlossen für die Kriegskredite, so auch Karl Liebknecht, der sich bei dieser ersten Abstimmung – und nur bei dieser einen im August – der Parteidisziplin beugt und gegen seine Überzeugung abstimmt. Erst später, angesichts der Verwandlung des Blitzkrieges in einen Stellungs- und Grabenkrieg, werden die Sicherheiten ins Wanken geraten und wird sich die Haltung einer Minderheit ändern. Nun wird sich eine Vorstellung allmählich Bahn brechen, deren Urheber vor allem Liebknecht und Rosa Luxemburg sind. Die Vorstellung nämlich, daß der Hauptfeind des deutschen Volkes im eigenen Land stehe und durch die deutsche Regierung verkörpert werde. Diese Losung ist ganz gewiß nicht einfach durchzusetzen. Sie sprengt die »heilige Eintracht« des »Burgfriedens« und propagiert eine Parole, die offensichtlich an Hochverrat grenzt und somit der Strafverfolgung unterliegt. Und genau dies geschieht dann auch. Man geht ein hohes Risiko ein, wenn man darüber aufzuklären versucht, daß es die Regierung selbst ist, die sich kriminell verhält, und daß sie es ist, die gegen das Volk handelt, indem sie es in den Krieg führt. (…)
Für die internationale sozialistische Bewegung war es jedenfalls ein tödlicher Schlag, daß sich die deutsche Partei, Meisterin des Sozialismus, wie beschrieben verhalten hat. Es war unvermeidlich, daß die von den deutschen Sozialisten getroffene Entscheidung auf die übrige Bewegung ausstrahlte, und zwar, daran muß stets erinnert werden, in schizophrener Weise. Die anderen Sozialisten imitieren nämlich das »patriotische« Verhalten der deutschen und ziehen in den Kampf gegen sie. Das Paradoxe ist, daß damit gerade dasjenige Subjekt nachgeahmt wird, gegen das man sich anschickt, in den Schützengraben zu steigen. Das ist die Tragödie, die der europäische Sozialismus durchgemacht hat.
Erinnert sei vor allem an Frankreich, weil es mehr oder weniger das andere große europäische Land mit sozialistischer Tradition ist (…). In Frankreich ist das chauvinistische Element in der sozialistischen Partei stark, ungeachtet der Tatsache, daß (ihr Kopf Jean – d. Red.) Jaurès selbst gegen den Krieg ist. Er versucht, den Weg in den Abgrund zu blockieren. Auch noch Wochen nach dem Attentat von Sarajevo setzt er sich für ein internationales Treffen ein, das wenigstens die französischen und deutschen Sozialisten zu einer gemeinsamen Haltung bringen soll. Hugo Haase, ein angesehener Vertreter der deutschen Sozialdemokratie und einer ihrer beiden Vorsitzenden, kommt nach Paris, um mit Jaurès zu sprechen und eine gemeinsame Linie des Widerstands gegen den Weg in den Krieg zu finden. Drei Jahre später wird Haase zu den sozialistischen Abgeordneten gehören, die sich von der Mehrheit absetzen und eine sich gegen den Krieg wendende »Unabhängige Sozialdemokratische Partei« gründen. Sein Treffen mit Jaurès sollte zumindest ein gemeinsames Kommuniqué des Widerstands gegen das Hineinschlittern in den Krieg erbringen. Doch Jaurès wird von einem jungen französischen Nationalisten ermordet, der ihn mitten in Paris am 31. Juli 1914 niederschießt. Durch diesen Verlust ist die französische sozialistische Partei enthauptet und der einzigen herausragenden Persönlichkeit beraubt, die sich dem Krieg entgegenstellen würde. Nun gibt es kein Zögern und kein Halten mehr für einen verhängnisvollen Wettlauf beider Parteien, der französischen wie der deutschen, vor den Karren ihrer jeweiligen Regierung gespannt.
Mussolini wechselt das Lager
(…) Schauen wir nun auf Italien. Italien ist aus zwei Gründen in einer Situation sui generis vor allem deshalb, weil es sich nicht im Krieg befindet. Wiewohl der Dreibund (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Königreich Italien – d. Red.) ein ziemlich enger Käfig ist mit Klauseln, die die italienische Regierung zwingen könnten, in den Krieg einzutreten, haben sich Dinge ereignet, die eine italienische Neutralitätserklärung legitimieren. (…)
In Italien sind nicht nur die Sozialisten, die im Parlament als kämpferische Minderheit vertreten sind, aber eben doch als Minderheit, sondern auch Giovanni Giolitti als mächtigster Vertreter der führenden Kraft, der liberalen Partei, gegen den Krieg. Giolitti hält es für Wahnsinn, sich in den Konflikt einzumischen. Und der geachtete Ministerpräsident, Eroberer Libyens 1912, der einer ganzen Epoche der italienischen Geschichte den Namen gegeben hat, hat großen Einfluß auch beim König, dem jungen Vittorio Emanuele III., der nach der Ermordung seines Vaters Umberto I. 1900 auf den Thron gelangt war. Der junge König kann es sich nicht leisten, die Meinung Giolittis, im Vergleich zu ihm ein Gigant und eine Persönlichkeit von Weltrang, nicht zur Kenntnis zu nehmen. In Italien ist Giolittis Wort absolut maßgebend. Die Kräfte aber, die den Kriegseintritt wollen und den Krieg als »Welthygiene« verherrlichen, verschaffen sich lautstark Gehör. Doch noch haben sie nicht das Gewicht, den König zu einem solchen Entschluß zu nötigen.
Während der Neutralität haben wir es also mit einer Situation zu tun, in der die italienischen Sozialisten es leicht haben, ihren Internationalismus zu verkünden. Ihre Auffassung ist, daß der Krieg ein Verbrechen darstelle und das Proletariat nicht dazu bewegt werden dürfe, gegen die Proletarier anderer Länder zu kämpfen. Durch die spezifische Situation Italiens ist man also im Vorteil und kann eine Haltung beziehen, die in Einklang steht mit der der sozialistischen Minderheiten in Deutschland und Frankreich, die den Krieg ablehnen, aber nicht ins Gewicht fallen.
So finden sich die italienischen Sozialisten auf derselben Wellenlänge wie ein anderer Protagonist der europäischen sozialistischen Bewegung, die russischen Bolschewiki unter der Führung von Lenin und Sinowjew nämlich. Sie sind nur eine kleine Gruppe, stellen aber innerhalb der verbotenen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands die Mehrheit – Bolschewiki heißt nichts anderes als »Mehrheitler«. Der Zar bzw. seine Regierung haben die sozialistische Bewegung als zumindest moralisch Verantwortliche für die Revolution von 1905 und als umstürzlerisches Potential aufs schärfste verfolgt. Die Bolschewiki sind somit illegal, ihre Führer ins Ausland gezwungen, und sie nehmen eine radikal internationalistische Haltung ein. Die schüchternen sympathischen italienischen Sozialisten wie Turati und andere sind sich also mit Lenin und den Bolschewiki in der Gegnerschaft zum Krieg einig, wie unterschiedlich ihre Positionen sonst auch sein mögen.
Besonders ein herausragender italienischer Sozialistenführer, Benito Mussolini, drängt entschieden auf Neutralität und auf absolute Ablehnung des Abenteuers, sich auf einen Krieg einzulassen. Mussolini war einige Monate zuvor, Anfang Juni 1914, auch Protagonist der Roten Woche gewesen, als die gewerkschaftlichen Aktionen in eine vorrevolutionäre Situation umgeschlagen waren. Er ist also einflußreicher Parteiführer und außerdem Direktor des Parteiorgans Avanti (…): »Entweder akzeptiert die Regierung diese Notwendigkeit (sich aus dem Krieg herauszuhalten, die absolute Neutralität, wie es damals hieß – d.Verf.), oder das Proletariat wird sie mit allen Mitteln zu erzwingen wissen. (…) Nicht einen Mann, nicht einen Groschen für den Krieg, um welchen Preis auch immer.« So die Position des Direktors des Avanti und geachteten Vertreters der Partei, Benito Mussolini. Sie gibt treffend, falls wir so wollen, in extremer und äußerst harter Form das diffuse, sagen wir, Gefühl und Empfinden wie das Denken der ganzen Partei wieder.
Was nicht nur die Zeitgenossen, sondern auch noch die Historiker, die sich am Bild dieser Figur versuchen, konsterniert, ist ihr plötzlicher Wechsel ins interventionistische Lager nur wenige Monate später; ein Wechsel, der zugleich ihren Bruch mit der italienischen sozialistischen Partei markiert. Mussolini gründet nun den Popolo d’Italia als eigenes Presseorgan und startet eine Kampagne für den Kriegseintritt in Einklang mit Gabriele D’Annunzio, der nationalistischen Partei und den kriegstreiberischen Militär- und Wirtschaftskreisen des Landes.
Dieser Frontenwechsel ist auch Geburtsakt so vieler Dinge, die da noch kommen sollen. Das gilt zum Beispiel schon für die Art und Weise, wie im Mai 1915 der Kriegseintritt erfolgt, nämlich durch die Mobilisierung der Straße und gegen den Willen des Parlaments. Dies war gleichsam ein Staatsstreich des Königs, sein erster, noch vor dem Marsch auf Rom im Oktober 1922. Der Mai 1915, die berühmten »strahlenden Maitage«, sind ein De-facto-Staatsstreich, der Italien in jenes Abenteuer stürzt, das dann der Ursprung des Faschismus sein wird. Dessen Wiege ist der Krieg.
Wie ist dieser unvorhergesehene Frontwechsel zustandegekommen? Darüber ist viel diskutiert worden, Dokumentationen aller Art wurden erstellt, die biographische Darstellung Mussolinis kreist hauptsächlich um dieses Schicksalsjahr 1914/15. Ein vielleicht nicht ganz unbedeutendes Detail soll aber dennoch in unser Dossier aufgenommen werden. Wir reden von einem Vorgang, von dem wir durch eine Person wissen, die Mussolini sehr nahegestanden hatte, eine anarchistische Agitatorin namens Maria Rygier. Sie hat 1928 in Brüssel eine sehr polemische Schrift mit dem Titel »Mussolini, Informant der französischen Polizei« veröffentlicht, die in Italien nach dem Faschismus wieder aufgelegt wurde.
Im wesentlichen dokumentiert Rygier, daß die französischen Geheimdienste Mussolini, der aus politischen Gründen aus Italien exiliert war, während eines seiner Aufenthalte in Frankreich angesprochen, gekauft und bezahlt hatten. Da Frankreich ein vitales Interesse daran hatte, daß sich Italien vom Dreibund löste, ist die plötzliche Konversion des Ultrainternationalisten und Sozialisten Mussolini zur Sache des Krieges möglicherweise dem Umstand geschuldet, daß seine französischen Kontaktleute in jenem Moment in ihm den Mann sahen, der die italienische öffentliche Meinung für den Krieg gewinnen konnte. Mussolini, ein einzigartiger Agitator, verstand es meisterhaft, die Öffentlichkeit dahin zu steuern, wohin er sie haben wollte.
Labour auf seiten Ihrer Majestät
Wir haben den britischen Teil noch im dunkeln gelassen. Die englische Labour Party befindet sich im selben Dilemma wie die sozialistischen Bewegungen des Kontinents, mit einem Unterschied: Sie ist keine Partei marxistischen Ursprungs, sondern hat ihre eigene Tradition. Darüber hinaus hat sie im Kontext der englischen Politik dieser Monate nicht mehr mit dem immergleichen gegnerischen Lager zu tun, den Konservativen, sondern mit einer Koalitionsregierung unter liberaler Führung, der ein ehemaliger Exponent Labours angehört. Dieser ist kein Überläufer und kein Renegat. Vielmehr hat er sich von seiner Partei entfernt und eine unabhängige Position bezogen, die in hohem Maß seiner politischen Persönlichkeit, seiner Weltanschauung gerecht wird, und ist in die Regierung eingetreten. In dem Moment, wo England sich nach viel Unsicherheit entschlossen hat, in den Krieg einzutreten, sieht sich die Labour Party einer Regierung gegenüber, mit der sie denkbar eng »befreundet« ist. Allein schon dies bringt die Partei in eine einzigartige Lage.
Dazu kommt noch ein spezieller Faktor des englischen Schachbretts. England führt nämlich einen heimlichen inneren Kolonialkrieg in Irland. Erst nach dem Weltkrieg wird das Problem in offener, dramatischer Form aufbrechen und in einen auf irischem Boden geführten Krieg münden. Doch bereits jetzt stellt das unruhige Irland einen Stachel im Fleisch und eine Bewährungsprobe für die gesamte englische Politik dar, für alle politischen Kräfte, Labour eingeschlossen. Die Sozialisten flankieren also, außer einer verschwindenden Minderheit, aus diversen außen- wie innenpolitischen Gründen die Regierung Ihrer Majestät, und dies nicht nur in der Frage des Kriegseintritts. Die Entscheidung fällt also für die Kriegsbeteiligung, ohne daß es darüber bei Labour eine Debatte gegeben hätte, die derjenigen in den Parteien auf dem Kontinent vergleichbar gewesen wäre. (…)
Die falsche Entscheidung
Benito Mussolini auf dem Weg vom Sozialistenführer zum »Duce«: Im Juni 1914 noch Pazifist, kurz darauf für einen Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg (Foto aus dem Jahr 1914)
Foto: AP
Daß der deutsche Fall zentral ist, darf von uns nicht übersehen werden, so wenig, wie es den Zeitgenossen entgangen ist. Sie konnten nicht unberührt bleiben von der konsternierenden Entscheidung, die einem Mord an der sozialistischen Internationale gleichkam: sich zu spalten, indem man sich vor den Karren der jeweiligen nationalen Regierungen spannen ließ. Schon die Zeitgenossen nahmen die neue Qualität und das Gewicht dieser Entscheidung wahr und wiesen, sicher nicht zu Unrecht, den deutschen Sozialisten die Hauptverantwortung zu, allein schon deshalb, weil sie parlamentarisch am stärksten und am besten vertreten waren. (…)
Die europäischen Sozialisten hatten im Juli/August 1914 ihren großen Moment. In diesem Moment hätten sie die richtige und entscheidende Wahl treffen können und trafen doch die falsche. Das Tragische dabei besteht darin, daß für diesen Fehler alle bezahlt haben, nicht nur die Parteimitglieder, sondern alle Bürger der verschiedenen am Krieg beteiligten Nationen, denn die getroffene Wahl erleichterte den Ausbruch wie auch die Verschärfung des Konflikts enorm. Europas Sozialisten hatten sozusagen zwei Wege wie Herakles in der berühmten Fabel des Xenophon: einer war die Anpassung, der andere der Boykott. Boykottieren hieß Widerstand leisten, mit sehr hohem persönlichem Risiko, bis hin zum Einsatz des Lebens: eine mörderische Wahl. (…)
Aber warum diese Entscheidung? Hier hilft uns die bittere Polemik von Edmond Laskine (…): Warum haben die deutschen Sozialisten, ohne offen mit ihrer Vorgeschichte zu brechen, sich für ein solches Verhalten entschieden? Tatsächlich sieht er den Dingen auf den Grund: Es war eine imperialistische Wahl, die sie trafen, denn sie versprachen sich von einem eventuellen Sieg einen großen ökonomischen Vorteil, eine weitere Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung im gesamten Deutschen Reich. Für eine größere Prosperität also, mit eng egoistisch-nationalem Blick auf das Stückchen Welt, dem sie angehörten, ergriffen sie Partei für einen Krieg, der den Wohlstand des deutschen Volkes auf Kosten der Unterlegenen gemehrt hätte. »Sozialchauvinismus« nannte man dies, und genau das war es auch: Der kurzsichtige Blick allein auf eine Bereicherung – mehr Kolonien, mehr Ausbeutung von Bodenschätzen, Handelsvorteile –, die ein militärischer Sieg dem deutschen Proletariat angeblich bringen würde. Es bekäme im Durchschnitt bessere Lebensbedingungen, und das würde zum Gedeihen und zum künftigen Wahlerfolg der deutschen sozialdemokratischen Partei beitragen.
Hier wird deutlich, wie die Geschichte eines fortschreitenden Sicheinfügens in die bestehende Ordnung, des Dazugehörens zu den Stützpfeilern der kapitalistischen Gesellschaft, vor die Alternative zum Krieg gestellt, unvermeidlich zum Hang für die schlechtere Option führt, die Option nämlich, die deutsche Wirtschaft zu stärken, um so zu breiter gestreutem Wohlstand und folglich zu besseren Erfolgschancen für die Partei zu gelangen.
Scheitern in Zimmerwald
Trotz all dieser ungünstigen Voraussetzungen gab es aber zwei Versuche, die Marschrichtung umzukehren. Der erste war die internationale sozialistische Konferenz von Zimmerwald in der Schweiz, angeregt von Italienern und Russen, neben den Schweizern, deren Land jedoch strukturell neutral war, weshalb sie nicht das Problem hatten, sich für oder gegen den Krieg entscheiden zu müssen. Vom 5. bis 8. September 1915 kam diese Konferenz zusammen. Sie wurde ein Fehlschlag. Für die russische Partei traten sowohl Lenin als auch Sinowjew auf, für die von ihr getrennte menschewistische Minderheit Martow und Axelrod, für die deutsche Partei nur Vertreter der Minderheit. Der wichtigste Protagonist, der sich einem Impuls zur Kriegsbeendigung wahrscheinlich nicht einfach hätte entziehen können, die offizielle deutsche Sozialdemokratie also, nahm nicht teil. Die Repräsentanten der deutschen Opposition vertraten vielleicht Auffassungen, wie sie die Gegenseite erhofft hatte, hatten aber hinterher nicht das Gewicht, um in der eigenen Partei eine solche Linie durchzusetzen.
Das war also die verpaßte Chance Mitte 1915, als ein Kompromißfriede noch möglich schien oder zumindest von verschiedenen Seiten erhofft wurde. Das Scheitern der Konferenz von Zimmerwald bedeutete auch das Ende aller noch bestehenden Hoffnungen auf Frieden.
Daß eine solche Konferenz einige Monate später in einem anderen Ort der Schweiz, Kienthal, noch einmal versucht wurde, zeigte nur, daß ein immer weniger entscheidender Teil der sozialistischen Bewegung sich weiterhin nicht mit diesem unaufhaltsamen Abgleiten abfinden wollte. Aber auch die Konferenz von Kienthal war ein Mißerfolg. Danach gab es bis Kriegsende keine Gelegenheiten mehr für ein solches Treffen der – wie auch immer sich voneinander unterscheidenden– Antikriegskräfte.
Auf den Konferenzen von Zimmerwald und Kienthal waren die Russen, genauer: die Bolschewiki, im wesentlichen der Agitation halber vertreten. Über die Möglichkeit, die Konferenzen könnten ein operatives Resultat haben, hatten sie keine Illusionen. Und trotzdem waren sie besonders wichtige Beobachter, weil sie beide Male mit Lenin und Sinowjew eine höchstrangig besetzte Delegation entsandt hatten.
Die Position der Russen, vor allem Lenins, verdient in diesem Kontext eine Erläuterung. Sie hatten sich nie als Pazifisten aus Prinzip gezeigt. Im Gegenteil, Lenin war bei der Demaskierung abstrakter, moralisierender Verhaltensweisen immer sehr deutlich gewesen. Er hatte vom ersten Moment an eine Intuition, die sich besonders unter praktischem Gesichtspunkt als glücklich erwies. Die russische Partei befand sich nicht in der Lage, irgend einen legalen Kampf im eigenen Land zu gewinnen. Sie hatte keinerlei Interesse daran, den vom Zaren gewollten Krieg zu unterstützen, weil sie im Tausch dagegen keinerlei Gegenleistung, keine Prämie, keine Verbesserung der Situation erhalten hätte. Lenin war deshalb zu Recht überzeugt, daß der Krieg für die konkrete soziale Situation des Russischen Reichs ein außergewöhnlicher Sprengsatz sein und eine revolutionäre Krise auslösen könne. So bestand das Vorgehen der russischen Sozialisten in ihrer bolschewistischen Mehrheitsfraktion darin, den Sturz des Zaren bei gleichzeitiger Beendigung des Kriegs zu propagieren. Sie haben von Anfang an eine revolutionäre Propaganda entfaltet und waren, was die beiden Optionen angeht, die sich der europäischen sozialistischen Bewegung boten, die einzigen, die sofort die zweite in diesem Sinn ins Werk setzten. Nur kurze Zeit später erwies sich diese als erfolgreich. (…)
Wie es ausging
Es ist schwierig, im chronologischen Rahmen des ersten Kriegsjahres zu verbleiben, doch ist dieses zugleich ein sehr gutes Observatorium, um die Entwicklungslinien zu betrachten, das, was noch kam und in nuce 1914 schon da war.
Deshalb wollen wir kurz darüber nachdenken, was danach geschah. Der Krieg war – wiewohl die unterschiedlichsten politischen Kräfte in verantwortungsloser und abenteuerlicher Art und Weise und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen an ihm beteiligt waren – die Keimzelle der radikalen Veränderung des europäischen Kontinents und seiner politischen Physiognomie. Und er war auch Keimzelle, Wiege und Nährboden der autoritären und später faschistischen Rückentwicklung. Sie bezog ihre Impulse genau aus dem Konflikt und seinen Folgen. (…)
Die autoritäre Wende beginnt in Wirklichkeit genau mit dem Anfang des Krieges. Mit dem Krieg setzt man die Politik außer Kraft und geht zu einem anderen Typ der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten über. Das ist das Entscheidende. (…)
Am 09. September hat SCHERNIKAU.SEHNSUCHTSLAND Leipzig-Premiere. Regisseur Marc Lippuner verarbeitet Biografie und Werk des Literaten und “letzten Kommunisten” Ronald M. Schernikau, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag gefeiert hätte.
Tanz, Theater und Performance aus Tschechien präsentiert das Festival OFF EUROPA 2010: nové české divadlo vom 16. – 26. September an verschiedenen Orten in Leipzig und Dresden. Im LOFFT sind insgesamt fünf Inszenierungen an drei Abenden zu sehen.
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Ohne Verweis auf die Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung kann Kritik zur herrschaftskonformen Geste verkommen
Von Werner Seppmann
Der Kritikbegriff ist mittlerweile zu einer Beliebigkeitsfloskel verkommen. Es gibt kaum eine Haltung in Wissenschaft, Kultur und Mediengeschäft, die sich nicht als „kritisch“ darzustellen wüßte. Aufgrund dieser inflatorischen Reklamation des Kritikanspruchs ist eine Rückbesinnung darauf, woran ein kritisches Vorgehen zu erkennen ist, von besonderem Interesse: Worauf bezieht sich Kritik, und was beabsichtigt sie? Mit welchen Methoden und Denkzeugen versucht sie, ihren Selbstanspruch einzulösen? Und nicht zuletzt: Wem dient die Kritik, welchen Interessen ist sie offen oder verdeckt verpflichtet?
Ohne an dieser Stelle auf die Entwicklung des Kritikbegriffs mit der gebotenen Ausführlichkeit eingehen zu können, sei dennoch ein Aspekt hervorgehoben, der sich bei seiner Profilierung herauskristallisiert hat: Kritisiert im strengen Sinne, also in Frage gestellt werden kann nur, was veränderbar ist. Folglich kann die Natur in ihrem An-Sich-Sein nicht Gegenstand kritischer Beschäftigung sein. Es kann darüber geklagt werden, daß es regnet, aber Kritik ist das nicht, weil diese sich nur auf soziale Zusammenhänge bzw. auf den gesellschaftlichen Menschen betreffende Sachverhalte beziehen kann.
Intellektuelle Hochstapelei
Das bedeutet im Umkehrschluß: Ein Denken, das die grundlegende Veränderungsfähigkeit von ökonomischen und sozialen Verhältnissen in Frage stellt oder eine überhistorische Festgefügtheit kultureller Sachverhalte behauptet, kann nicht beanspruchen, kritisch zu sein – auch wenn es mit noch so großem Entlarvungs- oder gar Subversionspathos auftritt. Denn es bestätigt damit nur die Selbsttäuschung eines herrschenden Denkens, daß die gegebenen Verhältnisse als von überhistorischer Festgefügtheit begreift. Die Beschäftigung mit Widerspruchserscheinungen hat auf dieser Grundlage nur noch einen feststellenden Charakter, etwa in dem gleichen Sinne, wie die Klage darüber, daß es regnet.
Einen solchen bloß konstatierenden (und letztlich verschleiernden und damit herrschaftskonformen) Charakter hat auch die im Mediengeschäft ebenso wie die in der gewöhnlichen politischen Rede üblich gewordene Skandalisierung. Es werden bei diesem Vorgehen scheinbar die Finger in die Wunden gelegt und auffällige Aspekte nicht mehr zu leugnender Widerspruchsentwicklungen thematisiert. Aber gerade durch ein solches fokussierendes Verfahren wird oft von den wesentlichen Dingen abgelenkt: Es wird etwas beleuchtet, um den eigentlichen Sachverhalt im Schatten zu lassen. So wird beispielsweise auf die „gierigen Banker“ verwiesen, um von den kapitalistischen Ursachen der Krise abzulenken. Trotz einer öffentlichen Erörterung der Sachverhalte wird durch die Ausklammerung der relevanten Zusammenhänge ein verbreiteter Eindruck von der Unveränderbarkeit herrschender Verhältnisse verstärkt.
Die weltanschauliche Fixierung auf eine prinzipielle Veränderungsresistenz der gesellschaftlichen Verhältnisse ist auch der Pferdefuß einer Denkschule, die sich lange Zeit als Inbegriff kritischen Denkens darzustellen wußte. „Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, indem Natur gebrochen wird, gerät nur um so tiefer in den Naturzwang hinein“ (Horkheimer/Adorno 1969, S. 19), heißt es programmatisch in der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Konkret meint diese Positionierung einer „Kritischen Theorie“: Alle Versuche der Weltveränderung würden die Praxissubjekte nur intensiver an das System der Selbstunterdrückung und sozialen Destruktion fesseln. Jeglicher Fortschritt werde mit Rückschrittstendenzen erkauft.
Diese geschichtsmetaphysische Überlagerung ändert jedoch nichts daran, daß die „Frankfurter Schule“ in einer frühen Phase wichtige Beiträge zum Verständnis der Herrschaftsreproduktion im entwickelten Kapitalismus geliefert hat. Fundierend für ein subtiles Gegenwartsverständnis ist die vor allem von Erich Fromm und Herbert Marcuse konzipierte Verbindung von Tiefenpsychologie und Gesellschaftsanalyse. Auch Adornos Beschäftigung mit den Entfremdungs- und Verdinglichungsprozessen bleibt unhintergehbarer Bestandteil kritischer Gegenwartsvergewisserung. Aber gerade bei ihm ist die Erklärungskompetenz fast unentwirrbar mit fetischisierenden Festlegungen verknüpft. Die Manipulationsprozesse (Adorno spricht vom „Verblendungszusammenhang“) werden als letztlich unüberwindbar dargestellt: „Kein Ausdruck bietet sich mehr an, der nicht zum Einverständnis mit herrschenden Denkrichtungen hinstrebt“ (ebd., S. 2). Nietzsches Philosophie menschlicher Schicksalsverfallenheit gewinnt die Oberhand gegenüber Marxscher Praxisphilosophie.
Explizit haben sich die Schulhäupter der „Kritischen Theorie“ zwar nicht von ihren marxistischen Verwurzelungen distanziert, immer deutlicher jedoch wurde ihre Tendenz, Marx ohne die 11. Feuerbachthese, also die Perspektive und den Anspruch der Weltveränderung zu interpretieren. An diese Neutralisierung des kritischen Selbstanspruchs konnten die intellektuellen Resteverwerter der „Kritischen Theorie“ anschließen und (besonders bei Habermas und seinen theoretischen Nachbetern) ein Weg intellektueller Selbstdemontage beschritten werden. Konsequent wird vermieden, von den gesellschaftlichen Grundtatbeständen, also von Herrschaft, Ausbeutungsverhältnissen und Klassenstrukturen auch nur ansatzweise zu reden. Fortschreitend werden alle Elemente kritischen Denkens in ein Konsenssystem aufgelöst, durch das der herrschende Status quo bestätigt wird. Zur „Fundierung“ seines Systemkonstrukts zerstört Habermas systematisch die Grundlagen sozialtheoretischen Denkens, beispielsweise, wenn er behauptet, daß menschliche Arbeit keinerlei kommunikative Qualitäten besäße oder unter Ausblendung sozialer Widerspruchsverhältnisse eine „herrschaftsfreie Kommunikation“ möglich wäre. Der nach wie vor aufrechterhaltene kritische Selbstanspruch degeneriert zur intellektuellen Hochstapelei.
(Un-)Veränderbarkeit der Welt?
Bei der Profilierung eines resignativen und in seiner Konsequenz herrschaftskonformen Denkens hat Friedrich Nietzsche Pionierarbeit geleistet und ein bis heute wirksames Modell der Verbindung von Pseudokritik und intellektueller Anpassung geliefert. Er präsentiert seine Haltungen zwar mit großer Entlarvungsgeste und stellt sie als hyperkritisch dar (bis heute gehen deshalb auch linke Interpreten ihm auf den Leim), ohne sich jedoch dem Gravitationsfeld eines bürgerlichen Legitimationsdenkens entziehen zu können. Denn alle Pathologien und Paradoxien bürgerlicher Gesellschaft und Kultur werden als unveränderlich stilisiert: So gehören zu den Fixpunkten seines Denkens die Auffassungen, daß Macht eine unaufhebbare, aller Geschichte vorgelagerte Substanz darstellt, die menschlichen Subjekte also machen können, was sie wollen, ihr sich jedoch nicht zu entziehen vermögen. Daraus abgeleitet wird dann die Vorstellung einer Kreisbewegung der Geschichte – Nietzsche nennt es die ewige Wiederkehr des Gleichen – die jedes (vor allen Dingen jedoch progressives) Veränderungsbemühen der Lächerlichkeit preisgibt.
Nietzsche begründet eine negative Normativität: Er ersetzt die durch eine fortschrittsorientierte theoretische Entwicklungslinie begründete Selbstverpflichtung der Vernunft und die damit eng verbundenen humanistischen Orientierungen durch Irrationalismus und Menschenfeindlichkeit. Beides wird von einer machtkonformen Intelligenz (besonders in Krisensituationen) bereitwillig aufgegriffen, weil dadurch herrschende Unvernunft und Inhumanität relativiert werden.
Weil resignative Festlegungen über den Menschen der Auffassung in die Arme arbeiten, daß er einer vermeintlichen Schicksalsverfallenheit nicht entkommen kann, muß kritisches Denken sich mit den Fragen auseinandersetzen, was der Mensch ist, woher er kommt und welche Entwicklungsmöglichkeiten er besitzt. Diese Problematisierungen müssen auf dem Stand eines aktuellen anthropologischen, soziologischen, sozialpsychologischen Wissens und auch ästhetischer Erkenntnisvergewisserung bearbeitet werden. Denn ohne einen aus der historischen Existenz der Menschen abstrahierten normativen Horizont ist ein kritisches Gesellschaftsverständnis nicht möglich: Es setzt einen alternativen Bezugspunkt voraus, denn der Sinn von Gesellschaftsveränderung bliebe unerschlossen, wenn nicht begründet würde, weshalb Ausbeutung und Unterdrückung überwunden werden sollen. Das setzt wiederum eine Vorstellung darüber voraus, was dem Menschen nützt und was ihm schadet. Letztlich geht es um die Entwicklung der theoretischen Fähigkeit, die Frage zu beantworten, die Marx in „Das Kapital“ gestellt hat, nämlich welche Gesellschaftsformation die der „menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen“ zu schaffen in der Lage ist (MEW 25, S. 828).
Durch die Notwendigkeit solch perspektivischer Selbstvergewisserung wird ein weiteres Mal deutlich, daß trotz notwendiger theoretischer Präzisierungen und differierender Akzentuierungen kritisches Denken in der Tradition der Aufklärungsphilosophie steht, die zum ersten Mal umfassend das selbstgestaltende und selbstbestimmte Weltverhältnis des Menschen thematisiert hat und in der Aufforderung gipfelt, sich seines „eigenen Verstandes zu bedienen“ (Kant), um selbstverschuldeter Unmündigkeit entkommen zu können.
Diesem Imperativ zugrunde liegt die Vorstellung einer Veränderbarkeit der Welt, die sich allmählich aus der ökonomischen Praxis der bürgerlichen Klasse heraus entwickelt hat. Während die Repräsentanten der Feudalmächte Stillstand und vermeintliche Stabilität als einen naturgegebenen Zustand interpretierten, entwickelten sich im Kontext der ökonomischen Praxis des Bürgertums ein Bewußtsein von Dynamik und Veränderung. Von einer prinzipiellen Veränderungsmöglichkeit der sozialen Welt wollte das bürgerliche Denken jedoch nichts mehr wissen, nachdem die gesellschaftlichen Verhältnisse sich in seinem Sinne verändert hatten.
Den unmittelbaren Tatsachenschein hat dieses Legitimationsdenken bei der Betonung einer angeblich natürlichen Festgefügtheit der gesellschaftlichen Zustände tatsächlich auch auf seiner Seite. Denn der Eindruck eines quasi naturhaften und deshalb unveränderlichen Charakters der gesellschaftlichen Basisinstitutionen und Verkehrsmuster resultiert mit einer gewissen Zwangsläufigkeit aus den kapitalistischen Praxisformen selbst.
Gesellschaftliche Totalität
Die spezifischen Organisationsmuster des kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsprozesses, deren prägende Merkmale die Arbeitsteilung und ihre Vermittlung über die Warenform sind, erzeugen Bewußtseinsformen, durch die das gesellschaftliche Geschehen auf den Kopf gestellt erscheint: Die Handlungssubjekte erleben, wie Marx es formuliert hat, die von ihnen selbst erzeugte soziale Welt „als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Dingen“ (MEW 23, S. 86).
Durch diesen ideologischen Verblendungsmechanismus bleibt das elementare Geheimnis der bürgerlichen Gesellschaft verborgen: Obwohl die arbeitenden Klassen Schöpfer des gesellschaftlichen Reichtums sind, wird durch das privatwirtschaftliche Aneignungsverhältnis die Macht des Kapitals konstituiert und gefestigt: Was die Arbeit der Individuen geschaffen hat, so formuliert es Marx, tritt ihnen als „Sache und als Macht des Kapitalisten“ (MEW 25, S. 274) gegenüber. Um es mit einem einfachen Beispiel zu illustrieren: Die Lohnabhängigen schaffen selbst die Maschinen, durch die ihre Arbeitsplätze überflüssig werden!
Aber ist das ein Automatismus? Haben die sozialen Prozesse einen unveränderlichen Charakter? Sind ihnen die Menschen hilflos ausgeliefert? Ist also der „Verblendungszusammenhang“ tatsächlich so „universell“, wie Adorno ihn apostrophiert hat, oder sind die Menschen so widerstandslos in die Welt „geworfen“, wie Heidegger meint? Um auf dieses Fragenbündel eine Antwort erarbeiten zu können, reicht eine große kulturkritische Geste, in der Adorno sich gefallen hat, genausowenig aus wie die Beschwörung geschichtsphilosophischer Allgemeinplätze. Eine erfolgversprechende Beschäftigung mit diesen Fragen muß konkret werden, sie muß ins Detail gehen, um neben den Anpassungsmechanismen auch die alternativen Entwicklungstendenzen erkennen zu können, die es in jeder historischen Situation gibt. Konsequente Kritik fragt in diesem Zusammenhang auch nach den Kräften der Veränderung. Ohne die Identifizierung realer Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten bleibt „Kritik“ ein Glasperlenspiel. Kritisches Denken beschäftigt sich also nicht nur mit dem aktuell Gegebenen und seinen historischen Wurzeln, sondern auch mit der Möglichkeit als Wirklichkeitsmoment. Die theoretische Anstrengung, die die Welt in Gedanken zu fassen sucht, enthält also notwendigerweise immer auch auf Zukünftiges verweisende Momente. Die theoretische Erschließung dieses Horizontes erfordert das Verständnis der Gesellschaft als Totalität, als eines strukturierten Ganzen, dessen Momente in einem wechselseitigen Bedingungs- und Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Es geht darum, bloße Oberflächeneindrücke zu durchdringen, d.h. die realen Vermittlungsabläufe und Zusammenhänge gedanklich zu rekonstruieren. Das ist der Kern dialektischen Denkens. Es geht darum, das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Zufällige vom Strukturellen unterscheiden zu können. Bei Marx wird dieser dornenreiche Weg durch Dutzende Bände mit Studien zur Kritik der politischen Ökonomie belegt, die zusätzlich mit theoretischen Reflexionen, erkenntniskritischen Selbstvergewisserungen und historischen Exkursen durchzogen sind. Ein Denken, das sich dieser Anstrengung verweigert, verliert sich in einer bunten Vielfalt von Oberflächenphänomenen, behandelt soziale und kulturelle Felder mit unterschiedlicher Wirkungskraft als prinzipiell gleichrangig.
Entgegen eines verbreiteten Vorurteils ist die Marxsche Ökonomiekritik keine Wirtschaftswissenschaft als Fachdisziplin: Die eigentliche Intention der Beschäftigung mit ihr ist es, die Menschen in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen, die Bedingungen und die Antriebskräfte und ihres Handelns zu verstehen. Deshalb sind Marxens ökonomische Kategorien immer auch in individualitätstheoretische Begriffe übersetzbar. Seine Theorie berücksichtigt zum ersten Mal in der Geschichte des sozialtheoretischen Denkens die Tatsache, daß alle gesellschaftliche Aktivität zwar an objektive Voraussetzungen gebunden ist, aber die Reaktionen der Menschen darauf den Charakter von Selbsttätigkeit besitzen. Die Menschen sind gleichermaßen Geschöpfe und Schöpfer ihrer Lebensverhältnisse, weil „die Umstände ebensosehr die Menschen wie die Menschen die Umstände machen“ (MEW 3, S. 38).
Diese Selbstvergewisserung ist jedoch nicht voraussetzungslos zu erlangen, insbesondere nicht in einer extrem arbeitsteilig strukturierten und antagonistisch gegliederten Gesellschaft wie der bürgerlichen, die in viele Segmente aufgesplittert erscheint und deren grundlegenden Vergesellschaftungsprinzipien sich immer seltener auf den ersten Blick erschließen.
Von einem sogenannten postmodernen Denken (selbstverständlich mit „kritischer“ Entlarvungsgeste) ist daraus geschlossen worden, daß es besser wäre, auf die Anstrengung einer gedanklichen Durchdringung der gesellschaftlichen Realität gleich ganz zu verzichten, denn angeblich wäre mittlerweile jeder „Widerspruch zwischen dem Realen und dem Imaginären ausgelöscht“ (Baudrillard 1982, S. 114).
Die Pointe dieser Positionierung ist, daß sie, sozusagen aus der Perspektive der Alltagserfahrung, durchaus plausible Momente enthält: Denn dem gewöhnlichen Alltagsbewußtsein sind seine Existenzbedingungen selten unmittelbar einsichtig. Ist das jedoch ein hinreichender Grund, vor dem Problem einer gedanklichen Durchdringung der Lebensverhältnisse zu kapitulieren? Müßte nicht im Gegenteil der intellektuelle Reiz, ja eine kritische Selbstverpflichtung, gerade darin liegen, diese Erfahrungen der „Unübersichtlichkeit“ und der „Unbestimmtheit“ zu dechiffrieren? Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist jedoch von der gegenaufklärerischen Offensive des „postmodernen Denkens“ radikal in Frage gestellt worden.
Destruktion kritischen Denkens
Im Zentrum des Postmodernismus steht die Annahme einer prinzipiellen Ununterscheidbarkeit von Realität und Illusion, Wahrheit, Lüge und Irrtum. Die Frage nach dem Realitätsgehalt von Aussagen wird regelrecht tabuisiert, denn das käme, so behauptet Foucault, einer Rehabilitierung des Ideologiebegriffs gleich, der jedoch „in einem potentiellen Gegensatz zu etwas (stünde), was Wahrheit wäre“ (Foucault 1978, S. 34). Als „Alternative“ dazu wird die Indifferenz und die Haltung der Unentschiedenheit zu einem positiven Wert verklärt. Dies ist jedoch kaum mehr als die Widerspiegelung einer faktischen Orientierungslosigkeit der Individuen innerhalb der sozialen und ökonomischen Prozesse eines späten Kapitalismus.
Haltungen der Indifferenz und Beliebigkeit haben sich im Windschatten des Postmodernismus als kulturelle Selbstverständigungsmuster etabliert. Auf ihrer Basis sind sinnentleerte Geschwätzigkeit und substanzlose Narreteien tendenziell an die Stelle verständiger Auseinandersetzung mit den kollektiven Existenzbedingungen getreten. Es beschädigt die Reputation der postmodernistischen „Meisterdenker“ in keiner Weise, wenn sie potenzierten Unsinn verbreiten, beispielsweise wenn Foucault (auf den noch ausführlich zurückzukommen sein wird) behauptet, daß bei Marx niemals vom Gegensatz zweier Klassen, „einer beherrschten und einer herrschenden“, die Rede wäre. Das würden diverse Leute unterstellen, „aber niemals (…) Marx, denn Marx ist zu klug, um so etwas zu behaupten“ (Foucault 2004, S. 244).
In vielen kulturellen Reproduktionsbereichen dominiert die hochentwickelte Fähigkeit, in Bedeutung und Tiefsinn vortäuschender Weise das Nichts zu zelebrieren, um wirksame Formen des Erinnerns, der kritischen Selbstbefragung und perspektivischen Reflexion zu verhindern. Den intellektuellen Zumutungen sind dabei keine Grenzen gesetzt: So wurden auf der Kasseler Documenta 2007 großformatige Stoffcollagen präsentiert, die dem Inhalt eines Altkleider-Container nicht unähnlich waren. Verstanden werden wollte diese „Installation“ als Auseinandersetzung mit „aktuellen Problemen wie der AIDS-Epidemie oder Dürrekatastrophen in der Sahelzone“.
Ihr Ziel haben die bürgerlichen Hegemonialstrategien erreicht, wenn auch in linken Kreisen ästhetisierende Narreteien als eine angemessene Form der Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Widerspruchstendenzen verstanden werden. Immerhin war in dem (als „Orientierung“ gedachten) Hauptreferat auf einem kulturpolitischen Forum der DKP zu hören, daß ein Hin- und Herschieben von Behältern in einem Museumsraum (durchgeführt durch zwangsverpflichtete Ein-Euro-Jobber) als entlarvende Problematisierung des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit zu verstehen sei. Mit solcher Interpretationsakrobatik ist nicht nur der Tiefpunkt eines kritischen Kunst- und Kulturverständnisses erreicht; es wird auch die realkapitalistische Demütigung der arbeitenden Menschen, die als willenlose Dispositionsmasse behandelt werden, durch eine intellektualistische Unterwerfungsgeste komplettiert.
Nur noch marginal ist die Differenz solcher Positionen weltanschaulicher (und letztlich wohl auch politischer) Selbstaufgabe zu einem in den Geistes- und Kulturwissenschaften verbreiteten theoretischen Relativismus, der verhindert, daß noch zwischen wahr und falsch, schön und häßlich, human und inhuman, jedoch auch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterschieden werden kann. Die Bereitschaft, sich dieser intellektuellen Gleichschaltung zu fügen ist nicht gering, denn eine normative (Des-)Orientierung auf Prinzipien „der Unordnung oder des irreduziblen Durcheinanders“ (Derrida 1997, S. 43) versetzt eine Intelligenz, die ihren Konformismus mit „kritischen“ Versatzstücken kaschiert, in die Lage, karriereschädliche Stellungnahmen zu den gesellschaftlichen Konfliktlinien zu umgehen. Systematisch wird ein objektives Realitätsverständnis „dekonstruiert“ und stattdessen – so heißt es, diese Tendenz zusammenfassend – ein „Interesse an zusammenbrechenden Sinnstrukturen und Un-Heimlichkeiten“ reklamiert (Stäheli, 2000, S. 7).
Ohne Bezug auf gesellschaftliche Totalität und menschliche Praxis verkehrt sich Kritik zur bloßen Rhetorik
Im ersten Teil seines Beitrages zeigte der Autor, daß sich die – in Kritischer Theorie und „Postmoderne“ gleichermaßen verbreitete – Verneinung jedweder gesellschaftlichen Entwicklungsperspektive nicht mit dem Anspruch kritischen Denkens verträgt. Konsequente Kritik ist demgegenüber nur auf Grundlage der Marxschen Philosophie der Praxis möglich.
Die Pointe eines herrschaftskonformen Denkens in „postmodernen“ Kategorien liegt darin, die eklatanten gesellschaftlichen Widersprüche nicht zu verschweigen, sondern den offensichtlichen Tendenzen soziokultureller Deformation eine besondere „Aura“ anzudichten: Spiegelbildlich zu der Irrationalisierung der kapitalistischen Vergesellschaftungsprozesse und den zivilisatorischen Verfallstendenzen werden das Vor- und Gegenrationale als ebenso unvermeidliche wie erstrebenswerte Bezugsgrößen deklariert. Dies ist die Umkehrung der Praxis des klassischen Idealismus: Es wird die Theorie nicht der schlechten Praxis als Ideal entgegengestellt, sondern sie wird dieser angepaßt.
Intellektuelle Abbrucharbeiten
Um die Irrationalität der herrschenden Zustände zu relativieren, wird dem Irrationalismus und der Gegen-Vernunft die Reverenz erwiesen: „Die alten Schablonen der humanistischen Werte erweisen sich als Fesseln der Welterfahrung (…) Wir müssen uns mit dem Chaos versöhnen“ (Bolz 1994, S. 16). Und das bedeutet konsequenterweise zu behaupten, daß „die Begriffe der Emanzipation, der Freiheit, des Guten und Bösen (…) in letzter Instanz irrelevant“ geworden seien (Lyotard 1991, S. 302). Als Fluchtpunkt wird die „Hinwendung zum Paradoxen, Paralogischen“ (Hassan 1994, S. 49), zum „absoluten Exzeß, [zu] Rausch und Ekstase“ empfohlen (Stäheli 2000, S. 32). Der programmatische Hintergrund solcher Positionierungen ist eminent politisch: Weil der bürgerliche Versuch, die Welt als Ordnung der Vernunft zu gestalten, gescheitert ist, solle, so die Forderung, auf jedes Bestreben einer vernünftigen Gestaltung der sozialen Verhältnisse verzichtet werden.
Auch wenn es um das „Postmoderne Denken“ als eigenständigen Philosophierahmen mittlerweile still geworden ist, sind dessen Grundorientierungen jedoch untergründig um so wirksamer geblieben: Haltungen der Indifferenz und Beliebigkeit haben sich als kulturelle Selbstverständigungsmuster etabliert.
Bei seinem Geschäft der Umwertung aller kritischen Werte hat der Postmodernismus das wirksame Verfahren entwickelt, an die Begriffe und Kategorien traditionell kritischen Denkens anzuschließen, um sie innerlich auszuhöhlen und ihnen letztlich einen entgegengesetzten Sinn zu unterschieben. Man nennt das Verfahren „Dekonstruktion“, betreibt jedoch intellektuelle Destruktionsarbeit. Die theoretischen Zeremonienmeister schließen beispielsweise an die kritische Einsicht einer sozialen Vermitteltheit von Wissensformen („Das Sein bestimmt das Bewußtsein“) an – um daraus den verzerrenden Charakter allen Denkens (ihres eigenen natürlich ausgenommen!) „abzuleiten“. Tatsächlich gibt es gesellschaftliche Umstände, die verzerrtes und entfremdetes Denken befördern, jedoch ermöglichen andere Konstellationen auch Reflexionsgewinne: Möglich geworden ist die Marxsche Ökonomie- und Gesellschaftskritik beispielsweise durch eine bestimmte Entwicklungsstufe der bürgerlichen Gesellschaft, jedoch bleibt sie diesem Horizont bekanntlich nicht verhaftet.
Auch aus der Tatsache, daß die Individuen durch ihre sozialen Kontexte beeinflußt werden, wird eine Unabwendbarkeit von Fremdbestimmung geschlossen. Fraglos gehen vom Sozialisationsprozeß unterdrückende Impulse, Effekte der Anpassung und machtkonformen Formierung aus. Jedoch kann er auch zu widerständigen Persönlichkeitsstrukturen und Verhaltensbereitschaften führen. In diesem Doppelcharakter ist die ganze Dialektik von Beherrschung und Widerstand zentriert.
Doch von solcher konkreten Dialektik von Formierung und Selbsttätigkeit (die gesellschaftliche Prägung setzt das Subjekt erst in die Lage, im idealen Fall, selbstbestimmt zu handeln) will das theoretische Modebewußtsein nichts wissen und stellt – sicher ist sicher – deshalb ein sozialvermitteltes Selbstbestimmungsvermögen grundsätzlich in Frage. „Fundiert“ wird dieser gesellschaftsanalytische Nihilismus durch erkenntnisskeptische Positionierungen. Typischen Charakter hat Derridas Formel, daß dem Signifikanten kein Signifikat entspricht, was immerhin bedeutet, daß keine Aussage mit einer wie auch immer gearteten Objektivität korrespondieren würde: Sprache und Texte könnten nur mit anderen Sprachfragmenten und Texten korrespondieren. Es existiere „kein Ding an sich außerhalb des Netzes von Verweisungen (…), innerhalb dessen die Zeichen fungieren“ (Bennington 2000, S. 48). Das Zergliedern gerät somit zum Selbstzweck, ihm steht keine vernünftig-rekonstruktive Aktivität gegenüber. „Man hätte nichts von der Dekonstruktion begriffen, wollte man annehmen, diese Durchquerung des Textes des anderen sei nichts als ein Mittel, um einen bestimmten Zweck zu erreichen und am Ende zu thetischen Schlußfolgerungen zu gelangen. Es gibt (ohne daß darum alle gleichwertig wären) nichts als solche Durchquerungen“ (ebd., S. 71).
Solche Festlegungen sind, trotz aller Differenzen im Detail, konstitutiv für den postmodernistischen Diskurskosmos und werden durch eine spezifische Akzentuierung des Gesellschaftsverständnisses ergänzt: Nicht der soziale Zusammenhang sei der relevante Bezugspunkt zum Verständnis von Wissensformen, Handlungsmustern oder Lebensentwürfen, sondern die Kenntnisnahme ihrer „Unmittelbarkeit“ und ihres realen oder vermeintlichen „Eigensinns“. Im Zentrum der „postmodernen“ Kritik stehen die „großen Erzählungen“, d.h. das Denken in Kontexten und Kausalitätsbeziehungen, weil sie angeblich das Existenzrecht des einzelnen Moments negieren und „dezentrierte Erfahrungen“ verhindern würden. Grundsätzlich wird bezweifelt, daß die einzelnen Momente und Erfahrungen in einem strukturellen Zusammenhang integriert wären. Statt dessen werden das Fragmentarische und Unentschiedene als die eigentlichen Bedeutungsträger begriffen; damit wird jedoch faktisch der Verzicht auf theoretische Stringenz und Kohärenz zum Ideal erhoben und automatisch jeder kritischen Realitätsanalyse schon im Ansatz der Boden entzogen! Denn so richtig es auch ist, daß Individuelles und Einzelnes nicht vollständig in einem Allgemeinen (dem gesellschaftlichen Zusammenhang) aufgehen, so ist doch ohne die Kenntnisnahme ihrer allgemeinen Existenzbedingungen auch die „Besonderheit“ (beispielsweise die Eigenschaften eines Individuums) nicht zu begreifen.
Die Kehrseite der Weigerung, Zusammenhänge zu analysieren und Wechselbeziehungen in Rechnung zu stellen, „sind Orientierungslosigkeit und Resignation, die den Raum freimachen für den Einbruch irrationaler Ideologien jeder Spielart: im Alltagsbewußtsein, in den Künsten, in Wissenschaft und Philosophie“ (Metscher 2008, S. 73). Faktisch wird also der demonstrativ formulierte Kritik- und Subversionsanspruch ad absurdum geführt.
Foucault als kritischer Denker?
Trotz der einen oder anderen Abweichung von diesem Grundmuster werden die den sozialen Zusammenhang zerreißenden methodischen Grundprinzipien auch von Michel Foucault geteilt, der ja heute in aller Munde ist – und erstaunlicherweise als kritischer Denker angesehen wird. Allein seine unreflektierte Abhängigkeit von Nietzsche (Rehmann 2004), und zwar sowohl von dessen geschichtsphilosophischen Grundsätzen als auch methodologischen Prinzipien, sollte eigentlich zur Vorsicht gemahnen. Die geschichtsphilosophische Abhängigkeit drückt sich beispielsweise darin aus, daß auch Foucaults Denken von der (wenn auch modifizierten) Vorstellung einer „Wiederkehr des Gleichen“ geprägt ist: Wie noch zu sehen sein wird, gilt ihm die „Macht“ als ein unentrinnbares, alles soziale Geschehen prägendes Prinzip. Ebenso ist Foucault vorbehaltlos auch den methodischen Grundorientierungen Nietzsches verpflichtet. Wenn Nietzsche sich des „Philosophierens mit dem Hammer“ bezichtigt, so will er damit ein dekonstruktivistisches Vorgehen charakterisieren, das ebenfalls eine wechselseitige Bezüglichkeit zwischen Denken und Realität nicht mehr gelten lassen will. Und genau in dieser antidialektischen Haltung folgt Foucault seinen Lehrmeister Nietzsche aufs Wort: „Das Wissen dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden“ (Foucault 1978, S. 80). Das bedeutet, die Zusammenhänge sollen ausgeblendet bleiben, das Einzelne und Isolierte verabsolutiert werden.
Was eine solche Vorgehensweise konkret bedeutet, wird beispielsweise bei den Versuchen einer akademischen Sozialwissenschaft deutlich, die Ausgrenzungs- und Verarmungsprozesse als weitgehend unabhängige Entwicklungen jenseits des klassengesellschaftlichen Gefüges zu interpretieren. Dazu ist es natürlich unverzichtbar, die sozialen Verbindungslinien auszublenden. Soll dagegen herausgearbeitet werden, daß soziale Rückstufung und Marginalisierung, Verarmung und Verunsicherung mit dem antagonistischen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit vermittelt sind, müssen natürlich die sozialen und ökonomischen Strukturierungsprinzipien analysiert, Zusammenhänge in den Blick genommen werden. Das soll nach Foucault jedoch ausdrücklich ausgeschlossen werden.
Diese methodische Positionierung nimmt für sich in Anspruch, die Selbstartikulationsformen der Subjekte und ihre eigenständigen Widerstandspraktiken besonders sensibel erfassen zu können. Foucault spricht in diesem Zusammenhang davon, daß dem Kampf gegen die Formen der „Objektivierung“ – gegen die Unterwerfung der Subjektivität – immer größere Bedeutung zukäme. Vor allem jenen Selbstartikulationsformen der Subjekte, die sich im Kontext von Widerstandspraktiken herauskristallisieren würden, solle verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Wer käme bei solchen Sätzen nicht auf den Gedanken, daß Foucault sich mit der Problematik einer kulturellen Formierung und sozialen Nivellierung der Subjekte beschäftigen würde, so wie es in durchaus kapitalismuskritischer Absicht früher einmal die „Kritische Theorie“ getan hat? Wäre dem so, könnten wir zentrale Problematiken Foucaults – etwa die Beschäftigung mit dem Eindringen einer normierenden wissenschaftlichen Rationalität in alltägliche Lebensbezüge– als den Versuch einer Kritik der verwertungskonformen Instrumentalisierung der Subjekte durch eine kapitalistische Durchdringung aller Lebensverhältnisse verstehen.
Das wäre eine äußerst produktive Form kritischen Denkens. Jedoch faktisch ist das nicht der Fall! Denn obwohl Foucault in vielen Fragen sich außerordentlich widersprüchlich artikuliert, so weist seine Haltung in dieser Hinsicht eine erstaunliche Kontinuität durch alle Werkphasen hindurch auf: Seine Beschäftigung mit subjektiven Bedrängungserfahrungen sollte nicht mit einer Analyse ihrer Ursachen verwechselt werden. Er konstatiert nicht nur die Fragmentarisierung der Subjekte und den Wahrnehmungsmodus einer Zerstückelung der Geschichte in zusammenhanglose „Ereignisse“, sondern er will darin auch ein nachmodernes Positivum erkennen. Die theoretische Durchdringung der Fragmentarisierung wird im Sinne der schon angesprochenen theoretischen Grundüberzeugungen ausgeschlossen, denn jede objektivierende, nach den Ursachen von Brüchen und Verwerfungen fragende Realitätsanalyse hätte, so wird ganz in der Manier postmodernistischer Glaubenssätze betont, einen unterdrückenden Charakter!
In der entscheidenden Frage des Status von Wissen stimmt Foucault bruchlos mit dem Erkenntnisnihilismus der anderen postmodernistischen Großmeister überein: Jede Interpretation habe prinzipiell als „unabgeschlossen“ zu gelten. Es gelte, den Charakter selbstbezüglicher Kreisbewegungen des Denkens anzuerkennen, weil es „nur Interpretationen“ (Foucault 1967, S. 188) gäbe.
Der erkenntnistheoretische Subjektivismus ist auch die Basis der Foucault’schen Machttheorie, durch die die Machtproblematik nicht nur auf die Subjektebene verlagert, sondern eine subjektivistische Blickrichtung der „Betroffenheit“ verabsolutiert wird. Es wird also nicht, wie fälschlicherweise angenommen wird, die Komplexität realer Herrschaftsvermittlungen thematisiert, sondern das Interesse auf die individuellen Verstrickungen in ein als universal dargestelltes „Machtsystem“ gelenkt. „Macht“ wird als ein Prinzip begriffen, das (über die Köpfe der Protagonisten hinweg und vermittels ihres Handelns) sich anonym „entfaltet“ (Foucault 1992, S. 38): „Jeder von uns“ übt sie aus (Foucault 1998, S. 100), und sie äußert sich überall. Relevante Unterschiede zwischen der „Macht“ des Pförtners und des Fabrikdirektors, des Beamten und des Diktators existieren in dieser Vorstellungswelt nicht mehr.
Grundlage der Foucaultschen Theorie ist die Ignoranz gegenüber der realen Subjekt-Objekt-Dialektik und die Stilisierung der „Subjekte [zu] behavioristisch (…) gestaltlosen, konditionierbaren Wesen“ (Honneth 1989, S. 221). Es können deshalb für die Machtverstrickungen keine soziostrukturellen Ursachen benannt werden – und es sollen auch keine benannt werden! Es soll ausdrücklich nicht darum gehen, die „Formen der Macht in ihrem Kern und in ihren allgemeinen Mechanismen oder ihren Gesamtwirkungen zu analysieren“ (Foucault 1999, S. 42).
Eine ernstzunehmende Kritik der Macht müßte jedoch das Gegenteil beabsichtigen, nämlich konkret beispielsweise jene gesellschaftlichen Kräfte identifizieren, die mit ihrem kapitalvermittelten Entscheidungsmonopolen über das Lebensschicksal der Bevölkerungsmehrheiten entscheiden.
Zwar spricht Foucault von Widerstandspraktiken gegen herrschende Formen der Unterwerfung. Diese bleiben jedoch nebulös und strukturlos. Seine Beschäftigung mit der „Mikrophysik der Macht“ kann zwar als Reverenz an lebensweltlichen Widerstandskulturen verstanden werden, die jedoch als selbstgenügsam und selbstbezogen (in der Kategorie der „Selbstsorge“ des späten Foucault wird diese Perspektive noch einmal dezidiert aufgenommen) beschrieben wird. Ihr Artikulationsraum ist ein gesellschaftliches Niemandsland, denn diese Kämpfe sollen sich „nicht in erster Linie gegen bestimmte Machtinstitutionen, Gruppen, Klassen oder Eliten“ (Foucault 2005, S. 245) richten. In seinen Schlußfolgerungen ist Foucault zumindest in diesem Punkt konsequent: „Wir müssen die bedeutende Tradition des Sozialismus grundlegend in Frage stellen, denn alles, was diese Tradition in der Geschichte hervorgebracht hat, ist zu verdammen.“ (Foucault 2004, S. 514)
Schicksalsverfallenheit
Durch Foucaults analytische „Selbstbeschränkung“ und die daraus gezogenen politischen Schlußfolgerungen entsteht der Eindruck einer irreversiblen Schicksalsverfallenheit der geschichtlich handelnden Menschen: „Die Menschheit schreitet nicht langsam von Kampf zu Kampf bis zu einer universellen Gegenseitigkeit fort, worin die Regeln sich für immer den Krieg substituieren; sie verankert alle ihre Gewaltsamkeiten in Regelsystemen und bewegt sich von Herrschaft zu Herrschaft fort“ (Foucault 1978, S. 95).
Auch in einer solchen Aussage ließe sich noch ein historischer Realismus erkennen, ein Hinweis auch über die Allgegenwart von Klassenkämpfen und Ausbeutungsstrategien, wenn dieses Machtstreben zu realen Akteuren und Interessenkonstellationen vermittelt würde. Dies geschieht jedoch nicht – und soll auch strikt ausgeschlossen bleiben, wie Foucault immer wieder betont: „Es geht darum, daß die gesellschaftliche und moralische Unterscheidung zwischen Unschuldigen und Schuldigen selbst in Frage gestellt wird“ (ebd., S. 120). Fundierend für diese Haltung ist ein Verständnis von „Macht“ als „ein Kräfteverhältnis in sich selbst“ (Foucault 1999, S. 31), das zu keiner gesellschaftlichen Strukturierung in Beziehung gesetzt werden kann. Vollständig verfehlt wäre nach Foucault deshalb eine Interpretation, die der Wirkungsweise der Macht eine Funktion bei der „Erhaltung und Reproduktion der ökonomischen Verhältnisse“ zuschreiben würde (ebd., S. 31).
Foucault thematisiert zwar die Erlebnis- und Wahrnehmungsformen der Macht durch die involvierten Subjekte, jedoch gerade durch eine solch unreflektierte „Unmittelbarkeit“ wird die reale Vermittlungsebene von Macht und Herrschaft verfehlt. „Macht“ wird von Foucault (darin Nietzsche nachfolgend) begrifflich ebenso umfassend wie unpräzise gefaßt, so daß keine soziale Aktivität sich ihr mehr entziehen kann: Unter Herrschaft verstehe er „die vielfältigen Unterwerfungen, die sich innerhalb des sozialen Körpers vollziehen und funktionieren“ (ebd., S. 41). Dadurch wird das gesellschaftliche Strukturgefüge zum Machtpanzer stilisiert, und die Widerstandshandlungen werden zu symbolischen Ritualen, denn grundlegende gesellschaftliche Veränderungen könnten von ihnen nicht ausgehen.
Es sind keine „Umstände“ im Marxschen Sinne mehr, auf die die sozialen Handlungssubjekte verändernd reagieren. Die Menschen werden vielmehr als hilf- und schutzlos gegenüber einer immer schon gegebenen, sie verzehrenden Objektivität dargestellt. Durch die Abwendung von den realen gesellschaftlichen Vermittlungen wird die Machtkategorie bei Foucault „naturalisiert“. Unterdrückung wird zur „existentiellen“ Erfahrung stilisiert, die durch keine soziale Konstellation zu erklären ist.
Das ist jedoch alles, nur keine konkrete Kritik der Macht! Es werden aufgrund seiner Denkvoraussetzungen bei Foucault auch keine gesellschaftlichen Gruppen mehr benannt, in deren Interesse das Machtsystem funktioniert oder die den herrschenden Verhältnissen entgegentreten könnten. Auch die Frage nach den historischen Alternativen, nach einer gerechten Gesellschaft, stellt sich auf dieser Basis nicht mehr.
Mit der herrschaftskonformen Grundtendenz des Foucaultschen Denkens konfrontiert, verweist die Glaubensgemeinschaft auf seine aktive Rolle in Schwulen- und Gefangenenbewegungen. „Vergessen“ aber wird zu erwähnen, daß Foucault, um „der Politik eine spirituelle Dimension zu öffnen“ (Foucault 1997, S. 115), auch den Ajatollahs im Iran seine Reverenz erwiesen hat. Daran wird deutlich, wie ernst seine Parteinahme für das Irrationale und den Wahnsinn (der „im wesentlichen (…) [als] ein Erlebnis im Zustand der Freiheit“ zu begreifen sei – Foucault 1968, S. 104), tatsächlich gemeint ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Foucault’sche Rede über die Macht einen strikten Gegensatz zur Praxis kritischer Gesellschaftstheorie bildet, die sich mit den Machtkomplexen grundsätzlich empirisch beschäftigt und deshalb nicht auf Fragen nach den strukturellen Voraussetzungen von Macht und Herrschaft verzichten kann: Sie konzentriert ihren Blick auf Zusammenhänge, die bei Foucault durch seine methodischen Grundentscheidungen systematisch ausgeklammert bleiben. Zwangsläufig werden durch eine solch fragwürdige „Selbstbeschränkung“ soziale und historische Konstellationen zu Schicksalskategorien transformiert. Und hier schließt sich der Kreis: Dies ist ein Kritik-Modus, mit dem die Herrschenden gut leben können, weil ihnen versichert wird, daß Machtverhältnisse letztlich unüberwindbar seien!
Zitierte Literatur
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- Michel Foucault, Psychologie und Geisteskrankheit, Frankfurt/M. 1968
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- Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt/M. 1992
- Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt/M. 1998
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- Michel Foucault, in: Verteidigung der Gesellschaft, Frankfurt/M. 1999
- Michel Foucault, Folter ist Vernunft, in: Schriften Bd. 3, Frankfurt/M. 2004
- Michel Foucault, Die Maschen der Macht, in: Schriften Bd. 3, Frankfurt/Main 2004
- Michel Foucault, Analytik der Macht, Frankfurt/M. 2005
- Max Horkheimer/Theodor. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt/Main 1969
- Jacques Derrida, Einige Statements und Binsenwahrheiten über Neologismen, New-Ismen, Post-Ismen, Parasitismen und andere kleine Seismen, Berlin 1997
- Jean-François Lyotard, Eine postmoderne Fabel über die Postmoderne oder: In der Megapolis, in: R. Weimann/H.U., Gumbrecht (Hg.), Postmoderne – globale Differenz, Frankfurt/M. 1991
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- Axel Honneth, Kritik der Macht. Reflexionsstufen einer kritischen Gesellschaftstheorie, Frankfurt/M. 1989
- Thomas Metscher, Imperialismus und Moderne, in: Topos. Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie, H. 29, 2008
- Urs Stäheli, Poststrukturalistische Soziologien, Bielefeld 2000
Mit freundlicher Genemigung des Autors.




