Thomas Keck / Jens Mehrle (Hrsg.): Berlinische Dramaturgie. Gesprächsprotokolle der von Peter Hacks geleiteten Akademiearbeitsgruppen, 5 Bände im Schuber, 126,00 €, ISBN 978-3-359-02512-2

Buchpremiere mit den Herausgebern sowie Nicole Heesters, Rolf Becker, Jürgen Kuttner u.a.: Dienstag, 19.10., 20 Uhr, Akademie der Künste, Pariser Platz , Berlin-Mitte
Herausgeber: Jens Mehrle hat als Regisseur u. a. mehrere Stücke von Hacks zur Aufführung gebracht. Thomas Keck ist Schauspieler, Regisseur und Herausgeber des Nachlasses von Ronald M. Schernikau.
Es geht um die zentralen Fragen:
Wie schreibt man Drama?
Was will das Theater?
Was will das Publikum?
Peter Hacks leitete zwischen 1972 und 1979 in der Sektion Dichtung und Sprachpflege der Akademie der Künste der DDR die Arbeitsgruppen »Dramatik« und »Ästhetik« sowie, von 1988 bis 1990, »Technik des Dramas«. In dieser Zeit fanden in gelöster, dem Gegenstand zugewandter Atmosphäre insgesamt dreißig Debatten mit zahlreichen namhaften Diskutanten statt. Die Protokolle dieser Gespräche werden hier erstmals in fünf Bänden vollständig ediert und kommentiert veröffentlicht.
Von Beginn an hat Hacks seine literarische Arbeit durch theoretische Reflexionen begleitet und dabei Wechselwirkungen zwischen Literatur und Gesellschaft immer mitgedacht. Dieses Verhältnis ist das bestimmende Thema für die Debatten der beiden Arbeitsgruppen der siebziger Jahre. Ausgehend von einer Prüfung der Hegelschen Dramentheorie auf ihre Gültigkeit für die konkrete Gesellschaft, wird in den Sitzungen leidenschaftlich und kontrovers über Deailfragen der eigenen »Probleme der Darstellung der industriellen Wirklichkeit« und der Produktion exponierter Zeitgenossen wie Beckett gestritten, über Klassik und Romantik als mögliche und vorherrschende Haltungen zur Gegenwartsliteratur verhandelt oder auch das Angebot einer konkreten Inszenierung als Chance zur exemplarischen Analyse von Shakespeares »Der Sturm« genutzt.
Die letzte Arbeitsgruppe leiht ihren Titel von Gustav Freytag und ist jungen Autoren gewidmet. Anhand ausgewählter Stücke der Weltliteratur gibt Hacks einen hochkomplexen »Geschwindkurs« in Dramatikerhandwerk.
Gefragt wird nach den klassischen, den gültigen Kunstregeln und geantwortet nach der Erfahrung: Was ist eine Eröffnung, was eine Fabel, ein Held, ein Gegenspiel, ein Pausenschluss? Die gemeinsame Arbeit soll zutage bringen, wie die einzelnen Zeitalter, wie unterschiedliche gesellschaftliche und ästhetische Bewusstseinshöhen diese Fragen jeweils produktiv im Drama umgesetzt haben.
Mit den insgesamt fünf Bänden wird erstmals eine einzigartige ästhetische Debatte des 20. Jahrhunderts als Arbeitsmaterial zugänglich gemacht.

