Seit fast drei Jahren kämpft die junge Kulturgenossenschaft „Neue Eigentlichkeit eG“ um eine eigene, feste Spielstätte in der Leipziger Innenstadt. Die Besonderheit dieser Kultureinrichtung soll in der Verknüpfung eines Kino-, Galerie- und Barbetriebs liegen – programmatisch herausstechend durch seinen intendantischen Ansatz. Bereits 2007 begann die Recherche von geeigneten Immobilien. 2008 kam es zu einer engen Kooperation mit dem Eigentümer der letzten unsanierten Passage in der Kleinen Fleischergasse. Doch im August 2010 scheint der Traum von der eigenen Spielstätte geplatzt.
Das Gebäude „Kleines Joachimsthal“ in der Kleinen Fleischergasse wurde Anfang des 17. Jahrhunderts im Barockstil als Handelshof errichtet und seitdem mehrfach umgebaut. Eine besondere Raffinesse ist der historische Kreuzgewölbekeller unter dem Vorderhaus, in dem sogar Friedrich Schiller 1785 und 1789 übernachtet haben soll. Die Bedingungen, in diesen Räumlichkeiten einen Kulturbetrieb zu etablieren, sind geradezu ideal. Bereits 2008 entwickelte sich daher ein enger und regelmäßiger Kontakt zum damaligen Eigentümer Dr. Hardt. Er zeigte sich begeistert vom Nutzungskonzept der Neuen Eigentlichkeit und ließ die junge Kulturgenossenschaft sogar ihre Ideen in die konkrete Entwicklung der Pläne zum Roh- und Innenausbau des betreffenden Mietbereichs einbringen. Ein erster Mietsvertragsentwurf wurde diskutiert, woraufhin Anfang 2009 ein enormer baulicher Fortschritt im Kellergewölbe erreicht werden konnte. Der Rohbau wurde innerhalb dieser Zeit entsprechend der Planungen der Kulturgenossenschaft komplett fertig gestellt und das Souterrain somit auf seine neue Funktion als Kinosaal-, Galerie- und Bargewölbe abgestimmt und vorbereitet.
Im Juni 2009 kam es jedoch schlagartig zum Stillstand der Baumaßnahmen – Dr. Hardt wandte sich vom Gebäude „Kleines Joachimsthal“ ab und gab es erneut zur Versteigerung frei. Ein herber Rückschlag, der die Neue Eigentlichkeit jedoch nur noch mehr zum Kampf um „ihre“ neue Spielstätte animierte. Aktionen zur Untermauerung des Vorhabens wurden geplant. So begutachtete beispielsweise eine Vielzahl an interessierten Architekturstudenten der HTWK Leipzig die Baustelle und erstellte Entwürfe, wie die Spielstätte nach Fertigstellung aussehen könnte. Auch die Gestaltung des Baustellentores mit dem Logo der Neuen Eigentlichkeit war ein weiteres Statement, welches das Ziel in die Fleischergasse einzuziehen, bekräftigte.
Im Juni 2009 wurde das Barockhaus schließlich von der „Windsor AG“, einer Berliner Immobilienfirma, ersteigert. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten war für Frühjahr 2010 angedacht. Doch dazu ist es nie gekommen. Denn im April dieses Jahres entschloss sich auch die Windsor AG ganz kurzfristig dazu, die Immobilie wieder zu veräußern. Als Grund nannte man das Nicht-Zustandekommen eines Betriebskonzeptes für die 6.000m² Nutzungsfläche.
Seitdem herrscht Stillstand – im Bereich der Spielstätte hat sich baulich nichts mehr verändert. Seit Mai versucht die Neue Eigentlichkeit deshalb lokale Investoren für den Kauf des Gebäudes zu gewinnen. Doch es herrscht einstimmige Interessenlosigkeit am „Kleinen Joachimsthal“ – seitens der Stadt ebenso wie von Seiten diverser finanzkräftiger Unternehmen. Der Rohbau liegt brach … und mit ihm die Idee, einen alternativen Kulturbetrieb in der Leipziger Innenstadt zu etablieren.
Die Neue Eigentlichkeit eG ging aus dem ehemaligen DachKino im Haus Steinstraße e.V. hervor und bereichert seit zwei Jahren die Kulturlandschaft Leipzigs durch Filmvorführungen jenseits des Mainstreams und neue Galeriekonzepte. Mit der alljährlich stattfindenden „Filmkunst Sommertour“ hat sich die Neue Eigentlichkeit eG bereits einen Namen gemacht. Seit 2007 bespielt der Kulturbetrieb einen Sommer-Monat lang verschiedene Veranstaltungsorte Leipzigs mit jungen Filmen. In diesem Jahr jedoch musste die Sommertour aufgrund der Bemühungen rund um die feste Spielstätte, die alle personellen und zeitlichen Ressourcen der Genossenschaft erforderten, leider ersatzlos entfallen.
Weitere Informationen zur Neuen Eigentlichkeit finden sich unter www.neue-eigentlichkeit.de.
Über eine redaktionelle Berücksichtigung freuen wir uns sehr. Fotomaterial finden Sie im Anhang. Für weitere Informationen stehe ich Ihnen jederzeit sehr gern zur Verfügung.
Neue Eigentlichkeit eG
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