Die „junge Welt“ ist eine der wenigen linken und zugleich informativsten Zeitungen, die nicht vor dem opportunistischen Mainstream diverser Ex-Linker eingeknickt ist.

Kein Wunder, daß sie immer wieder diversen Angriffen ausgesetzt ist, auch von linker Seite, insbesondere aus der Partei Die Linke, was für letztere sehr beschämend sein sollte. 

Bei aller kritischen Distanz, die man bei manchen Beitrag einnehmen könnte (und auch sollte), ist es alles andere als Linkssein, wenn man sich dem bürgerlichen Mainstream anschließt, um eine linke „Konkurrenz“ (?) loszuwerden, so nach dem Motto: liegst du schon am Boden, trete ich unsolidarisch auf dich drauf.Da wir uns dem nicht anschließen wollen, veröffentlichen wir anschließend den Text von der „jungen Welt“ als Zeichen unserer Solidarität.

Kurt W. Fleming, Leipzig
Joán Ujházy, Budapest

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Gegendarstellung: Vielfältige Allianzen
Von Arnold Schölzel

Eine Zeitungsredaktion ist dazu da, eine Zeitung zu machen, nicht, um über sich selbst zu berichten. Eine Ausnahme ist, wenn sich Behörden, Justiz oder politische Öffentlichkeit mit ihr befassen. Das ist bei jW von Zeit zu Zeit der Fall. Die jeweilige Aufregung wird mal von ihrer bloßen Existenz ausgelöst, mal von Informationen und Meinungen, die sie verbreitet. Es geht aber auch andersherum, wie die letzten Tage zeigten: jW wird Gegenstand, ohne sich geäußert zu haben oder befragt worden zu sein. Anlaß ist eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung, in der sich der Verlag 8.Mai GmbH, der jW herausgibt, seit Dezember 2011 mit dem Kollegen Rainer Balcerowiak befindet. Anfang Februar wurde dieser Konflikt ins Internet getragen, versehen mit allerhand Falschdarstellungen. Das bedurfte keiner Reaktion: Keine der Seiten, die den entsprechenden Text publizierten, hielt es für nötig, bei jW nachzufragen. Dafür gab es viel Meinung über jW. In solchen Fällen gilt die Regel: „Don’t feed the trolls – Gib den Trollen kein Futter“ (Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff Troll im Internet eine Person, die – anonym agierend – keine sachliche Kommunikation will, sondern erboste und unsachliche Antworten provozieren will). Am Freitag verließ die Angelegenheit aber die Anpöbelsphäre und wurde vom Internetportal labournet.de aufgegriffen, einer Webseite, die mit jW öfter kooperierte und einige Resonanz unter linken Gewerkschaftern hat. Auch dort hielt man es nicht für nötig, jW um eine Stellungnahme zu bitten. Diese Verabschiedung vom Journalismus schmückten die Macher damit, daß sie von jW als einer „linken“ Tageszeitung nur in Anführungszeichen schrieben.

Das besagt, daß es um mehr geht als um Parteinahme für einen Kollegen. Es geht um eine Politik, bei der jW offenbar stört. Darauf deutet auch hin, daß sich in diesem Fall eine äußerst vielfältige Allianz gegen diese Zeitung zusammengefunden hat, die bis zu Bellizisten auf Linkspartei-Ticket wie BAK Shalom reicht.

jW-Redaktion, Verlag und Genossenschaft haben sich daher entschlossen, mit der folgenden Darstellung zum Tarifgefüge im eigenen Haus und zum aktuellen Konflikt an die Öffentlichkeit zu gehen.

 

Zum Haustarifvertrag bei der jungen Welt

* Zwischen der jungen Welt und dem bisherigen jW-Autor Rainer Balcerowiak gibt es auf sein Bemühen hin eine juristische Auseinandersetzung. Aufgrund einer Reihe von größtenteils unrichtigen Behauptungen, die seit einigen Tagen im Internet darüber und über die Vergütung der Journalisten und Mitarbeitenden der jungen Welt kursieren, möchten Verlag, Redaktion und Genossenschaft der jungen Welt folgendes klarstellen:

1. Die junge Welt hat im Jahr 1998 mit der zuständigen DGB-Gewerkschaft IG Medien (heute ver.di) einen Haustarifvertrag abgeschlossen. Darin wurde geregelt, daß die betriebliche Lohngestaltung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung vertraglich zu regeln ist. Daraufhin wurde in einer Betriebsvereinbarung die Grundstruktur der Entlohnung beim Verlag 8. Mai GmbH verbindlich festgelegt.

2. Seither werden die Entgelte für festangestellte Mitarbeitende bei der jungen Welt durch entsprechende Betriebsvereinbarungen bzw. ergänzende Regelungen im Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di bestimmt. Betriebsrat, Tarifkommission, Geschäftsleitung und Gewerkschaft erarbeiten unter Berücksichtigung der Interessen der Beschäftigten und der ökonomischen Möglichkeiten des Verlages gemeinsame Festlegungen zu Gehaltsstruktur und Gehaltshöhe. Wenn es zu keiner Einigung kommt, kann eine Belegschaftsabstimmung entscheiden.

3. 1998 wurde zudem per Tarifvereinbarung mit ver.di ein Pauschalvertrag für freie arbeitnehmerähnliche Journalisten unterzeichnet. In ihm sind Fragen der sozialen Absicherung bei Krankheit und Urlaub sowie Kündigungsfristen usw. für beide Seiten verbindlich geregelt.

4. Entgegen den Trends achtet die junge Welt seit Jahren darauf, daß lediglich Festeinstellungen vorgenommen werden. Der Pauschalvertrag hat deshalb nur noch für sehr wenige Kollegen Bestand – allerdings ausdrücklich auf deren eigenen Wunsch. Ihnen wird seit Jahren regelmäßig eine Festanstellung nach den jeweils gültigen Tarif- bzw. Betriebsvereinbarungen offeriert.

5. Auch dem Kollegen Rainer Balcerowiak wurde seit 2006 regelmäßig eine Übernahme in die Festanstellung angeboten, was dieser aber immer wieder ausdrücklich ablehnte, weil er diverse Vorteile des Status eines freien Journalisten weiter nutzen wollte. Zuletzt wurde ihm Ende 2011 ein Bruttogehalt angeboten, was über seinem bisherigen Pauschalhonorar und über den im Hause üblichen Tarifen lag. Gespräche wurden selbst dann noch geführt, als Rainer Balcerowiak per Anwalt eine rückwirkende Festanstellung mit einer Entlohnung in Höhe von 4401 Euro monatlich sowie eine Nachvergütung in Höhe von über 107000 Euro innerhalb von 14 Tagen von der jungen Welt einforderte.

6. Die Gespräche wurden abgebrochen, als Rainer Balcerowiak für die Durchsetzung seiner oben genannten Forderungen das Arbeitsgericht eingeschaltet hatte.

7. In Verlag, Redaktion und Genossenschaft sind sich alle darin einig, daß die Entlohnung der Beschäftigten besser sein müßte. Die Forderungen des Kollegen Balcerowiak sprengen aber nicht nur den Rahmen des Tarifsystems der jungen Welt, selbst wenn er sie nur zum Teil durchsetzen würde. Sie würden unweigerlich zum Ende der jungen Welt führen, wenn sie keine Einzelregelung wären, sondern gerechterweise für alle Kolleginnen und Kollegen umgesetzt werden müßten.

Berlin, den 10. Februar 2012

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