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	<title>Leipziger Kritiken &#187; Allgemeines</title>
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	<description>Lose Blätter für Theater, Bücher und Musik</description>
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		<title>Vom Hausbergverbot zur „Judenhütte“</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jul 2011 07:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Prof. Dr.phil. Dr.h.c. Rudolf O. Zucha
Die öffentliche Berichterstattung zur Ausstellungseröffnung hat mich veranlaßt, unmittelbar nach meiner Rückkehr von einem Kongreßbesuch in Berlin, den Wanderweg zum Zehner-Nock am Dobratsch zu gehen. Der Weg dorthin ist mit Wegtafeln bestückt, welche auf das Schicksal der jüdischen Mitbürger in Kärnten und deren „Hausbergverbot“ <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2011/07/judenhuette/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Prof. Dr.phil. Dr.h.c. Rudolf O. Zucha</em></p>
<p>Die öffentliche Berichterstattung zur Ausstellungseröffnung hat mich veranlaßt, unmittelbar nach meiner Rückkehr von einem Kongreßbesuch in Berlin, den Wanderweg zum Zehner-Nock am Dobratsch zu gehen. Der Weg dorthin ist mit Wegtafeln bestückt, welche auf das Schicksal der jüdischen Mitbürger in Kärnten und deren „Hausbergverbot“ am Dobratsch erinnern soll. Diese Wegtafel oder Wegstationen, welche an das traurige Schicksal dieser Menschen erinnert, ist schon sehr beeindruckend.</p>
<p>Die Zehner-Hütte, welche zur dort stattfindenden Ausstellung symbolisch als „Judenhütte“ bezeichnet wird, offenbart eine nochmals größere Überraschung. Ohne Übertreibung: Die künstlerische Raumgestaltung der Ausstellung ( oder Installation wie es jetzt oft genannt wird) ist ob ihrer Wirkung und expressiven Qualität atemberaubend. Die Panoramafenster werfen reichlich Licht auf die geweißten großen Wandflächen, auf die in schwarzer Schrift angebrachten wandfüllenden Biographien Kärntner Juden in Deutsch und in Hebräisch, sowie auf die Symbole an der Wand (von der Menora, über die Fahne von Zion, über das Photo des Inneren einer Synagoge und das Photo der Enkelin von Rifka), auf die beiden roten eisernen Querbalken (Traversen) mit der Minora im Osten. Nicht zuletzt der herrliche Blick auf die majestätische Gebirgswelt ist überwältigend und einmalig.</p>
<p>Es ist ein großartiges Ereignis, auf das ich die zahlreichen ausländischen Gäste in Villach aufmerksam machen werde, auf ein wichtiges Zeugnis des weltaufgeschlossenen Kärntens von heute.</p>
<p>Die künstlerische Gestaltung lag in den bewährten Händen des Herrn Logar (seinen Namen sollte man sich merken). Natürlich war dies alles nur möglich dank des Engagements des Universitätsvereins Unikum (Klagenfurt), der Stadt Villach (mit Bürgermeister Manzenreiter an der Spitze), der IKG Graz und des Österreichischen Alpenvereins, Sektion Villach.</p>
<p>Den Leserinnen und Lesern dieser Zeilen möchte ich empfehlen, es sich nicht entgehen zu lassen, diese großartige und einmalige Ausstellung in der Villacher Bergwelt anzusehen.</p>
<p><strong>Mit freundlicher Genehmigung des Autors.</strong></p>
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		<title>„Aber schreiben kann er“</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2011/06/aber-schreiben-kann-er/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 18:19:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Hermann Kant zum 85. Geburtstag
Von Kai Köhler
Das Leben des politischen Menschen und Schriftstellers Hermann Kant, der heute 85 Jahre alt wird, ist ohne die Konflikte, Hoffnungen und Niederlagen im 20. Jahrhundert nicht zu schildern. Geboren wurde Kant 1926 als Sohn eines Gärtners, der 1933, ohne zum Widerstandskämpfer zu werden, bei <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2011/06/aber-schreiben-kann-er/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hermann Kant zum 85. Geburtstag</strong></p>
<p><em>Von Kai Köhler</em></p>
<p>Das Leben des politischen Menschen und Schriftstellers Hermann Kant, der heute 85 Jahre alt wird, ist ohne die Konflikte, Hoffnungen und Niederlagen im 20. Jahrhundert nicht zu schildern. Geboren wurde Kant 1926 als Sohn eines Gärtners, der 1933, ohne zum Widerstandskämpfer zu werden, bei der Verfolgung von Kommunisten nicht mitmachen wollte und sich deshalb als Straßenkehrer wiederfand. Die frühe Armut der Familie wird immer wieder zum Thema in Kants Werken, wie auch der Umzug ins ländliche Parchim 1940, der ihn wiederum in eine Außenseiterrolle brachte. Liest man Erinnerungsliteratur aus jener Zeit, so gewinnt man den Eindruck, daß damals regionale Fremdheit jedenfalls im ländlichen Deutschland zu mindestens ebensoviel Prügel führte wie ethnische Fremdheit heute.</p>
<p>Der junge Kant konnte noch eine Lehre als Elektriker beenden, bevor er im Herbst 1944 für wenige Wochen Soldat und für vier Jahre Kriegsgefangener in Polen wurde. Vor 1944 war Kant weder Nazi noch Mitläufer, doch auch zu jung für bewußte Opposition. Die mehrjährige Gefangenschaft führte zum Bewußtsein, auf der falschen Seite gekämpft zu haben, und zum Entschluß, dies fortan auf der richtigen zu tun.</p>
<p>Für viele Jahre befanden sich individuelle Erkenntnis und historische Entwicklung im Einklang. Eine der größten Leistungen der frühen DDR bestand darin, begabten Personen einen Aufstieg zu ermöglichen, der unter den Bedingungen der Klassengesellschaft im Westen nur schwer möglich gewesen wäre. Kant holte 1952 an der Greifswalder Arbeiter- und Bauernfakultät das Abitur nach und studierte danach an der Humboldt-Universität Germanistik. Bald wurde er Assistent des vielseitig gebildeten, doch an trockener Forschung wenig interessierten Alfred Kantorowicz, der 1956 Kant „die in diesem Studienjahr am besten geeignete Persönlichkeit“ nannte, doch nach seiner Übersiedlung in den Westen nichts mehr davon wissen wollte.</p>
<p>Statt dessen nannte er Kant nun „stramm und beflissen“ sowie „fachlich nicht sonderlich begabt“; und in der Welt sekundierte der Journalist Günter Zehm, später ein regelmäßiger Beiträger der Jungen Freiheit, Kant sei nichts als ein „Spitzel der Staatsmacht“.</p>
<p>Die Leute wußten, warum sie wüteten: Kant nahm seinen Erfolg nicht nur als individuellen Glücksfall, sondern als Verpflichtung, den fortschrittlicheren deutschen Staat zu verteidigen. Während seines Studiums war er nicht nur Partei­sekretär am Germanistischen Seminar, sondern nutzte die Bewegungsfreiheit, die es zwischen den Teilen Berlins vor dem Mauerbau gab, um als Redakteur der Zeitschrift tua res Studierende der neugegründeten Westberliner Universität, die sich selbst „frei“ nannte und trotz aller Wirtschaftskontakte immer noch so nennt, zu informieren.</p>
<p>Berüchtigt ist Kant aber heute nicht wegen dieser Aktivitäten, sondern wegen seiner Funktionen im Schriftstellerverband der DDR. Seit 1978 in der Nachfolge von Anna Seghers als Präsident setzte er sich für die Rechte und die materielle Absicherung von Autoren ein. Stets aber ging es auch darum, auf der einen Seite eine dumm-administrative Verödung der Literatur zu verhindern, auf der anderen Seite eine sozialistische Ausrichtung des Verbands zu sichern.</p>
<p>Die damit verbundenen Konflikte hat Kant in seinen 1991 unter dem Titel „Abspann“ erschienenen Lebenserinnerungen aufgezeichnet. Kaum zu vermeiden war, daß er nach 1989 als Büttel von Staat und Partei abgeurteilt wurde. Zum Schriftstellerkongreß im März 1990 wurde er schon nicht mehr eingeladen. Gewonnen hat Kant damit Zeit zum Schreiben. Das in der DDR erschienene Werk ist quantitativ eher schmal: die drei Romane „Die Aula“ (1965), „Das Impressum“ (nach mehrjähriger Verzögerung 1972) und „Der Aufenthalt“ (1977) sowie die Erzählungsbände „Ein bißchen Südsee“ (1961), „Der dritte Nagel“ (1981) und „Bronzezeit“ (1986). Die Nachwendezeit dagegen brachte „Abspann“ (1991) und die Romane „Kormoran“ (1994), „Okarina“ (2002), „Kino“ (2005) und „Die Kennung“ (2010) sowie eine Reihe von Erzählungen.</p>
<p>Doch läßt sich kaum behaupten, daß zuvor die politische Funktion Kant behindert hätte. Die Erfahrung von Krieg und lehrreicher Gefangenschaft hatte ihn zu einem durch und durch politischen Menschen gemacht. Schreiben und gesellschaftliche Tätigkeit gehörten gleichermaßen zu dem Versuch, ein besseres Deutschland aufzubauen. Insofern ist das erzwungene Abseits nach 1989 ein Verlust.</p>
<p>Zudem gehört Kant zu den Schriftstellern, deren Stoff zu einem großen Teil dem eigenen Leben entlehnt ist. Liest man die großen Romane und „Abspann“ hintereinander, so fällt auf, wie nahe sich Fiktion und erinnertes Leben stehen. „Die Aula“ ist in der Greifswalder Arbeiter- und Bauernfakultät angesiedelt, die Lebensdaten der Hauptfigur Mark Niebuhr, die im „Aufenthalt“ die polnische Kriegsgefangenschaft erfährt, sind mit denen des Autors weitgehend identisch. „Okarina“ schließt zeitlich daran an; der Roman hat die Schlußphase der Kriegsgefangenschaft zum Stoff, die von der Stalin-Zeit geprägten frühen Jahre der DDR und dann die Nachwendezeit.</p>
<p>Aber auch „Das Impressum“ und „Die Kennung“, die vor allem in der DDR der 60er Jahre spielen und weniger eng an Kants Lebensweg angelehnt sind, weisen Episoden auf, die in „Abspann“ vorkommen oder auch in den 2007 veröffentlichten Aufzeichnungen von Gesprächen Kants mit Irmtraud Gutschke.</p>
<p>Umgekehrt reicht der literarische Anspruch von „Abspann“ weit über die bloße Aneinanderreihung von Lebensstationen hinaus. Der Untertitel „Erinnerung an meine Gegenwart“ besitzt eine doppelte Bedeutung: Zum einen wird erinnert, was einmal Gegenwart war. Zum anderen strukturiert die Schreibgegenwart der Jahre 1989 bis 1991 die Reflexion. Die sich zuspitzende Krise der DDR, systematische Diskreditierung aller sozialistischen Ansätze nach der Maueröffnung, die wachsenden politischen Spannungen bis hin zum zweiten Golfkrieg begründen nachträglich noch einmal Kants Entschlossenheit, sich in der DDR zu engagieren.</p>
<p>Was erinnert wird, folgt zwar einigermaßen der Chronologie von der Jugend in Hamburg bis in den Oktober 1989. Doch durchdringen sich die Zeitebenen ständig und ist der Stoff nach Themengruppen angeordnet: Beobachtungen über die Eitelkeit von Schriftstellern, Krankheiten und Unfälle sowie vor allem die Tätigkeit an der Spitze des Schriftstellerverbands. Erkennbar sollen die Romane wie die Erinnerungen dem Leben Form verleihen.</p>
<p>Doch an die Öffentlichkeit trat Kant zunächst mit einem Band mit Erzählungen. Seine Beschäftigung mit der Gattung reicht von „Ein bißchen Südsee“ (1962) bis zu „Lebenslauf. Zweiter Absatz“ (2011).</p>
<p>Für diese, seine neueste Publikation hat Kant Texte aus den älteren Sammlungen ausgewählt, dazu Erzählungen, die zuvor nur in Zeitschriften oder gar nicht gedruckt worden waren. So erlaubt es das Buch, ein Halbjahrhundert schriftstellerischer Entwicklung zu überblicken.</p>
<p>Die frühesten Erzählungen gehen, in dieser Zusammenstellung, zumeist in die Vorkriegs- und Kriegszeit zurück. „Krönungstag“ eröffnet den Band: Die Schwester des Ich-Erzählers ist bei einem Schulwettbewerb „Königin“ geworden. Nun liegt diese Schule an der Grenze zwischen einem armen und einem reichen Wohngebiet, und es hat sich bisher immer glücklich ergeben, daß ein reiches Kind gewann. Als die Regel gebrochen wird, stellt sich ein Problem: Ein Festzug wird sich zum Haus der Königin bewegen, aber das Haus ist schäbig. Kant schildert phantasiereich und anschaulich, wie Familie und Nachbarschaft zusammenwirken und – einige Konflikte inbegriffen – innerhalb weniger Stunden doch ein vorzeigbares Ergebnis herzaubern.</p>
<p>„Der Glasberg“ und „Mitten im kalten Winter“ gehen, liest man die Erzählungen biographisch, auf Kants Lehrzeit als Elektriker zurück. Zweimal löst ein Lehrling Probleme im Hause reicher Auftraggeber, zweimal entsteht ein für die Kunden wenig schmeichelhaftes Sittenbild häuslicher Hierarchien und Idiotismen. Zweimal aber entsteht ein durch Sympathie geprägter Kontakt zu Angestellten im Haus, in „Mitten im kalten Winter“ vielleicht sogar eine Liebe.</p>
<p>Diese beiden Elektriker können als Prototypen der – stets männlichen – Hauptfiguren Kants gelten. Zumeist recht unbekümmert, sind sie kampfbereit, ohne aggressiv zu sein. Wo es gilt, in schwierigen Situationen durchzukommen, verhalten sie sich meist geschickt. Ihnen hilft, daß sie schnell eine Lage einzuschätzen wissen. Sie wissen mit Worten umzugehen – was ihnen manchmal hilft, solange sie nicht den einen Witz machen, der zuviel ist.</p>
<p>In den ersten Erzählungen kommt das alles noch recht milde daher. Probleme des Aufbaus in der DDR fehlen in Kants Auswahl, der Krieg ist nur angedeutet. Ein leicht ironischer Ton läßt auch Probleme leicht erscheinen, bei klarer und recht einfacher Sprache.</p>
<p>Allerdings tendiert schon mindestens eine der aus dem „Südsee“-Band in „Lebenslauf. Zweiter Absatz“ übernommenen Erzählungen zum Manieristischen. „Gold“ setzt ein mit dem Satz: „Als mein Vater das Gold gefunden hatte, freuten wir uns alle sehr.“ Die Erwartung, nun aber zu erfahren, wie der Vater das Gold fand und was dann passierte, wird allerdings auf den folgenden 25 Seiten konsequent enttäuscht. So oft der Erzähler sich ermahnt, nun aber doch zur Sache zu kommen, so oft gerät er in eine neue Abschweifung. Am Ende hat man nichts über das Gold erfahren, doch viel über die Familie.</p>
<p>Hier hat Kant sein Erzählprinzip des Umwegs entwickelt (und fürs erste weitgehend formal angewandt), das dann in den Romanen perfektioniert und mit Inhalten verbunden wird; in den großen geschichtlichen Entwürfen vermag er auf diese Weise Verbindungen zwischen den Zeitschichten herzustellen.</p>
<p>Aus „Eine Übertretung“ (1975) hat Kant neben „Lebenslauf. Zweiter Absatz“ – einem Auszug aus dem Roman „Der Aufenthalt“ – die Titelerzählung aufgenommen. Hier erklärt sich der Ich-Erzähler, offenbar wie Kant ein routinierter Westreisender, bereit, an der Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik eine übersiedlungswillige Greisin an den westlichen Kontrollpunkt zu transportieren. Die kurze Fahrt gerät zu einem grotesken Abenteuer, in dessen Verlauf die bald allzu Kregle, bald scheinbar Sterbende dem Erzähler einiges an Nerven abverlangt. Bei Kant ist die Grenze ein Erzählanlaß, um einen Moment der Ratlosigkeit gegenüber Apparaten durchzuspielen, die sich verselbständigt haben – was tun, wenn die Alte wirklich stirbt? Dabei handelt es sich um kein politisches Plädoyer für oder gegen die Mauer. Sie ist einfach eine Realität, die nicht weiter begründet werden muß.</p>
<p>„Frau Persokeit hat grüßen lassen“ aus „Der dritte Nagel“ (1981) geht wieder in die arme Vorkriegszeit zurück. Die Wucherin hat der Familie des Ich-Erzählers Geld geliehen und ist, wenn sie grüßen läßt, ein Problem, denn sie mahnt die fällige Rate an. Ein größeres Problem ist sie, wenn sie in der Wohnküche der Schuldner plötzlich stirbt – denn wer glaubt wohl an einen natürlichen Tod? Die Erzählung zeigt den Zugewinn erzählerischer Mittel im Verlauf von zwanzig Jahren. Ein großes Figurenensemble aus der Nachbarschaft ist mit wenigen Sätzen scharf umrissen und in seiner sozialen wie psychologischen Stellung markiert. Es gibt weniger gute Menschen als in den frühen Erzählungen, sondern Leute, die mit ihren beschränkten Mitteln eben so zu überleben versuchen.</p>
<p>Gute Menschen sind auch in der DDR schwer zu finden. Am dritten Nagel hängt, in der Titelerzählung des Bandes, ein Beutel mit besten, frischen Brötchen, und zwar für den Ich-Erzähler; und zwar dauerhaft nur, wenn er dem Bäcker ein bestimmtes erotisches Buch besorgt, das er nur bekommt, wenn er – usw. Am Ende erfüllt er die letzte Forderung, im Tausch gegen eben jenen Brötchenbeutel, und war alle Mühe sinnlos.</p>
<p>In der Mangelgesellschaft ist der Zugang zu Ressourcen von höchstem Wert und kehren urtümliche Tauschverhältnisse zurück – man kann Kant nicht vorwerfen, er habe Mißstände in der DDR schöngeschrieben. In „Bronzezeit“ aus dem gleichnamigen, 1986 erschienenen Band ist die Kritik noch zugespitzt. Der Buchhalter Farßmann vertritt in einem Betrieb, der Orden herstellt, den Hauptbuchhalter und will unbedingt verhindern, daß er auf Dauer befördert wird.</p>
<p>Er hat darin einen Vorgänger in Kants Werk. „Ich will aber nicht Minister werden!“, lautete der erste Satz im Roman „Das Impressum“. Doch wollte David Groth Chefredakteur bleiben, weil dieser Posten seinen Fähigkeiten am ehesten entsprach. Seine Not entsprang einer Gesellschaft, in der Stillstand als Rückschritt galt. Im Gegensatz dazu formuliert Farßmann, dessen Name nicht zufällig an eine Farce erinnert, kein gesellschaftliches Interesse. Er will einfach keiner von denen „da oben“ werden, sondern weiter mit Büroklatsch versorgt werden. Die Distanz zwischen Kadern und Geführten wirkt nun unüberwindbar, und mit äußerster Mühe gelingt es Farßmann, dem Aufstieg zu entgehen.</p>
<p>Ganz zu Recht konnte Kant nach 1989 darauf verweisen, vor Fehlentwicklungen gewarnt zu haben. Es ging ihm, wie vielen anderen Schriftstellern, nicht um die Abschaffung des Sozialismus, sondern um dessen Verbesserung. Klarer als viele andere aber erkannte er, daß die Verbesserung nicht ohne wehrhaften sozialistischen Staat zu haben war. Folgerichtig übernahm er politische Funktionen, folgerichtig galt er nach 1989 als politisch besonders belastet.</p>
<p>Gewiß haben auch Volker Braun oder Christa Wolf nach 1989 Angriffe ertragen müssen. Doch waren sie, anders als Kant, weder in der Volkskammer noch Mitglied im ZK der SED, und schon gar nicht mußten sie im Schriftstellerverband taktieren. Kant aber hat all dies geleistet, und so geriet er aus dem Zentrum des literarischen Lebens an dessen Rand. Das kennzeichnet auch die letzten beiden Erzählungen des Bandes.</p>
<p>Buchstäblich am Rand, nämlich an dem eines Sportfelds, steht der Ich-Erzähler von „Der Mann von Frau Lot“, der als Ordner bei einem entscheidenden Fußballspiel die Zuschauer beobachten muß. Das eigentliche Geschehen, nämlich das Spiel, im Rücken, gerät er ins Zentrum einer komplizierten Konstellation von Blicken: Er sieht die Zuschauer, doch eine Kamera kontrolliert ihn, ob er den unzähligen Anweisungen folgt, die auf eine totale Unterdrückung jeder körperlichen Regung zielen und deren jede beachtet werden muß, soll die Tätigkeit bezahlt werden.</p>
<p>Soziale Kontrolle gab es auch in der vorsozialistischen Gesellschaft. Die Familienensembles in „Krönungstag“ oder „Frau Persokeit“ zeugen davon. Doch gab es damals noch Verwandte oder Freunde. Im siegreichen Kapitalismus herrscht dagegen weitgehende Vereinzelung. Der namenlose Ordner, der ebenso namenlose Schriftsteller in der abschließenden Erzählung „Patchwork“ müssen sich mit den Hindernissen der neuen Zeit mehr oder weniger isoliert auseinandersetzen.</p>
<p>Die Sprache der Werke Kants in den letzten gut zwanzig Jahren vollzieht das nach. Das Wortspielerische, das stets schon angelegt war, tritt ganz in den Vordergrund, und die Handlung droht zu verschwinden. Der Umgang mit Sprache ist virtuoser denn je, und er verkommt nicht zum Selbstzweck: Fast stets erhellt die gedrechselte Formulierung einen politisch-historischen Zusammenhang.</p>
<p>Doch verlangt dies einen Leser, der Zeit mitbringt, und vor allem: einen Leser, der über historisches Hintergrundwissen verfügt. Einen der neueren Romane Kants heute einem germanistischen Universitätsseminar nahezubringen, würde ein bitteres Geschäft. So ist nach dem Hintergrund dieser literarischen Methode zu fragen.</p>
<p>An erster Stelle dürfte Vergnügen stehen – das Vergnügen des Autors an seinen Konstruktionen, das Vergnügen des geduldigen Lesers am Nachvollzug. Ungeduldige Leser sind zumindest für die umfangreichen Romane Kants nicht vorgesehen. Dabei handelt es sich kaum je um Kunstfertigkeit um ihrer selbst willen: Fast auf jeder Seite ist das Geschilderte repräsentativ für gesellschaftliche Konflikte, und nicht selten handelt es sich um Konflikte, die tödlich enden können.</p>
<p>So liegt der Gedanke nahe, daß es sich bei der durchgehend ironischen Haltung, die sich mehr und mehr in der sprachlichen Einzelheit zeigt, um ein Mittel der Distanznahme handelt. Gerade weil die meisten Hauptpersonen dem Autor so nahe sind, müssen sie literarisch in die Ferne gerückt werden. Das verhindert Selbstmitleid, wie es sich der Kriegsgefangene Niebuhr im „Aufenthalt“ beinahe Kapitel für Kapitel verbietet und wie es sich die gealterte und ins Abseits gedrängte Hauptfigur in „Okarina“ angesichts der Unbill der Gegenwart ebenfalls nicht erlaubt.</p>
<p>Hier könnte ein Moment liegen, das den Erfolg Kants bei den politisch bewußten Lesern seiner Generation begründet: Das Leid, das Deutsche im von Deutschland verschuldeten Zweiten Weltkrieg erfuhren, war sinnlich eindrucksvoller als die eigene Mitschuld, die es zu begreifen galt. Manche Mißhelligkeiten im Alltag der DDR drohten das Bewußtsein an den Rand zu drängen, welche historische Funktion der Staat besaß. Die biographischen Niederlagen nach 1989 konnten in unproduktive Verbitterung umschlagen. Gegen dies alles ist Kants Schreibweise ein wirksames Korrektiv.</p>
<p>Erkauft ist dies freilich mit einer gewissen Statik. Handlungsreich ist keiner der Romane; szenische Einfälle, Vor- und Rückblenden, die Lust an der Beschreibung entschädigen dafür. Eine Grundform von Kants Erzählen ist die anek­dotische Begebenheit, die freilich bei ihm die gattungsspezifische Knappheit verliert. Das funktioniert hervorragend, wo von Jugendzeit und Kapitalismus die Rede ist; mit ernsten Akzenten auch bei den meisten der frühen Züge der Nazidiktatur. Ebenso läßt sich damit die Zeit der DDR erfassen, mit allen ihren Widersprüchen und Konflikten, die doch bis zuletzt nicht tödlich enden mußten. Darauf beruht der Erfolg der „Aula“, und davon leben auch weite Teile des „Impressum“.</p>
<p>Ihre Grenze findet diese Methode, wo es um Krieg und den Mord an den Juden geht. Dem hat Kant Rechnung getragen; die entsprechenden Abschnitte des „Impressum“ und vor allem dann „Der Aufenthalt“ zeigen dies. Die Geschichte des Mark Niebuhr, der in wenigen Wochen Krieg und langen Jahren polnischer Gefangenschaft die eigene Verantwortung und die seiner schlimmeren Nazimittäter zu verstehen lernt, bleibt wohl Kants Hauptwerk. Der Ton des Understatement bleibt unverkennbar – was im Titel als „Aufenthalt“ angekündigt wird, ist alles andere als bequem. Auch die Kombination von vorlautem Helden und statischer Anlage – in Lager und Gefängnis dehnt sich die Zeit – ist typisch für Kant.</p>
<p>Doch führt hier die Auseinandersetzung mit den deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zu der Ambivalenz, daß einerseits Distanznahme von der eigenen Perspektive für den ehemaligen deutschen Soldaten unvermeidlich ist. Andererseits ist die naßforsche Schnoddrigkeit, die Niebuhr mehr als einmal rettet, mehr als einmal peinlich. Den Erzähler überkommt nachträglich Scham, die Leser sogleich.</p>
<p>Mit dem Roman (1983 unter der Regie von Frank Beyer von der DEFA verfilmt) stellte Kant Juden als Opfergruppe der faschistischen Herrschaft in den Mittelpunkt; ein Beleg dafür, daß die Wahrnehmung in der DDR keineswegs auf den kommunistischen Widerstand begrenzt war.</p>
<p>Die Zeit nach 1989 erscheint bei Kant als Zerfall. Dies hat ebenfalls einen Bezug zur Biographie; der Autor verlor seine gesellschaftliche Position, siedelte 1994 aus dem Zentrum Berlin nach Prälank in Mecklenburg über. Die neueren Werke, soweit sie die Gegenwart behandeln, behandeln sie als Zeit individueller Mühe unter absurden Verhältnissen. Eine Post zu besuchen („Patchwork“), ohne viel Geld die eigene Behausung zu heizen („Okarina“) – das sind Aufgaben, die unter Marktverhältnissen unendlich viel Mühe kosten, verfügt man nicht etwa über die Summen, die man mit einer neuen Heizung erst zu sparen hofft. Auch darüber läßt sich scherzen, und Kant tut das gerne. Doch geraten die Sprachspiele zunehmend selbstbezüglich in einer Gesellschaft, die die Menschen im Ernst vereinzelt.</p>
<p>Eine Kommunikationsform, die immerhin geblieben ist, ist der juristische Schriftsatz. Die Hauptfigur in „Okarina“ reflektiert darüber, daß das vereinte Deutschland kein Vaterland wurde, weil es zum unaufhörlichen Prozessieren zwang. Tatsächlich kann man ja den Siegern dankbar sein, daß sie nach 1989 ihrer Verfolgungslust freien Lauf und den Verlierern keine Chance ließen. Verständlich auch, daß die Verfolgten auf derlei historische Sinngebungen wenig Lust haben und lieber unverfolgt geblieben wären.</p>
<p>Kant blieb es nicht. Nach 1989 begleiteten ihn Verleumdungen, die seine Tätigkeit beim Schriftstellerverband entstellten; auch er hatte zu prozessieren. Karl Corino, im Nebenberuf Literaturredakteur beim Hessischen Rundfunk und hauptberuflich Rächer der sich unterdrückt fühlenden DDR-Opfer, gab 1995 einen ganzen Band mit Akten des Ministeriums für Staatssicherheit zu Kant heraus, die diesen als „IM Martin“ entlarven sollten. Heute ist das Buch, das im Dokumentationsteil durch Abwesenheit jeglicher Quellenkritik glänzt, ein Dokument für die hysterische Jagdstimmung jener Jahre. In der Einleitung mochte sich Corino nicht entscheiden, ob Kant als ideologischer Scharfmacher allseits gefürchtet wurde oder ob er die Leute, die ihm vertrauensvoll ihre wahre Meinung erzählten, an die Staatssicherheit verriet. Sicherheitshalber behauptet er beides und blamiert sich damit.</p>
<p>Derlei Dämonisierungen hatten ihre lustigen Folgen: „Ich hab’ Angst vor diesem Mann, der ist heute noch gefährlich“, fürchtete sich 1991 der Schweizer Germanist Peter von Matt im Literarischen Quartett. „Aber schreiben kann er“, meinte dazu Marcel Reich-Ranicki. Letzteres immerhin mag auch heute als Geburtstagsgruß gelten.</p>
<p><strong>Kai Köhler ist Literaturwissenschaftler; er promovierte über die Marburger Germanistik im Faschismus und lebt als Publizist in Berlin</strong></p>
<p><strong>Mit freundlicher Genehmigung des Autors.</strong></p>
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		<title>Zwischenräume</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2010/11/zwischenraume/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 13:26:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Neue Eigentlichkeit eG präsentiert am 14. November die Kurzfilmkompilation „Zwischenräume“ im Haus Steinstraße
Die junge Leipziger Kulturgenossenschaft „Neue Eigentlichkeit eG“ nimmt mit einem eigenen Beitrag am Jahresthema des Hauses Steinstraße teil. Einen ganzen Tag lang dreht sich am 14. November dort alles um das Schweben zwischen zwei Zuständen. „Zwischenräume“ entstehen <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2010/11/zwischenraume/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Neue Eigentlichkeit eG präsentiert am 14. November die Kurzfilmkompilation „Zwischenräume“ im Haus Steinstraße</strong></p>
<p>Die junge Leipziger Kulturgenossenschaft „Neue Eigentlichkeit eG“ nimmt mit einem eigenen Beitrag am Jahresthema des Hauses Steinstraße teil. Einen ganzen Tag lang dreht sich am 14. November dort alles um das Schweben zwischen zwei Zuständen. „Zwischenräume“ entstehen im Kern des Umbruchs, sie sind die Ruhe vor dem Sturm, sind der erste Atemzug nach der Ankunft, das Warten auf das Neue. Sie schaffen Vorfreude oder machen Angst. Die gleichnamige Kurzfilmkompilation folgt Menschen in jene stillen Momente, in denen das Gestern schon entschwunden und das Morgen noch nicht zu sehen ist.</p>
<p><strong>Abhaun! (Kurz-Spielfilm/DE/2004/9&#8242;)<br />
</strong>Irgendwo in der ostdeutschen Provinz sitzt Nico an der Bushaltestelle. Er hat eine neue Arbeit im Westen gefunden und wartet auf den Bus.<br />
Regie: Christoph Wermke</p>
<p><strong>Schafskälte (Kurz-Dokumentarfilm/DE/2007/44&#8242;)</strong><br />
Die Geschwister Ferdinand, Renate und Peter sind im „Hintertal“, einem vom Tourismus weitgehend unbeachteten, österreichischen Bergtal, aufgewachsen. Die Liebe zu Tieren, Berggipfeln und überhaupt der Natur hält Ferdinand und Renate davon ab, dem harten Bergbauernleben den Rücken zu kehren. Peter dagegen ist ins Tal gezogen. Seine Liebe gilt seiner Freundin und seinem getunten Golf VR6. Schafskälte ist ein Film über drei junge Erwachsene, die sich irgendwo zwischen Stall und Diskothek auf die Identitätssuche begeben und kleine Botschaften mit der Bitte nach Horizonterweiterung in die Luft steigen lassen.<br />
Regie: August Pflugfelder</p>
<p><strong>PAUSE UND GESANG</strong><br />
Steel Homes (Kurz-Dokumentarfilm/GB/2008/10&#8242;)<br />
Eine lyrische Entdeckung von Erinnerung und Vergessen. Der Film porträtiert das Leben mit Übergangscontainern.<br />
Regie: Eva Weber</p>
<p><strong>Wolfen &#8211; Nord (Experimentalfilm/DE/2005/18&#8242;)</strong><br />
An einem verstörend schönen Tag beginnt ein Spaziergang durch eine Neubausiedlung in Wolfen. An die vielen Menschen der Vergangenheit erinnern nur noch die Fassaden. Lebt diese Stadt noch? Befindet sie sich kurz vorm Untergang? Die Kamera durchsucht den Zwischenraum am Ende einer Siedlungsepoche.<br />
Regie: Hagen Wiel , Robert Beske</p>
<p><strong>Ab morgen glücklich! (Kurz-Spielfilm/DE/2007/15&#8242;)</strong><br />
Max (Constantin von Jascheroff) hat sein Leben lang bekommen, was er wollte, einschließlich all der Liebe, die sich ein Kind nur wünschen kann. Dennoch ist Max ganz anders geworden als seine Eltern sich das vorgestellt haben. Er kifft viel, ist unzufrieden und verhält sich ihnen gegenüber recht aggressiv. Als Max vergisst, seine kleine Schwester von der Schule abzuholen und diese plötzlich verschwunden ist, eskaliert die Situation.<br />
Regie: Bastian Terhorst</p>
<p>Eintritt: frei<br />
14. November 2010<br />
Beginn: 19 Uhr</p>
<p>DachTheater Leipzig<br />
Haus Steinstraße<br />
Steinstraße 18<br />
4275 Leipzig</p>
<p>Die Neue Eigentlichkeit eG ging aus dem ehemaligen DachKino im Haus Steinstraße e.V. hervor und bereichert seit zwei Jahren die Kulturlandschaft Leipzigs durch Filmvorführungen jenseits des Mainstreams und neue Galeriekonzepte. Weitere Informationen finden sich unter <a href="http://www.neue-eigentlichkeit.de/">www.neue-eigentlichkeit.de</a>.</p>
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		<title>„Dem Ersten gebührt der Ruhm, …“</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Oct 2010 10:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Peter Porsch


Es ist hier und heute der Anfang eines politischen Weges zu feiern, den viele der Anwesenden in unterschiedlichen und wechselnden Funktionen gemeinsam gegangen sind und auf dem andere auf verschiedenen Streckenteilen des Weges zu uns gestoßen sind. Manche haben uns für immer verlassen. Der Tod gehört zum Leben. Sie <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2010/10/%e2%80%9edem-ersten-gebuhrt-der-ruhm-%e2%80%a6%e2%80%9c/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong>Von Peter Porsch</strong></div>
<p><!--end meta--></p>
<div>
<p>Es ist hier und heute der Anfang eines politischen Weges zu feiern, den viele der Anwesenden in unterschiedlichen und wechselnden Funktionen gemeinsam gegangen sind und auf dem andere auf verschiedenen Streckenteilen des Weges zu uns gestoßen sind. Manche haben uns für immer verlassen. Der Tod gehört zum Leben. Sie sollten aber gerade heute nicht vergessen sein</p>
<p>Ich war beim Anfang mit dabei, bin 19 Jahre mitgegangen, habe 13 Jahre davon das Steuer der Fraktion bedient, insgesamt 10 Jahre das des Landesverbandes, natürlich nicht ohne fleißige Orientierungshilfe von Kartenleserinnen und -lesern, natürlich nicht ohne die Unterstützung vieler Hände, die auch schon mal ins Steuer griffen, wenn sie es denn für nötig erachteten. Dass das manchmal auch die Zielstrebigkeit des Kurses in Schlingerbewegungen verwandeln konnte, wissen wir alle. Es waren ja auch auf dem Weg oft erst Ziel und der Weg selbst zu bestimmen. Eines ist aber auch klar: Wir alle zusammen sind nie so sehr vom Kurs abgekommen, dass wir den richtigen Weg so weit verließen, dass wir abstürzten oder uns so verirrten, dass wir nicht zum rechten linken Weg wieder zurück gefunden hätten.</p>
<p>Ich selbst gehöre heute zu den Veteranen. Ich habe los gelassen, bevor meine Hände zu zittern beginnen. Ich bin für Rente spätestens mit 65 und wollte gerade mich nicht davon ausnehmen. Vergessen will ich die Zeit aber auch nicht, die immerhin fast ein Drittel meines bisherigen Lebens ausgemacht und bestimmt hat. Folgerichtig bleibe ich deshalb außerhalb jeder Funktion für unsere Partei aktiv. Und folgerichtig bin ich deshalb übrigens auch in den Veteranenverein des Landtages eingetreten: in den „Verein ehemaliger Mitglieder des Sächsischen Landtages“.</p>
<p>Dieser Verein schickte mir unlängst eine Glückwunschkarte zu meinem 66. Geburtstag, auf der z.T. Erstaunliches zu lesen war. Z.B. lobte man mich im Anschluss an ein Zitat von Ludwig Ehrhard, in dem dieser meint, dass Wohlstand schwerer zu bewahren sei als ihn zu erwerben. Man lobte mich „als ehemaliges MdL für unser Land, auf der Basis einer freiheitlich demokratischen Grundordnung, wegweisend hierfür, die Grundsteine mit gelegt“ zu haben, dass dies gelingt. Spät lobt Ihr, doch Ihr lobt, möchte man sagen. Dann steht aber doch der künftigen Hochachtung aller Demokratinnen und Demokraten im Landtag für unsere Fraktion und vor allem ihre Anträge nichts mehr im Wege. Haben wir diese Achtung ohnehin schon längst verdient, können wir sie jetzt zumindest mit der Autorität ehemaliger Mitglieder des Landtages einfordern. Ist doch was! Es würde auch endlich das „Nehmet einander an“ des Gottesdienstes vor der allerersten Landtagssitzung 1990 realisieren. Also: Ein wirklich schönes Geschenk die Karte. Sozusagen ein Sechser von den zweien bei 66.</p>
<p>Ich möchte aber zu Wichtigerem kommen und ein ebenfalls auf der Karte vermerktes arabisches Sprichwort herausheben. Es lautet: „Dem Ersten gebührt der Ruhm, auch wenn die Nachfolger es besser gemacht haben.“</p>
<p>Nun kennen wir ja die Ruhmesreden für die Ersten anlässlich solcher Feierlichkeiten wie der heutigen. Besser aber noch sind die Geschichten über die Pionier- und Heldentaten, die sich die Ersten dann bei Speis und Trank in kaum enden wollender Folge, mit viel Halloh und Schulterklopfen erzählen. Das wird heute nicht anders sein und ich werde wacker mitmachen, weshalb ich jetzt auch nichts vorweg nehmen will. Ich will vielmehr dem Sprichwort anders als üblich folgend fragen, ob und wie die Nachfolger es besser gemacht haben bzw. besser machen können.</p>
<p>Um es gleich vorweg zu nehmen: <strong>Sie haben! Sie können! </strong>Naja, und sie müssen wohl auch.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Es gab und gibt für sie wie für uns Erfolge und Misserfolge. Erfolge, wenn wir uns des Lebens der Menschen annehmen und die Vielfalt unserer Talente und Potentiale zur Wirkung bringen; Misserfolge, wenn wir uns selbst am wichtigsten scheinen.</p>
<p>Wir Ersten begannen neu mit der Quittung über eine im wesentlichen selbstverschuldete, in ihrem Ausmaß zuvor unvorstellbare Niederlage. Und es war nicht abwegig, diese Niederlage vielleicht gar als eine endgültige zu betrachten. Wir wollten das aber nicht und wir waren überzeugt davon, dass diese Niederlage nicht das letzte Wort über die Gesellschaftsfähigkeit und die Geschichtsfähigkeit sozialistischer Gesellschaftskonzeptionen war. Das Leben seither hat uns bestätigt, dass es ohne sie nicht gehen wird. Und nicht nur wir sind überzeugt davon, sondern auch etwa ein Fünftel bis Viertel der Wählerschaft und sicher mehr noch in der Gesellschaft. Dies vor allem im Osten Deutschlands, aber mit der Gründung der Partei DIE LINKE zeigt sich, dass man sich auch im Westen mit stabilen parlamentarischen Anteilen von 5% aufwärts bis zwischen 10% bis 15%  von uns in seinen Interessen vertreten fühlt</p>
<p>Was jetzt durchaus als Erfolgsmeldung gewertet werden darf, ist jedoch zugleich eine Problemmeldung. Weniger dialektisch geht es halt in der Welt nicht zu. Problematisierend müsste man schon darüber reden, warum wir zwar prozentual lange zulegten, oft aber nicht mehr in absoluten Zahlen, und warum trotz unseres prozentualen Zuwachses und einer gewissen Stabilität, die Welt deshalb nicht unbedingt besser geworden ist.</p>
<p>Man muss auch deshalb problematisierend darüber reden, weil wir feststellen müssen, dass unserem Wachstum zumindest momentan Grenzen gesetzt sind, die insoweit bei uns selbst ihre Ursachen haben, als wir vielleicht nicht ausreichend zur Kenntnis nehmen, dass sich in der Gesellschaft Veränderungen vollziehen bezüglich der Problemlagen, bezüglich der Wahrnehmung von Problemlagen, bezüglich ihrer Erklärung und bezüglich von Lösungsansätzen und Widerstand.</p>
<p>Was die Menschen bewegt, ganz unterschiedlich bewegt und beschäftigt wird immer mehr, vielfältiger und komplizierter – von „A“ wie „Anhebung des Renteneintrittsalters“ bis „Z“ wie „Zuwanderung“; dazwischen „B“ wie „Bildung“ oder „H“ wie „Hartz-IV“, „I“ wie Islam, „K“ wie „Krise“, „Krieg“ und „Kürzung“ bzw. plötzlich wieder „W“ wie „Wirtschaftswachstum“. Die Medien zerreden mehr, als dass sie Orientierungshilfe geben. Verwertbare Information verschwindet in einer Flutwelle von Nachrichten und Talk-Show-Gelabere. Politik ähnelt in den Medien Gladiatorenkämpfen.</p>
<p>Festzustellen, dass so etwas auch die Stunde von Demagogen, Vereinfachern und so genannten „Starken Männern“ oder „Starken Frauen“ ist, reicht eben so wenig, wie uns all zu viel Euphorie über neue Formen demokratischer Beteiligung im Protest und sichtbaren Widerstand in dieser sich verändernden Welt weiterbringen.</p>
<p>Wenn aus Letzterem z.B. zuallererst die Grünen politische Vorteile erlangen, macht mich das natürlich neidisch. Wenn medial erklärt wird, dass sie keine linke Partei mehr sind – jedenfalls nicht im Sinne ihrer ersten Jahre – beruhigt mich das nur teilweise. Ja, sie wabbeln zwischen allen Lagern hin und her. Sie sind aber immerhin dabei, wenn die Politik aus den durchaus demokratisch und rechtsstaatlich legitimierten Räumen hinter verschlossenen Türen hervor geholt wird. Da können wir durchaus noch lernen. Da besteht Gemeinsamkeit zwischen uns. Mitbestimmung braucht Mitwissen – unabdingbar!</p>
<p>Wulff Gallert hat am Wochenende auf dem Parteitag in Sachsen-Anhalt erklärt: „Wir wissen, was in diesem Land los ist, wo die Leute der Schuh drückt.“ Das mag ja stimmen. Aber wissen ausreichend und vor allem in wachsender Zahl Leute auch, dass wir das wissen und dass wir die richtigen politischen Konzepte dafür haben, zu ändern, was geändert werden muss? Man kann das auch anders sagen: Schenken uns genügend Leute und in wachsender Zahl auch ihr Vertrauen, so dass wir die notwendigen Änderungen herbei führen können?</p>
<p>In Sachsen-Anhalt sieht es da gut aus, insgesamt sehe ich aber eine bedrohliche Entwicklung – in Deutschland und in Europa. Beträchtliche Wählerschichten gehen erstens nach rechts – Lega Nord, de Vlaamske Block, FPÖ sind die bekanntesten und erfolgreichsten Beispiele dafür.</p>
<p>Und zweitens verabschieden sich zu viele Menschen aus den Wählerschichten und bleiben bei Wahlen zu Hause. Beides kann uns nicht bloß bedrücken, beides spricht auch gegen uns und muss uns alarmieren.</p>
<p>Wir in Deutschland haben bisher ja eigentlich noch Glück. Wir haben eine NDP, die so offen und dumm faschistisch und nationalsozialistisch auftritt, die kackebraun derart abstoßend wirkt, dass ihre Anhänger- und Wählerschaft schon dadurch begrenzt bleibt. Natürlich muss man sie dennoch bekämpfen – kompromisslos – und die LINKE gewinnt dabei an Profil, Zustimmung und Zuwendung. Die eigentliche Gefahr hat aber noch ganz andere Seiten: Parteien, wie die vorhin genannten haben zwar in ihren Führungen durchaus braune Gesellen. Ihre Konzeptionen sind inhumane und faschistische, ihre Kostüme sind aber nicht braun. Sie treten im weißen Hemd auf. Sie formieren sich als die Sachwalter der alltäglichen Probleme der Menschen und sie bieten die einfachen Lösungen. Das heißt, sie werden wahrgenommen, als wären sie beim Volk und in gewisser Weise sind sie es auch, und sie machen so faschistische und rassistische, undemokratische, autoritäre Konzepte gesellschaftsfähig, verfestigen sie in der Mitte der Gesellschaft. Die Medien haben sie reingeholt und reingelassen in die Mitte. Man duldet sie dort. Sie sind koalitions- und regierungsfähig.</p>
<p>Man muss einen FPÖ-Straché gesehen haben, wie er wirkt, in der Dämmerung bei einer Protestaktion gegen die Errichtung eines muslimischen Bethauses, mit dem Kreuz in der Hand an der Spitze des Protestes. Und das in einem Wiener Stadtbezirk, der bis in die 90er Jahre rot war, rot wie sozialdemokratisch und rot wie kommunistisch. Ich bin dort groß geworden – übrigens unbehindert damals als Katholik.</p>
<p>Abstoßend ist das für uns und andere, Zuwendung bringt es dennoch bei nicht wenigen hervor. Und Zuwendung verwandelt sich in politischen Einfluss.</p>
<p>Sage jetzt keine und keiner, davor wären wir in Deutschland gefeit. Allein die dumpf-braune Blödheit der NPD wird uns davor nicht retten. Andere stehen auf der Matte. Sie heißen z.B. Sarrazin oder Steinbach. Sie entfalten Wirkung. Um dies zu verhindern, genügt es aber nicht, sie so zusagen in ihrer faschistoiden Alltäglichkeit, in ihrem biologistischen Menschenbild und in ihrem nationalistischen Habitus zu entlarven, indem man sie dessen beschuldigt. Die Beispiele zeigen, dass sie das nicht kratzt und jene, die Hoffnung in sie setzen, auch nicht. Im Gegenteil – wir erleben es ja gerade – es macht sie noch interessanter.</p>
<p>Sie sprechen Dinge an und aus, die viele Menschen aus ihren Lebensumständen heraus für wahr halten, auch wenn sie falsch und brandgefährlich sind. Da nutzt es aber nichts, die Menschen für dumm zu erklären und die Demagogen und Brandstifter als solche zu bezeichnen. Man muss schon tiefer gehen. Wir müssen nicht nur rational rauskriegen, warum so viele Menschen in Deutschland z.B. bei Sarrazin die Wahrheit vermuten, wir müssen auch emotional verstehen lernen, warum das so ist, um dann dem Spuk entgegen zu treten. Allein die Sache für brandgefährlichen, aber letztlich doch nur für Humbug zu erklären, reicht nicht.</p>
<p>Ich kann es auch anders sagen: Man muss ja vielleicht Sarrazin nicht gleich einladen und ihn vielleicht so noch aufwerten. Ernsthaft auseinandersetzen muss man sich aber nicht nur mit seinen Aussagen, sondern vor allem mit seiner Wirkung. Dagegen zu halten bleibt dann immer noch schwer genug.</p>
<p>Es waren nicht wenige Genossinnen und Genossen, Sympathisantinnen und Sympathisanten, die mir in den letzten Wochen erklärten, sie hätten das Buch von Sarrazin gelesen und er sage doch die Wahrheit. Dem kann man nicht bloß akademisch im schlechten Sinn intellektueller Distanz begegnen. Das braucht Kollision vor aller Augen und ist dann akademisch im richtigen Sinn, weil Theorie und Praxis verbindend, und es ist erst so auch politisch.</p>
<p>Ich meine, wir haben noch einige Tabus zu viel. Wenn ich z.B. vorhin den Namen Steinbach genannt habe, so lauert da auch ein solches. Warum haben wir eigentlich jene, die im Gefolge des 2. Weltkrieges ihre Heimat verloren haben, den Revanchisten überlassen und tun es im Grunde auch heute noch. Sie traf ein besonders hartes Schicksal, in der Kriegsschuld der Deutschen begründet, und sie haben darunter besonders schwer gelitten und leiden immer noch. Wenn sie auch kein Recht auf Rückkehr haben, so haben sie doch ein Recht auf Erinnerung und ein Recht auf Pflege und Erhalt ihrer Kultur. Das trifft auch auf ihre Nachfahren zu. Wir sollten das anerkennen und mit befördern. Dann haben Missbrauch und revanchistische Ansprüche Berufsvertriebener weniger Chancen. Mit der Zuwendung zu den so genannten Spätaussiedlern aus Russland setzt die Fraktion übrigens ein wichtiges Zeichen.</p>
<p>Als vor fünf Jahren die FPÖ in der österreichischen Steiermark heillos verstritten war, kam die KPÖ als drittstärkste Kraft mit vier Sitzen und als Zünglein an der Waage in den Landtag. Die FPÖ blieb draußen. Bei den Wahlen vor drei Wochen wurde die KPÖ schwächste Fraktion mit noch zwei Sitzen und die FPÖ errang ein Viertel der Stimmenanteile und regiert jetzt auf Grund eines Proporzsystems mit. Alles bei einer Wahlbeteiligung, die die Nichtwählerinnen und -wähler zur stärksten und zugleich hilflosesten „Kraft“ im Lande machte. Trotzdem stimmt, was die Spitzenkandidatin der KPÖ gesagt hat: Geschwächt kann der Einfluss dieser Brunnenvergifter nur werden, wenn die KPÖ sich mit ihren Aussagen auseinandersetzt und zwar so, dass die Bevölkerung merkt, dass man sie mit ihren Nöten und Ängsten nicht allein lässt, dass man diese nicht besserwisserisch abtut, sondern ernst nimmt und dies in praktische Politik verwandelt. Man geht in die Zentren der Konflikte, arbeitet an Lösungen und zeigt, dass nicht die alltäglichen Streitereien zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen und Religionen die Grundlage von sozialem Elend sind, sondern die sozialen Ungerechtigkeiten einer kapitalistischen Welt.</p>
<p>Ich glaube, wir beschäftigen uns derzeit bis in die Kreis- und Basisorganisation hinein zu sehr mit uns selbst. Wenn ein Genosse für den Vorsitz eines Kreisvorstandes mit einem Konzept kandidiert, das den Umgang miteinander im Vorstand regeln soll, statt mit einem Konzept, wie man sich politisch auf Kreisebene und mit den Mitteln einer Kreisorganisation einmischt und Wirkung erzielt, so ist das mehr als ein Symptom für Unzulänglichkeit. Und wenn ich in der Diskussion um das Parteiprogramm höre, der Entwurf sei gut, weil er ein guter Kompromiss zwischen den verschiedenen Strömungen in der Partei sei, so beunruhigt mich das. Für wen machen wir eigentlich ein Programm und was wollen wir damit auslösen?</p>
<p>Im Kopf der besagten Glückwunschkarte des Vereins der ehemaligen Mitglieder des Landtages steht: „2010, das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung.“ Ebenfalls bemerkenswert, denn in diesem Verein sind die Mehrheitsverhältnisse nicht anders als in den bisherigen Landtagen. Das ist der zweite Sechser für meine 66. Etwas ganz Seltenes. Für uns LINKE jedoch ist jedes Jahr ein solches Jahr, jeder Tag ein solcher Tag und nur Erfolge in diesem Kampf sind wirklich Erfolge.</p>
<p>In zwanzig Jahren bin ich 86. Wenn ich dann hierher komme zum 40. Jahrestag des Anfangs und der Ersten werden die dann Verantwortlichen mit mir etwas lauter sprechen müssen, weil ich heute schon nicht mehr so gut höre, sie sollen mir aber auch sagen können, dass sie es schon wieder besser gemacht haben als die vor ihnen. Und ich will tagtäglich erleben, dass das stimmt. Denn die vermutlich letzten 20 Jahre, die ich dann noch bis zu meinem 106. Geburtstag habe, könnten ruhig mal richtig sozialistische sein – gerecht, mit angemessenem Wohlstand und voller Heiterkeit wie bisher.</p>
<p>Was ich aber heute gesagt habe, habe ich auch für die anwesenden Vertreter von SPD und Bündnis 90/Die Grünen gesagt!</p>
<p><em>Rede bei der Fraktion DIE LINKE anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der Fraktion Linke-Liste/PDS im 1. Sächsichen Landtag, Dresden 26.10.10</em></p>
<p><strong>Quelle:</strong> <a href="http://www.Peter-Porsch.de"><strong>www.Peter-Porsch.de</strong></a></p>
</div>
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		<title>&#8230; zwanzig Jahre später</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2010/09/zwanzig-jahre-spater/</link>
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		<pubDate>Sat, 18 Sep 2010 07:13:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zustellung eines Eilbriefes zwanzig Jahre später oder zwei Arten zu singen
Vielleicht kennt ihn nicht mehr jede und jeder, den Otto Reutter, der seine Couplets in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts sang. Eines hatte den Titel „Zwanzig Jahre später“ und wollte uns launig beibringen, dass sich die wahren Verhältnisse eben <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2010/09/zwanzig-jahre-spater/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zustellung eines Eilbriefes zwanzig Jahre später oder zwei Arten zu singen</strong></p>
<p>Vielleicht kennt ihn nicht mehr jede und jeder, den Otto Reutter, der seine Couplets in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts sang. Eines hatte den Titel „Zwanzig Jahre später“ und wollte uns launig beibringen, dass sich die wahren Verhältnisse eben immer erst zwanzig Jahre später herausstellen; und auch ein Eilbrief manchmal erst nach dieser Zeit seinen Adressaten oder seine Adressatin erreicht.</p>
<p>Zwanzig Jahre später kann manchmal auch vierzig Jahre später sein. Das war vielleicht mit der DDR so. Ich erinnere mich noch sehr gut des zwanzigsten Jahrestages dieses Landes. Um ihn gebührend zu würdigen, lachte uns ein hübsches Mädchen von den Plakaten an. „Ich bin zwanzig“ wurde uns vermeldet. Die Republik und das Mädchen waren es und beide wollten die Kraft und Schönheit der Jugend für sich in Anspruch nehmen und geliebt werden. Zwanzig Jahre später kam es jedoch noch schlimmer als bei Otto Reutter. Der riet allen frisch Verliebten, sich die Mutter der Begehrten anzusehen, um zu ahnen, was sie zwanzig Jahre später erwarten könnte. Solches ist aus heutiger Sicht politisch natürlich nicht korrekt. Mit der DDR kam es jedoch ohnehin ganz anders. Zwanzig Jahre später, also zum vierzigsten Jahrestag, stellte sich das junge Mädchen als Fälschung heraus. Wir begegneten gar keiner reifer gewordenen Frau, sondern einem überalterten Männerzirkel, der sich Politbüro nannte und der seine Altersleiden auf die von ihm verwaltete Republik übertragen hatte. Der Tod kam recht plötzlich. Trauer ist verständlich. Rückgängig ist nichts mehr zu machen. Aber es gab ja ein Neugeborenes – das vereinigte Deutschland.</p>
<p>Sozusagen als Eilbrief trat es in die Geschichte ein. Es konnte vielen nicht schnell genug gehen, der Brief mit der Geburtsanzeige war hurtig geschrieben, Marke drauf, ab zur Post. Die Menschen warteten auf die Nachricht. In der Eile war nicht genau zu erkunden, was denn noch so alles in diesem Brief drin stand. Erfreuliches? Unerfreuliches? So schnell war das auch nicht heraus zu bekommen. Der Brief wurde nicht sofort zugestellt, jedenfalls nicht als Ganzes. Anstelle des kompletten Briefes gleich, gab es nur Versprechen über gute Nachricht, zum Beispiel über blühende Landschaften. Jetzt aber, zwanzig Jahre später, ist der Brief endgültig und vollständig angekommen.</p>
<p>Ist ja gar nicht alles schlecht, was drin steht: Die Welt steht uns offen, ist die gute Nachricht. Natürlich nur, wenn man das Geld dafür hat, ist die schlechte Nachricht. Wir haben eine soziale Marktwirtschaft, ist die gute Nachricht. Sozial ist aber nur möglich, wenn der Markt dies hergibt bzw. die am Markt es hergeben wollen, ist die schlechte Nachricht. Unsere Städte und Dörfer ziert ein freundliches Gesicht und in der DDR verfallene Bausubstanz ist saniert und bewohnbar gemacht, ist die gute Nachricht. Wohnen kann darin aber nur mehr der und die, die das viele Geld dafür aufbringen können, ist die schlechte Nachricht. Wir haben eine moderne Medizin mit guten Apparaten und vorzüglichen Arzeneien, ist die gute Nachricht. Alles ist aber so teuer, dass sich das immer weniger noch leisten können, ist die schlechte Nachricht usw. usw. Und es gibt auch schlechte Nachrichten ohne gute Nachrichten als Ausgleich: Kriege kann man wieder führen – in Jugoslawien, in Afghanistan und auch heimlich anderswo. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Neid bringt da nichts, steht im Brief, gehört sich nicht – jedenfalls nicht für die unten. Die oben dürfen natürlich schon peinlich darauf achten, dass da unten niemand zu viel bekommt. Die Jugend aber schaut optimistisch in die Zukunft. Naja, nicht die gesamte. Die aus einkommensschwachen Schichten, die aus sozial prekären Gruppen, die, die halt nicht viel haben und nicht selten auch einfach zu wenig, die trüben dieses hoffnungsvolle Bild. Wer betuchte Eltern hat, dem oder der wird es aber gut gehen. Ist doch wiederum eine gute Nachricht! „Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden“ (Matthäus 25,29). Das ist christlich. Das ist sozial.</p>
<p>Es waren offensichtlich zwei Briefe, die vor zwanzig Jahren geschrieben wurden. Einer für jene, die haben, und einer an jene, die halt nicht haben. Für Letztere bleibt allein der von Otto Reutter gesungene Trost: „In fünfzig Jahren ist alles vorbei!“</p>
<p>Aber Moment! Da irrt der Sänger: Er hat es vor mittlerweile neunzig Jahren gesungen und es ist dennoch alles beim Alten geblieben. Hierzulande zwar mit einer Unterbrechung von vierzig Jahren, die aber bei aller Hoffnung nicht die Lösung brachte. Es bleibt nichts übrig. Wir singen weiter „Wacht auf Verdammte dieser Erde …“</p>
<p><em>Quelle: </em><a href="http://www.peter-porsch.de"><em>www.peter-porsch.de</em></a><br />
<strong>Mit freundlicher Genehmigung des Autors.</strong></p>
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		<title>Von neuen Rechenkünstlern im Land des Adam Ries</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2010/08/von-neuen-rechenkunstlern-im-land-des-adam-ries/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 11:41:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>max-stirner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Peter Porsch
Wenn der bekannte Rechenmeister Adam Ries 1492 oder 1493 auch nicht in Sachsen geboren wurde, so wirkte er doch seit 1522 in Annaberg im Erzgebirge. Es ist also berechtigt, Sachsen als das „Land des Adam Ries“ zu bezeichnen. Er wandte sich ab von den unpraktischen römischen Zahlen und <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2010/08/von-neuen-rechenkunstlern-im-land-des-adam-ries/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><em>Von Peter Porsch</em></div>
<div id="attachment_1527" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2010/08/pp1.jpg"><img class="size-full wp-image-1527" title="Peter Porsch" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2010/08/pp1.jpg" alt="Foto: www.peter-porsch.de" width="300" height="136" /></a><p class="wp-caption-text">Peter Porsch</p></div>
<p>Wenn der bekannte Rechenmeister Adam Ries 1492 oder 1493 auch nicht in Sachsen geboren wurde, so wirkte er doch seit 1522 in Annaberg im Erzgebirge. Es ist also berechtigt, Sachsen als das „Land des Adam Ries“ zu bezeichnen. Er wandte sich ab von den unpraktischen römischen Zahlen und lehrte auf deutsch mit den arabischen Ziffern und vor allem auch mit der Null zu rechnen. 20.000 Nachkommen des Mannes, so meint der Adam-Ries-Bund, gibt es heute. Mag sein, es sind auch welche aus der Sächsischen Staatskanzlei, dem Finanzministerium und der CDU-Fraktion darunter. Die Vermutung kommt auf, wenn man einigen neuen Rechenkünsten im Freistaat auf die Spur kommt. Von der Nähe betrachtet zeigen aber gerade diese Rechenkünste, dass die 20.000 irgendwo anders tätig sein müssen, nur nicht in den genannten Institutionen. Was von da an algebraischen Neuerungen kommt, lässt Adam Ries wohl im Grabe rotieren.</p>
<p>Nehmen wir z.B. den Haushaltsansatz für 2011/12 für die parteinahen Stiftungen zur politischen Bildung. Diesen Stiftungen sollten öffentliche Mittel „entsprechend der Sitzverteilung der hinter den Stiftungen stehenden Parteien im Sächsischen Landtag und im Deutschen Bundestag“ (Entwurf des Doppelhaushaltes 20110/12) zugewiesen werden. Abgesehen davon, dass die sich daraus ergebenden Relationen vor allem zum Vorteil von CDU und SPD nie eingehalten wurden, möchte man meinen, dass sie wenigstens bei Kürzungen zur Geltung kommen. Weit gefehlt! Die neuen Rechenkünstler kommen da zu ganz anderen Ergebnissen: Die bisher gezahlte Gesamtsumme soll um 157.000 Euro gekürzt werden. Also spitzt man den Rechenstift. Die beiden Stiftungen der SPD („Friedrich-Ebert-Stiftung“ und „Herbert-Wehner-Stiftung“) erhalten insgesamt 77.800 Euro weniger, die Stiftung „weiterdenken“ der Grünen muss mit einem Manko von 31.600 Euro auskommen, die „Wilhelm-Külz-Stiftung“ der FDP wird um sage und schreibe 200.- Euro (in Worten „zweihundert“) gebracht und die „Rosa-Luxemburg-Stiftung“ der Partei DIE LINKE um 47.900 Euro. Offen ist jetzt noch, wie viel die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung einbüßt. Da die CDU bei der letzten Landtagswahl ja wieder etwas schlechter abgeschnitten hat als zuvor, müsste es doch eine beträchtliche Summe sein – denkt man, wenn man nach Adam Ries rechnet. Modern oder „post-adam-riesisch“ rechnet man aber anders und kommt zu dem sensationellen Ergebnis, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung 86.500 Euro mehr zu bekommen hat. Was schon bei der Kürzungssumme der FDP dämmerte, wird zur Gewissheit: Vor dem Haushalt sind alle gleich, nur die Regierungsparteien sind gleicher.</p>
<p>Aber wer in die Haushaltsdebatte eintritt, sollte nicht gleich wie in Dantes Inferno alle Hoffnung fahren lassen. Die Neurechner lassen Hoffnung aufkommen. Sie haben nämlich auch eine neue Rechenart neben den bisher bekannten erfunden. Sie heißt „abwarten und prüfen“. Das geht verallgemeinert so: Man sagt zunächst die Summe verschiedener Zahlen sei Null. Also z.B. 2+3=0. Dann wartet man ab und erhöht unter dem Druck der Tatsachen die Summe vielleicht auf 4, erklärt es für vorläufig richtig und wartet ab und prüft. Mag sein, es kommt noch 5 heraus. Mag sein! Geht es um Geld kann eine solche Rechnung unter Umständen aber einen schönen Gewinn ergeben oder einen Verlust – je nachdem auf welcher Seite der Gleichung man steht. Z.B. sagt deshalb die Staatsregierung, es gibt kein Geld für Hochwasseropfer, nur Kredite – 2+3 ist also 0, könnte aber vielleicht vorläufig und zeitweilig auf 3 bis 4 gerechnet werden. Später und unter dem Zwang der Fakten bietet man für die vom Hochwasser Geschädigten 5 Millionen Euro in Partien zu je 5.000 Euro. Damit kann man – wieder nach Adam Ries – 1000 Betroffenen helfen. Zwar weiß man schon, dass es sicher mehr Geschädigte gibt und mehr Geld nötig sein wird, die Erfinder der neuen Rechenart wollen aber erst „abwarten und prüfen“. Algebraisch könnte man jetzt sagen die Größe x (die Hochwassegeschädigten) ist bekannt. Neurechnerisch kann man jedoch versuchen, uns dieses x für ein u vorzumachen, wobei u kleiner als x. Nun sage mal noch wer, in Sachsen fehle es an Erfindergeist!</p>
<p>Hier wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung des Autors.</p>
<p>Geschrieben für “Sachsens Linke”, 19.08.10<br />
Quelle: <a href="http://www.peter-porsch.de/">http://www.peter-porsch.de/</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Raus aus der Schmuddelecke</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2009/10/raus-aus-der-schmuddelecke/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 14:20:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Fleming</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Das internationale Literaturfestival Erophil präsentiert  selbstbewusst das Genre der Erotikliteratur
Erotikliteratur haftet in Deutschland – trotz der angeblichen  sexuellen Revolution im ehemaligen Westen und der weitverbreiteten  FKK-Bewegung im ehemaligen Osten – immer noch der Makel des Verruchten  an. Sie ist klassische &#8220;Bückwarequot; und findet sich bestenfalls in <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2009/10/raus-aus-der-schmuddelecke/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das internationale Literaturfestival Erophil präsentiert  selbstbewusst das Genre der Erotikliteratur</strong></p>
<p>Erotikliteratur haftet in Deutschland – trotz der angeblichen  sexuellen Revolution im ehemaligen Westen und der weitverbreiteten  FKK-Bewegung im ehemaligen Osten – immer noch der Makel des Verruchten  an. Sie ist klassische &#8220;Bückwarequot; und findet sich bestenfalls in  entlegenen, schmuddeligen Ecken von Buchhandlungen – sofern sie nicht  bereits zum Kanon der Weltliteratur zählt. Aus diesem Nischendasein will  sie Erophil, ein dreitägiges, internationales Festival für  Erotikliteratur, hinausführen. Vom 23. bis 25. Oktober 2009 präsentiert  Erophil ein umfangreiches Rahmenprogramm rund um klassische und moderne  Erotikliteratur. Hierzu gehören u.a. Lesungen, Vorführungen von  Literaturverfilmungen, eine zweitägige Fach- und Publikumsmesse sowie  eine Fachtagung. Dementsprechend erläutern die Organisatoren  selbstbewusst auf ihrer Homepage: &#8220;Mit Erophil wollen wir das Genre aus  seiner Nische führen und selbstbewusst die künstlerische Bandbreite  klassischer und moderner Erotikliteratur einem größeren Publikum  nahebringen und ihre Akzeptanz erhöhen. Wir meinen, dass sie das wert  ist. Wir bieten die Möglichkeit zu fachlichem Austausch &#8211; auch über die  Ländergrenzen hinaus.&#8221; Dabei verfolgt die Crew von Erophil, die sich aus  Lektorinnen, Kulturmanagerinnen und -journalisten zusammensetzt, eine  zweispurige Schiene – einerseits wollen sie ein öffentliches Forum für  erotische Literatur bieten, andererseits aber auch der Branche einen  Raum für Kommunikation und Networking bieten. Gerade für kleinere  Verlage bietet sich dabei auch Dank geringer Preise die Möglichkeit, an  der Messe teilzunehmen.</p>
<p>Als Veranstaltungsort haben sie sich dabei eine Mehrzweckhalle in  einem Fabrikhinterhof in Neukölln ausgewählt – in bewußter Abgrenzung  zum etablierten Literaturbetrieb. Gleichzeitig bietet die Räumlichkeit,  wie es weiterhin auf der Homepage heißt, eine kreative  Werkstattatmosphäre.</p>
<p>Weitere Informationen zum Literaturfestival: www.erophil.de  Interessierte Verlage &amp; Autoren können sich bereits als Aussteller  anmelden.</p>
<p><em>J. C. Schmidt</em></p>
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		<title>(Berlin) Ausstellung: Whaless – Moderne künstlerische Rezeption der Gefährdung von Walen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 14:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Fleming</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gefährdung von Walen ist in den letzten Jahren immer mehr aus dem  Bewußtsein der öffentlichkeit verschwunden. Katastrophen wie Tsunamies  und die ersten spürbaren Folgen des Klimawandels haben das Interesse der  öffentlichkeit abgezogen. Die gemeinsam von Giovanni Cervi und Res Pira  kurierte Gruppenausstellung &#8220;Whaleless&#8221; rückt die <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2009/04/berlin-ausstellung-whaless-%e2%80%93-moderne-kunstlerische-rezeption-der-gefahrdung-von-walen/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gefährdung von Walen ist in den letzten Jahren immer mehr aus dem  Bewußtsein der öffentlichkeit verschwunden. Katastrophen wie Tsunamies  und die ersten spürbaren Folgen des Klimawandels haben das Interesse der  öffentlichkeit abgezogen. Die gemeinsam von Giovanni Cervi und Res Pira  kurierte Gruppenausstellung &#8220;Whaleless&#8221; rückt die Situation jener Spezi  wieder ins Rampenlicht des Bewußtseins. Auf ihre Initiative in dem  italienischen Lifestyle- und Kunstmagazin PIG vor drei Jahren hin, haben  ca. 200 internationale KünstlerInnen Werke eingereicht, in denen sie  sich mit der Situation der Meeressäuger und der Verantwortung des  Menschen für ihren Schutz auseinandersetzten. Ein immer wieder  auftauchendes Thema ist dabei die alttestamentalische Geschichte von  Jonas, der im Bauch eines Wales gerettet wird. Bot der Wal Jonas Schutz  in seinem Bauch und brachte ihn wohlbehalten an Land – in einer an das  mystifizierte Bild von Mutterschaft erinnernden Darstellung – wird von  vielen KünstlerInnen die Mutterschaft explizit thematisiert und in einer  Verkehrung der biblischen Geschichte dargestellt. War es einst der Wal,  der die Rolle der Mutter übernahm, ist es nun der Mensch, der die Rolle  der schützenden Mutter einnimmt- und einnehmen muß. Dies wird z.T. sehr  plakativ umgesetzt, indem Frauen mit einem Wal an ihrer Brust  dargestellt werden – bis hin zu einem Foto von einem Mann mit einem Wal  auf dem Arm und dem Bildtitel &#8220;Jonas&#8221;.</p>
<p>Ein weiteres klassisches Thema, das häufig als Inspirationsquelle  dient, ist Herman Melvilles Roman &#8220;Moby-Dick&#8221;, dem sich u.a. der  britische Künstler Stuart Semple in einer sehr stark vom klassischer  Pop-Art inspirierten Form nähert. Sein Bild gehört neben den bereits  erwähnten Adoptionen der Jonas-Mythologie zur Auswahl der ca. 30 Bilder,  die momentan in der Strychnin Gallery (Berlin) im Rahmen der  Sammelausstellung zu sehen sind. Dabei präsentiert die Ausstellung ein  breites Spektrum von unterschiedlichen künstlerischen Stilen – von der  am japanischen Manga orientierten Zeichnung, über  dadaistisch-expressionistisch anmutende Collagen bis hin zu surrealen,  verfremdeten Digitalfotographien.</p>
<p>Ein Teil des Verkaufserlöses jener Kunstwerke fließt direkt an die  deutsche Sektion der &#8220;Whale and Dolphin Conservation Society&#8221; (WDCS),  die weltweit größte Organisation zum Schutz jener Tiere.</p>
<p>Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich 12. April 2009 in den  Räumen der Strychnin Gallery (Boxhagenerstraße 36, 10245 Berlin,  www.strychnin.com). Der Eintritt ist frei.</p>
<p>Öffnungszeiten: Do.-So. 13:00h – 18:00h; Fr. &amp; Sa. – 19:00h.</p>
<p>Weitere Informationen:<br />
PIG (italienisch): <a href="http://pigmag.com/it/" target="_blank">http://pigmag.com/it/</a><br />
WDCS (deutsch): <a href="http://www.wdcs-de.org" target="_blank">www.wdcs-de.org</a></p>
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		<title>Mit neuem Konzept im neuem Domizil (in spe)</title>
		<link>http://www.leipziger-kritiken.de/2008/09/mit-neuem-konzept-im-neuem-domizil-in-spe/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Sep 2008 13:36:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Fleming</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[
Das ehemalige &#8220;Dachkino im Haus Steinstraße&#8221; – neukonstituiert als  die &#8220;neue eigentlichkeit eG&#8221; – lud für den 7.9. in den Musikpavillon im  Clara-Zetkin-Park zu einem mehr gemütlichen Pressegespräch.
Der redegewandte Christian August Geyler – der durchaus auch als  Auktionator Karriere machen könnte angesichts des aus seinem Munde  <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2008/09/mit-neuem-konzept-im-neuem-domizil-in-spe/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2008/09/n-e.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-719" title="Pressegespräch im  Musikpavillon Clara-Zetkin-Park" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2008/09/n-e.jpg" alt="" width="319" height="425" /></a></p>
<p>Das ehemalige &#8220;Dachkino im Haus Steinstraße&#8221; – neukonstituiert als  die &#8220;neue eigentlichkeit eG&#8221; – lud für den 7.9. in den Musikpavillon im  Clara-Zetkin-Park zu einem mehr gemütlichen Pressegespräch.</p>
<p>Der redegewandte Christian August Geyler – der durchaus auch als  Auktionator Karriere machen könnte angesichts des aus seinem Munde  sprudelnden Redeflusses – hieß nicht nur einige wenige wichtige  Vertreter dieser kulturkonzeptionellen &#8220;neuen eigentlichkeit&#8221;  willkommen, die er anderen Gästen vorstellte, sondern auch Neugierige,  die auf Grund wohl auch der diesjährigen Kino-Sommertour auf dieses  Projekt aufmerksam gemacht wurden und mit ihren Kommen Interesse  zeigten, daran teilzunehmen.</p>
<p><em>Grundidee dieses Konzeptes ist eine Dreiheit von Kino, Galerie und  Bar.</em><br />
Das <strong>Kino</strong>, so die Macher dieses Projektes, versteht sich als  Podium unabhängiger Filmkunst und ist in seiner Form einmalig in  Deutschland. Filmproduktionen aller Genres sollen ohne großen  finanziellen und bürokratischen Aufwand einem interessierten Publikum  vorgestellt werden. Vorteil dieses Konzeptes ist zugleich die Tatsache,  daß zwei kleinere Kinosäle mit insgesamt 70 Plätzen eine eher familiäre  und freundliche Atmosphäre schaffen sollen, um besonders nach dem  Kinogang auch eine fruchtbare Diskussion in Gang zu setzen.</p>
<p>Die <strong>Galerie</strong>, auch zugleich als Veranstaltungsort gedacht, wird  z.T. durch die Fusion mit der Galerie mr.oldman geprägt sein. Der  Großteil der regulären Kunstausstellungen der Genossenschaft wird auf  dieser Basis konzeptioniert und organisiert.</p>
<p>Die <strong>Bar</strong>, auch innenarchitektonisch so angelegt, wird der  Mittelpunkt resp. die Schnittstelle sein zwischen den beiden o.g.  Optionen. Während am Nachmittag der Schwerpunkt eher auf eine gemütliche  Arbeitsatmosphäre bei leiser Loungemusik liegt, wobei ein freies W-LAN  und Notebookports samt Kopierer und Drucker als zusätzliches Angebot  dargeboten wird, wechselt die Bar am Abend zu einer gemütlichen  Baratmosphäre mit breitem Cocktailangebot in Ergänzung zum Kinoprogramm.</p>
<p>Die organisatorische Form ist eine Genossenschaft. Manch negativer  Zungenschlag, daß das wohl so was sei wie eine &#8220;LPG&#8221;, kann man kontern  mit dem Kürzel &#8220;KPG&#8221; = Kultur-produktive Genossenschaft&#8221;. Falsch ist  nämlich nichts an diesem Konzept. Ganz im Gegenteil.</p>
<p>Der &#8220;neuen eigentlichkeit&#8221; geht es um &#8220;Anteil nehmen!&#8221;, also um einen  ständigen Austauschprozeß zwischen den o.g. drei Bereichen, da diese,  so die Intention der Agierenden, breite Auseinandersetzungen zu  verschiedenen Themen zulassen: es entstehen einzigartige – <em>eigentliche</em> – Synergien.</p>
<p>Neuer Austragungsort wird sein die Fleischergasse 8 und zwar im  Kellerbereich. Das dort unter Denkmalschutz stehende Haus wird derzeit  umfassend saniert und die &#8220;neue eigentlichkeit&#8221; wird Bestandteil eines  umfassenderen Konzeptes, das der neue Eigentümer mit dem gesamten Haus  anstrebt.</p>
<p>Für die &#8220;neuen eigentlichen&#8221; kommt dieses Haus – im Vergleich zum  Haus Steinstraße – besonders deswegen entgegen, weil es unmittelbar im  Zentrum Leipzigs liegt, was heißt: großes Laufpublikum sowie &#8220;Anbindung&#8221;  mit anderen Kulturanbietern.</p>
<p>Bis es aber zum Einzug in dieses neue Gebäude kommt, man rechnet  damit im Frühjahr bis Sommer 2009, gibt es Interimsunterkünfte, in denen  diese neue Genossenschaft ihre kulturellen Aktivitäten durchführt.</p>
<p>Und für alle, die Interesse an diesem Konzept finden: zum einen kann  man sich detaillierter über die Web-Seite <a href="http://www.neue-eigentlichkeit.de/" target="_blank">www.neue-eigentlichkeit.de</a> erkundigen, zum anderen, was noch wichtiger ist, jeder und jede kann  Mitglied dieser Genossenschaft werden, indem man entsprechende Anteile  erwirbt.</p>
<p>Ein Wermutstropfen sei genannt: es waren mehrere Vertreter der Presse  geladen, manche sagten auch zu, doch nur der Schreiber dieser Zeilen  kam auch. Man kann es auch so sagen: auf Mitarbeiter der &#8220;Leipziger  Kritiken&#8221; ist Verlaß.</p>
<p><em>Kurt W. Fleming</em><br />
7. September 2008</p>
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		<title>Schiller im Schillerhaus – diesmal auch auf schwäbisch</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Nov 2006 12:06:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt W. Fleming</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Rolf Engert (1889-1962) schrieb 1931 in der Zeitung „Letzte Politik“  [10. Jg., Nr. 26/1931, pp. 1-3] in einem Aufsatz: „Wie Stirner von  Schiller sagt: ,In seinen Werken haben wir den ganzen Schiller‘, so gilt  in gesteigertem Maße für ihn: in seinem ,Einzigen‘ haben wir den ganzen  <a href='http://www.leipziger-kritiken.de/2006/11/schiller-im-schillerhaus-%e2%80%93-diesmal-auch-auf-schwabisch/'>[...]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rolf Engert (1889-1962) schrieb 1931 in der Zeitung „Letzte Politik“  [10. Jg., Nr. 26/1931, pp. 1-3] in einem Aufsatz: „Wie Stirner von  Schiller sagt: ,In seinen Werken haben wir den ganzen Schiller‘, so gilt  in gesteigertem Maße für ihn: in seinem ,Einzigen‘ haben wir den ganzen  Stirner.“¹ Dieser Satz trifft den berühmten Nagel auf dem Kopf.</p>
<p>Während man aber bei Stirner „nur“ ein Buch lesen braucht (und ein paar  wenige Essays), so ist das Œuvre Schillers umfassender. Das heißt, wer  Schiller kennen lernen möchte, muß seine Werke lesen. Das ist  selbstredend sehr aufwendig. Wer dies vorerst (!) umgehen möchte, kann  es einfacher haben: er oder sie gehe zum Schillerhaus in die  Menckestraße 42 in Leipzig und folge sowie lausche der Führung des  Leiters dieser Einrichtung, Dietmar Schulze.</p>
<p><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/schulze.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-972" title="Foto: Kurt W. Fleming" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/schulze.jpg" alt="" width="378" height="283" /></a></p>
<p>Eine solche Gelegenheit bot sich wieder, als am Dienstagabend (7.  November) eine Veranstaltung stattfand, wo Texte von Schiller von dem  Konrad-Wolf-Preisträger Wolfgang Engel und dem Schauspieler Martin Reik  gelesen wurden.</p>
<p>Das Publikum war durchwachsen: von jung bis sehr alt, auch die  Frauenquote war erfüllt.</p>
<p>Dieser anspruchsvolle Abend begann also mit einer Führung durch das  kleine idyllische Schillerhaus, trotz der darin herrschenden Kühle.  Schulze versteht es sehr gut, seine ZuhörerInnen zu interessieren: Als  hätte er in seinem Kopf eine Walze mit ausgestochenen Noppen, die nach  dem Anschlagen auf die Metallbänder die Musik erzeugen, so quoll aus ihm  wie auf einem Fließband sein Wissen über Schiller heraus, wobei er  immer wieder sich einschränken mußte, weil sein Wissen über Schiller in  Leipzig kein Ende zu kennen scheint. Das anekdotische Erzählen macht die  Darstellung des Lebens eines der anspruchvollsten Dichter sehr angenehm  und leicht zugänglich. Schulze versteht es meisterhaft seinen  ZuhörerInnen Schillers Aufenthalt in Leipzig plastisch darzubieten. Es  wäre daher nicht schlecht, würde er die Möglichkeit nutzen, seine  Führung durch das Schillerhaus in der Form, wie er es vorträgt, auch als  Begleitheft seinen BesucherInnen nach Verlassen des Hauses –  selbstredend gegen Entgelt – in die Hand zu drücken. Das Beste wäre, er  nimmt auf einem Tonträger seine Führung auf, die als Grundlage des oben  genannten Begleitheftes – versehen mit ausgewählten Fotos, die im  Schillerhaus vorhanden sind – dienen könnte.</p>
<p>Die Führung dauerte knapp eine Stunde. Danach gab es eine ca.  halbstündige Pause, wo jeder ein Glas Sekt – mancher auch zwei – trinken  konnte. Während dieser Pause bereitete sich Martin Reik an seiner  Gitarre vor, die er einstimmte.</p>
<p>Dann begann die Lesung. Engel und Reik wechselten sich darin ab.</p>
<p><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/engel.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-973" title="Foto: Kurt W. Fleming" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/engel.jpg" alt="" width="212" height="210" /></a></p>
<p>Engel begann mit Schillers „Jeremiade“:</p>
<p>„Alles in Deutschland hat sich in Prosa und Versen verschlimmert,<br />
Ach, und hinter uns liegt weit schon die goldene Zeit!<br />
Philosophen verderben die Sprache, Poeten die Logik,<br />
Und mit dem Menschenverstand kommt man durchs Leben nicht mehr.“</p>
<p><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/reik2.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-974" title="Foto: Kurt W. Fleming" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/reik2.jpg" alt="" width="283" height="378" /></a></p>
<p>Es folgten die „Sprüche des Confucius“, die Reik (versehen mit einem  jazzigen Timbre) als Gesang vortrug. Kaum zu glauben, daß Schillers  Gedichte so gut verjazzt werden können. Allein mit dieser Vortragsweise  könnte Reik einen ganzen Abend füllen. Daß er sehr gut singen kann,  bewies er schon mit seinen „Songs vom anderen Ufer“, die er in der  „Neuen Szene“ vortrug.</p>
<p>Es ging dann Schlag auf Schlag: „Die Teilung der Erde“, „Das  Geheimniß“, „Freigeisterei der Leidenschaft“, „Das deutsche Reich“  (Deutschland? aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden. / Wo  das gelehrte beginnt, hört das politische auf.), „Das verschleierte Bild  zu Saïs“ usw. usf.</p>
<p>Dann eine Überraschung: erst glaubte man sich zu verhören, aber  tatsächlich las Reik – gebürtiger Schwabe – den „Taucher“ auf –  schwäbisch, etwa so, wie Schiller dies getan haben könnte. Nebenbei  erzählte Reik davon, daß es Überlieferungen davon gibt, wie Schiller  schwäbisch deklamierte und so manche Fans schockierte. Und wir wissen  auch aus der Werbung betreffs des Landes Baden-Württemberg: „Wir können  alles, außer Hochdeutsch!“</p>
<p>Diese schwäbische Variante des „Tauchers“ kam beim Publikum sehr gut  an. Das wäre eine weitere Möglichkeit, einen ganzen Abend zu füllen,  wenn Schillers ausgewählte Werke schwäbisch vorgetragen würden: den Reik  haben wir ja schon, der das perfekt hinbekommt.</p>
<p>Er bot zwei weitere schwäbische Varianten an, als er den „Handschuh“  vortrug. Auf Schwäbisch heißt Handschuh: „Hedschich“. Reik begann also  erst einmal mit den beiden Worten: „Der Hedschich“ – daraufhin  „übersetzte“ Engel dies Wort ins Hochdeutsche: „Der Handschuh“. So ging  das die ganze Ballade hindurch. Fiel das Wort „Hedschich“, kam Engel mit  seiner hochdeutschen Übersetzung. Das klang zwar improvisiert, war aber  freilich so geplant.</p>
<p>Als Reik dann zur nächsten Ballade kam und ihren Titel ansagte: „Die  Glocke“, erklang ein Engel&#8217;sches Stöhnen: „O Gott!“, was aber Reik nicht  abhielt, diese auch vorzuschwäbeln.</p>
<p><a href="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/reik1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-975" title="Foto: Kurt W. Fleming" src="http://www.leipziger-kritiken.de/wp-content/uploads/2006/11/reik1.jpg" alt="" width="303" height="378" /></a></p>
<p>Kurzum: es war ein gelungener Abend, derer es mehrere geben sollte.  Beide Akteure erhielten zum Schluß Geschenke: einmal von Herrn Schulze  je eine A-4-formatige Broschüre mit eigenen Ausarbeitungen, die er durch  langes Studium in den Bibliotheken über Schiller zusammentrug, zum  andern je ein Buch von Rolf Engert: „Dramatik und Dichtkunst“ aus dem  Verlag edition unica, überreicht vom Herausgeber.</p>
<p>Wolfgang Engel ließ es sich zum Schluß nicht nehmen, auf die als  theatralisches Spektakel angelegte Premiere von Schillers <a href="http://leipziger-kritik.bplaced.net/2007/03/wallenstein"><strong>Wallenstein-Trilogie</strong></a> hinzuweisen, deren drei Teile an drei Orten, aber alles an einem Tage,  gespielt werden sollen, und das am 3. März 2007: Beginn 16 Uhr in der  Baumwollspinnerei, Halle 14: Die Piccolomini; 19.30 Uhr im  Schauspielhaus: Wallensteins Tod; 23.00 Uhr am Völkerschlachtdenkmal:  Wallensteins Lager, Das Schauspielhaus Leipzig organisiert selbstredend  den erforderlichen Transfer zwischen den Spielstätten. Schiller hätt&#8217;s  gefreut.</p>
<p><em>Kurt W. Fleming<br />
</em>Lesung im Schillerhaus, 7. November 2006</p>
<p><span style="font-size: x-small;">¹  Rolf Engert: Max Stirner und sein Werk „Der Einzige und sein Eigentum“.  In: Der Einzige. Vierteljahresschrift des Max-Stirner-Archivs Leipzig,  Heft 4 (8) 1999, S. 8</span></p>
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